Am Inn entlang zum Soyener See

Schauplätze des Ausflugs sind das Plateau über dem Ostufer des Inn bei Griesstätt, die Stadt Wasserburg und die Seenlandschaft nördlich davon. Auf dem Programm stehen Kultur ebenso wie schöne Wanderungen und prächtige Aussichtspunkte. Absolute Highlights aber sind die glanzvolle Rokokokirche in Rott und die malerische Altstadt in Wasserburg. (Autor: Armin Scheider)
8 km
90 m
2.00 h
Auftakt in Rott am Inn. Die altbayerische Gemeinde am Hang des Inngrabens zwischen Wasserburg und Rosenheim kann mit einem Glanzstück aufwarten. Als Überbleibsel einer 1083 gestifteten Benediktinerabtei, die 1803 aufgelöst wurde, zählt heute die Klosterkirche St. Marinus und Anianus zu den schönsten Rokokokirchen Bayerns. Kein Geringerer als der führende Sakralarchitekt des 18. Jh., Johann Michael Fischer, hat sie 1763 anstelle einer romanischen Basilika errichtet.

Im Innern haben berühmte Künstler ihrer Zeit mitgewirkt - Weltbekannt sind die Skulpturen von Ignaz Günther, so die Bauernheiligen Isidor und Notburga und der Kardinal Damiani. Auch der Hochaltar ist sein Werk. Matthäus Günther hat die Deckenfresken geschaffen, der zarte Stuck stammt aus der Hand von Jakob Rauch. Nach mehrjähriger Renovierung erstrahlt die Kirche wieder in alter Pracht und neuem Glanz. Auf dem Friedhof der Kirche die Strauß-Gruft, wo der ehemalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß und seine Gattin beigesetzt sind. Der Politiker war Ehrenbürger der Gemeinde.

Wanderung nach Kerschdorf

Gestärkt von geistigen Genüssen machen wir uns auf den Weg Richtung Wasserburg, um über Griesstätt nach Unterhöhfelden zu fahren. Dort bietet sich eine besonders schöne und aussichtsreiche Wanderung von gut acht Kilometern an. Besonders die ersten drei Kilometer werden begleitet von großartigen Ausblicken nach Süden bis zum Alpenkamm. Aber auch der Rückweg von Thalham nach Hafenham verläuft in einer reizvollen Talsenke mit Sicht nach allen Seiten.

Aufpassen muss man bei der Routenführung am Nordrand von Thalham. Dort geht an der Gabel rechts ein Sträßchen nach Alteiselfing und links ein Feldweg hinunter in die Senke. Letzterem folgen wir, biegen unten rechts ab und bleiben an den kommenden Wegegabelungen jeweils links. So kommt man über Hafenham nach Unterhöhfelden zurück.

Rundgang in Wasserburg

Dieser Ausflugsführer hat sich zwar stillen Wegen verschrieben, doch an besonders attraktiven und damit etwas betriebsameren Orten wie Wasserburg kommt auch er nicht vorbei. Die frühe Geschichte der Stadt ist die Geschichte der Burg. 1137 errichtet, wechselte sie in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Besitzer, zuletzt, 1506, fiel sie an das wiedervereinigte Bayern. Wasserburg erhielt schon im 13. Jh. Markt- und Stadtrechte. Durch verkehrsgünstige Lage erfuhr die Stadt auch wirtschaftlichen Aufschwung, vor allem im 14. und 15. Jh. Anfang des 16. Jh. verlor sie dann wichtige Rechte und hatte fortan nur noch als Handels- und Kriegshafen Bedeutung.

Im 19. Jh. erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss, die Innschifffahrt wurde eingestellt. Von der fortschreitenden Industrialisierung im gleichen Jahrhundert bekam sie aber kaum etwas zu spüren. Obwohl die Stadt ihrer Lage und ihres Ortsbildes wegen zu den schönsten in Südbayern gehört, erlebt man in Wasserburg selten Massenandrang. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der malerischen, vom Inn umschlungenen Altstadt lernt man am besten auf einem Rundgang kennen. Dazu nachfolgend eine kurze Beschreibung der Bauwerke und Einrichtungen.

Innbrücke (1): Einziger Zugang zur Stadt von Süden. Seit 1338 erwähnt, häufige Zerstörung durch Eisstöße, heutige Brücke von 1929.
Brucktor (2): Seit 1374 nachgewiesen, wiederholt umgebaut. Wandmalereien auf der Innseite von 1568.
Heiliggeist-Spital (3): 1341 erbaut als Einrichtung für hilfsbedürftige Menschen. Integrierte Kirche mit wertvollem holzgeschnitztem Altarbild um 1500.
Im Spital heute das Erste Imaginäre Museum (4): Weltweit einzigartiges Museum mit über 500 Meisterwerken der bildenden Kunst, originalgetreu nachgebildet (offen Mai–Sept. von Di–So 13–17, sonst nur bis 16 Uhr).
Frauenkirche (5): 1324 erstmals erwähnt, 1753 barockisiert, heute älteste Kirche der Stadt. Im Hochaltar ein gotisches Gnadenbild der Muttergottes von 1420.
Kernhaus (6): Heute u. a. Sitz des Amtsgerichtes, prächtige Rokokofassade (1738) von J. B. Zimmermann.
Rathaus (7): Spätgotischer Bau, fertiggestellt 1459. Im Erdgeschoss ehemalige Kornschranne (heute Eingangshalle Rathaus) und Brothaus (heute Café), im Obergeschoss die historische Ratsstube (kleiner Rathaussaal) mit Originalausstattung von 1564 und das Tanzhaus (großer Rathaussaal), heute u. a. genutzt für Rathauskonzerte.
Städtisches Museum im Heimathaus (8): Bedeutende kunst- und kulturgeschichtliche Sammlungen, so z. B. eine der umfangreichsten Bestände alter Bauernmöbel in Oberbayern (offen wie Erstes Imaginäres Museum).
Pfarrkirche St. Jakob (9): 1410 neu erbaut, besonders sehenswert die Renaissancekanzel der Gebrüder Zürn (1638) und zahlreiche Grabdenkmäler.
Burg (10): Die frühere Anlage wurde 1531–1537 zum herzoglichen Schloss umgebaut. Es beherbergt heute ein Kloster und ein Altenheim und kann nicht besichtigt werden.
Roter Turm (11): Letzter Torturm der alten Stadtbefestigung, nach Westen anschließend ein Stück der alten Stadtmauer. In der Tränk- und Gerblgasse sowie am Bahnhofsplatz standen früher ähnliche Türme. Außerhalb des Altstadtkerns sind u. a. noch von Interesse: die Schöne Aussicht am südlichen Innsteilufer, das Wegmachermuseum in der Herderstraße 5 (geöffnet Mo–Fr 8–11.30, Mo–Do auch 13–15 Uhr), der Skulpturenweg auf dem Inndamm und das Erlebnisbad BADRIA sowie Schiffsrundfahrten auf dem Inn.

Abstecher zum Soyener See

Von Wasserburg aus geht es zum Tagesabschluss wieder in ruhigere Gefilde. Wir fahren Richtung Ebersberg aus der Stadt, wechseln nach ca. zwei Kilometern auf die B 15 nach Norden und verlassen die Bundesstraße nach sechs Kilometern wieder Richtung Soyen. Bald taucht der Soyener See auf, reizvoll eingebettet in die sanfte Hügellandschaft. Auf der Ostseite ein Strandbad und ein Campinggelände, die übrigen Ufer des Sees sind stark eingewachsen, dort führen auch keine Wege entlang. Die zwei Kirchtürme am Seeufer sind der Zwiebelturm in Soyen und der Spitzturm von Kitzberg.

Wanderung um Soyen 

Einen guten Eindruck von der Gegend vermittelt die nachstehende Wanderung. Sie führt ab Soyen zunächst in reizvoller bäuerlicher Gegend über Kraimoos nach Lamsöd und dann mit zunehmend schöner Alpensicht ins hoch gelegene Kirchreit. Von dort geht es über Kitzberg nach Soyen zurück. Einzelheiten der Route siehe Karte unten. Die Wanderung ist rund neun Kilometer lang und beinhaltet nur einige kürzere Steigungen. Auf »KulturSpur«. Der Aktionskreis Edling Kultur und Heimat e.V. hat einen kulturhistorischen Radwanderweg angelegt, der insgesamt neun Stationen anläuft. Es handelt sich dabei durchwegs um archäologisch wertvolle Denkmäler, auch wenn einige davon eher unscheinbar wirken. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren wird diese Route hier wiedergegeben.

KulturSpur hat mit Abstechern eine Länge von gut 27 Kilometer und enthält nur wenige Steigungen. Landschaftlich wird viel Abwechslung geboten. Während im Norden längere Walddurchfahrten anstehen, bietet der südliche Teil mehrfach großartige Ausblicke auf Land und Alpenkette. Der Radwanderweg ist vorbildlich ausgeschildert. Angezeigt wird jede Richtungsänderung und selbst bei kurzen Abstechern lenken Schilder wieder zurück auf die Hauptroute. An den Stationen sind Tafeln aufgestellt, die ausführlich über das jeweilige Objekt informieren. Lediglich am Schloss Hart und in Felling fehlen die Tafeln.

Schloss Hart stammt aus dem 17. Jh. Seine Besitzer waren zumeist Adelige, heute befindet es sich in Privatbesitz. Besichtigt werden kann nur die Schlosskapelle und zwar nach Anmeldung. Sie können aber das Restaurant im Schloss Hart besuchen, dann sitzen Sie unter Arkaden mit Blick auf den romantischen Innenhof. Tagsüber hat der Gasthof nur an Sonn- und Feiertagen von 12–14.30 Uhr geöffnet. Das Franzosenkreuz in der Ortsmitte von Felling ist an der Straßenseite in die Wand des Kiermaierhofes eingelassen. Das barocke Kreuz erinnert an einen Bauern aus Felling, der 1801 von einem napoleonischen Soldaten des Gelddiebstahls bezichtigt und ermordet wurde. Später fand sich das Geld wieder, womit die Sache aber nicht erledigt war. Der Soldat wurde für die Tat von einem französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt.

Länge der Tourenabschnitte

Autoroute ca. 35 km (Rott-Wasserburg-Soyen-Station 1 KulturSpur)
Radtour ca. 27 km
Wanderung 1 ca. 8 km
Wanderung 2 ca. 9 km
 

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied90 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKlosterkirche in Rott am Inn Anfahrt auf der B 304 über Ebersberg und Pfaffing oder auf Nebenstrecke über Glonn und Aßling Bahnverbindung über Rosenheim nach Rott.
TourencharakterSchauplätze des Ausflugs sind das Plateau über dem Ostufer des Inn bei Griesstätt, die Stadt Wasserburg und die Seenlandschaft nördlich davon. Auf dem Programm stehen Kultur ebenso wie schöne Wanderungen und prächtige Aussichtspunkte. Absolute Highlights aber sind die glanzvolle Rokokokirche in Rott und die malerische Altstadt in Wasserburg.
Beste Jahreszeit
GastronomieGriesstätt: Gasthaus Jagerwirt Biergarten, kein Ruhetag
Wasserburg: Paulanerstuben Inn-Terrasse, kein Ruhetag
Fletzinger-Bräu Inn-Terrasse, kein Ruhetag
Café Alte Schranne Terrasse, Mo Ruhetag
Edling Schlossstuben Schloss Hart Öffnungszeiten Mo–Sa ab 18, So/Feiertag 12–14.30 und ab 18 Uhr, Di u. Mi Ruhetage
Tourismusbüro
Rott am Inn Tel. 08039/9068-0 www.rottinn.de
Wasserburg Tel. 08071/105-22 www.wasserburg.de
Soyen Tel. 08071/9169-13 www.soyen.de
Edling Tel. 08071/9188-0 www.edling.de
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