Am Inn entlang zum Kaisergebirge

Wir fahren am Inn entlang ein kurzes Stück ins benachbarte Österreich, wobei zwei spektakuläre Gegenpole das Geschehen bestimmen - in Neubeuern der Marktplatz mit seiner filmreifen Kulisse, in Kufstein das markante Kaisergebirge. (Autor: Armin Scheider)
8 km
750 m
2.00 h
Anfahrt über Aying und Weihenlinden. Wenn Sie auf der Fahrt nach Neubeuern die Autobahn meiden und stattdessen die Staatsstraße Ottobrunn–Rosenheim nutzen, passieren Sie zwei Dörfer, die besondere Attraktionen bereithalten. Zunächst Aying, oft berühmtestes Bierdorf Bayerns genannt. Und das nicht nur, weil es ein typisch bayerisches Dorf ist, zu dem, wie die Ayinger sagen, immer eine Kirche mit Zwiebelturm, ein Maibaum, alte, blumengeschmückte Bauernhäuser und eine Brauerei mit Gasthof gehören, sondern es ist tatsächlich eine Berühmtheit in Sachen Bier. Ayinger Biere gewinnen Jahr für Jahr Goldmedaillen und ab 1994 wurde die Ayinger Brauerei sogar mehrfach zur »best small brewery of the year«, also zur besten kleinen Brauerei des Jahres gekürt, und zwar in Chicago bei der renommierten World Beer Championship. Natürlich kann man diese Weltklasse-Brauerei auch besichtigen (Anmeldung unter Tel. 0 80 95/88 51) und Einblick nehmen in die Herstellung des Bieres. Die zweite Zwischenstation ist Weihenlinden. Das Besondere dort ist die Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit – aber nicht so sehr die kunstvolle Inneneinrichtung, sondern mehr die in die Kirche integrierte achteckige Gnadenkapelle, eine Kirche in der Kirche also und damit eine sehenswerte Rarität. Dorfbummel in Neubeuern. 1981 schönstes Dorf Deutschlands und auch 25 Jahre später noch ein höchst erfreulicher Anblick - das alpenländische Ortsbild von Neubeuern. 1393 zum Markt erhoben, ist das Dorf heute denkmalgeschützt und besitzt einen Marktplatz, der als schönster im Alpenvorland gilt. Besonders schmuck die Lüftlmalereien der umstehenden Häuser, behaglich das Ensemble in der Platzmitte mit dem Floriansbrunnen unter Linden und malerisch die Lage des Dorfkerns zu Füßen des oben thronenden Schlosses. Beim Spaziergang durchs Dorf wähnt man sich in einer gemütlichen Wohnstube. Hervorzuheben unter den historischen Gebäuden am Marktplatz ist der Gasthof Zum Stangenreiter mit dem Wandbild eines Schiffszuges, des Weiteren das Schiffmeisterhaus neben der Kirche, das Haus des Verkehrsamtes und – am Münchner Tor – das Beizzöllnerhaus. Dieses Bilderbuchdorf war wiederholt Kulisse für Heimatfilme. Ein romantisches Spektakel läuft alljährlich an einem Juliwochenende ab: Beim berühmten Lichterfest sitzen Einheimische und Besucher auf dem Marktplatz zusammen und verbringen den Sommerabend im Schein tausender brennender Kerzen – ein sehr schönes Erlebnis! Theaterklassiker im Inntal. Wir setzen die Fahrt auf der Westseite des Inn fort und kommen zunächst nach Flintsbach. Dort ist das zweitälteste Volkstheater Deutschlands angesiedelt. 1675 gegründet, begann es 1823 mit regelmäßigen Aufführungen und pflegt heutzutage vor allem das bäuerliche Volksstück. Spielzeit ist von Anfang Juni bis Ende August, die Darsteller sind ausnahmslos Bürger der Gemeinde. Das älteste Dorftheater Deutschlands, schon 1618 ins Leben gerufen, ist in Kiefersfelden südlich von Flintsbach beheimatet. Dort wurde 1833 eine neue »Comödihütte« gebaut und fortan für Aufführungen genutzt. Schon damals verlegte man sich auf Ritterspiele, die heute im Juli und August aufgeführt werden und über die Grenzen hinaus bekannt sind. Dass es eine theaterfreudige Gegend ist, beweist auch der österreichische Ort Erl auf der Gegenseite des Inn. Dort bringen seit 1633 Laienschauspieler alle vier Jahre die berühmten Passionsspiele zur Aufführung. Bergwanderung zum Pendling. Wir verlassen Kiefersfelden und erreichen Kufstein. Nach Unterquerung der Autobahn biegt man rechts Richtung Thiersee ab und fährt in Vorderthiersee beim Pfarrwirt links hinauf zum Gasthaus Schneeberg. Dort beginnt der Aufstieg zum 1563 m hohen Pendling (siehe Karte oben). Zunächst folgt man 20 Minuten einem Teer-, später Schotter- sträßchen, dann in einer markanten Rechtskurve links einem steilen Hangweg (beschildert). Er führt in knapp einer Stunde hinauf zu einem Plateau und einer Forststraße, wo man noch einmal 15 Minuten vor zum Gipfelkreuz und zur Pendlinghütte braucht. Wir stehen nun an der steilen Ostflanke des Pendling zum Inntal hin und begeistern uns an der Aussicht. Gut 1000 Meter unter uns das Inntal mit der Stadt Kufstein, nach Süden hin zieht sich das Band des Inn hinaus in die breite Talsenke, dahinter bauen sich die Gipfel der Kitzbüheler- und Zillertaler Alpen auf und noch weiter draußen die Felspyramiden des Großglockners und Großvenedigers in den Hohen Tauern. Der eigentliche Superlativ dieses Panoramas aber ist der Blick auf das Kaisergebirge, der in dieser Perspektive von keinem anderen Punkt der Alpen mehr möglich ist. Wunderbar deutlich liegt der weltberühmte Gebirgszug wie ein Anschauungsmodell gegenüber und gibt seine markante Dreiergliederung frei: links der Zahme Kaiser mit der Pyramidenspitze (1997 m), rechts der Wilde Kaiser mit einer Parade von Felstürmen, die meisten deutlich höher als 2000 Meter. Dazwischen das Kaisertal, eines der schönsten Hochtäler der Ostalpen überhaupt. Wenn wir uns endlich losgerissen haben, kehren wir bei den freundlichen Wirtsleuten der Pendlinghütte ein oder machen uns gleich auf den Rückweg, wer möchte, mit einem Schlenker über die Kaleralm. Der Vorteil dabei ist, dass man die einfacher zu gehende Forststraße mit Ausblicken nach Süden nutzen kann. Bis zum Gasthaus Schneeberg braucht man bei dieser Variante ca. eine Stunde und 15 Minuten. Inn-Radeln ist in. Wenn Sie den Pendling schon kennen oder lieber radeln, ist folgender Alternativvorschlag überlegenswert: Sie setzen sich an der Innbrücke Oberaudorf aufs Radl und fahren immer am Ostufer des Inn nach Kufstein. Dort unterbrechen Sie die Radtour und wandern in das reizvolle Kaisertal hinauf. Wenn Sie wieder im Tal sind, geht es mit dem Fahrrad nach Oberaudorf zurück. Dieses Unternehmen werden Sie ganz sicher nicht bereuen! Höhepunkt der Radtour ist die Fahrt am Inn entlang nach Süden: ein komfortabler Uferweg, rechter Hand der majestätische Strom und rundherum Prachtsicht auf Tallandschaft und Zahmen Kaiser. Hin und zurück ist die Tour 20 Kilometer lang. Nicht minder imponierend der Gang ins Kaisertal. Nachdem die 283 Treppenstufen am Eingang bewältigt sind, steigt der Weg weiter kontinuierlich an. Liegen die Gasthöfe Veitenhof (geschlossen) und Pfandlhof (Do. Ruhetag) hinter uns, zeigen sich aufregend schöne Bilder mit den Felsmassiven des Wilden Kaisers. Auch an der Antoniuskapelle bietet sich ein erhabener Landschaftsrahmen. Wenn Sie hier umkehren, werden es zusammen rund zehn, bis nach Hinterbärenbad immerhin 17 Kilometer. Bedenken Sie jedoch, dass Sie auch noch nach Oberaudorf zurückradeln müssen.

Länge - Autorundfahrt: ca. 40 km (Neubeuern–Kufstein) Radtour: ca. 20 km Wanderungen: Pendling 2,5 Std., Kaisertal 10 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied750 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNeubeuern im Inntal Autoanfahrt von München auf A 8 oder Staatsstraße Ottobrunn–Rosenheim (ca. 75 km) Bahnverbindung - keine
TourencharakterWir fahren am Inn entlang ein kurzes Stück ins benachbarte Österreich, wobei zwei spektakuläre Gegenpole das Geschehen bestimmen - in Neubeuern der Marktplatz mit seiner filmreifen Kulisse, in Kufstein das markante Kaisergebirge.
Und das erwartet Sie unter anderem:
das berühmteste Bierdorf Bayerns;
das schönste alpenländische Dorfbild Oberbayerns;
die ältesten Volkstheater Deutschlands;
der eindrucksvollste Kaiserblick am Alpenrand.
Beste Jahreszeit
GastronomieAying Brauereigasthof Garten, kein Ruhetag Neubeuern Hofwirt, Biergarten, Do. Ruhetag Café Haschl-Alm Terrasse, Di. Ruhetag Flintsbach Falkenstein Mo. und Di. Ruhetage Kufstein Goldener Löwe Weinhaus Auracher Löchl beide ohne Ruhetag Kaisertal Heurigen-Weinstadl Gastgarten, Mo. Ruhetag Alpengasthof Pfandlhof Terrasse, kein Ruhetag
Tourismusbüro
Neubeuern Tel. 0 80 35/21 65 www.neubeuern.de Kiefersfelden Tel. 0 80 33/97 65 27 www.kiefersfelden.de Kufstein Tel. 00 43/53 72/6 22 07 www.kufstein.at
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