Am Ilswaal und Zaalwaal bei Schlanders

Ausgedehnte Waalrunde im Zentrum des Vinschgau.
Ausgedehnte und durch einige steile Passagen auf schmalen Bergpfaden sowie Anstiegen etwas anspruchsvolle Tour, entlang der Waalwege bequem zu begehen; Orientierung aufgrund der Vielzahl an Wegen und Abzweigungen etwas schwierig (Autor: Peter Mertz)
Entlang des Ilswaals.
Um den gesamten Ilswaal in einer Strecke durchgehen zu können, müssen wir zuerst den beschwerlichen Anstieg zur Schlandersburg in Kauf nehmen. Wir wandern vom Schwimmbad den Schlandraunbach aufwärts, passieren den Freizeitpark und gelangen zu einer Brücke, wo nach rechts der Burgsteig abzweigt. Vorbei an Bänken und Bildstöcken erklimmen wir über felsiges Gelände die knapp 300 Höhenmeter zur Burg hinauf. Dort folgen wir dem Weg Nr. 5 vorbei am Gasthof Fisolgut und steigen über Grashänge etwa 100 Höhenmeter zum Schlandraunbach hinab. Eine Brücke bringt uns zum Waal hinüber, der knapp 100 Meter bachaufwärts das Wasser einkehrt. Für die nächste halbe Stunde begleiten wir mit Blick auf Schlanders gemütlich den Ilswaal, der über bewaldete Hänge das Wasser zu Obstgärten und Weingärten zwischen Schlanders und Kortsch leitet. Der Verlauf durch schattigen Föhrenwald mit kleineren Schussstrecken ist besonders romantisch, dazu genießen wir herrliche Blicke zur Schlandersburg hinüber.
Bei einer Kreuzung mit einer Forststraße folgen wir noch ein wenig dem Waal geradeaus, der bald über eine Gefällestrecke abgeleitet wird. Unsere Route verläuft aber weiterhin auf einem bequemen Wanderpfad, bis wir auf eine schmale Asphaltstraße treffen. Nach links können wir zum Ägidiuskirchlein absteigen, das als romantisches Felsenkirchlein heute ein beliebtes Ziel für Wanderer ist.
Zum Beginn des Zaalwaals.
Wir bleiben aber auf dem schmalen Sträßchen, das die Sonnenhöfe rund um Talatsch mit dem Tal verbindet, und zweigen bei der nächsten Spitzkehre auf den Weg Nr. 4 ab. Durch abschüssige Trockenhänge windet sich der schmale Felspfad nach oben und bringt uns zum St.-Georgs-Kirchlein, das nur noch als Ruine erhalten ist. Auch das umgebende Gebiet ist archäologisch bedeutend. Um zum Beginn des eigentlichen Zaalwaals zu kommen, steigen wir auf einem ebenfalls schmalen Pfad in einen vermeintlichen Bachgraben hinein, aus dem der Kanal ausgeleitet wird. Der Zaalwaal, der erstmals 1332 in einer Urkunde erwähnt wird, zweigt aber gut 800 Meter höher vom Schlandraunbach ab und wird in einem bergbachähnlichen Graben durch die Hänge geleitet. Er führt bis zu 160 Liter Wasser pro Sekunde und musste früher aufgrund seiner Länge und des schwierigen Verlaufs von zwei Waalern beaufsichtigt werden. Der Name hat übrigens nichts mit »Zahl« oder »zahlen« zu tun, sondern stammt vom rätoromanischen Wort für »Rinne«.
Der Zaalwaal.
Der romantische und aussichtsreiche Weg hält einige Überraschungen wie Wehre, eine Waalschelle und alte Mühlengebäude bereit, die über Holzkandeln mit Waalwasser gespeist werden. Etwa eine Stunde wandern wir westwärts in Richtung Kortsch, lassen sämtliche Seitenpfade unbeachtet, bis der Waal unmittelbar beim Sportplatz von Kortsch endet. Wir verlassen hier den Hangweg, der weiter nach Allitz führt, und wandern über die asphaltierte Straße ins Zentrum von Kortsch. Beim Dorfbrunnen wenden wir uns nach links, gehen etwa 300 Meter durch eine Dorfgasse, um beim nächsten Brunnen dem Wegweiser »Ägidiuskirchlein« zu folgen. Durch Weinterrassen gelangen wir zur Fahrstraße nach Talatsch. Beim Abzweig des Waldwegs zum Ägidiuskirchlein passieren wir einen schattigen Rastplatz und folgen dem gut trassierten Waldweg durch Kastanienwald westwärts. Nach links führt der Steig zum Kirchlein, geradeaus gelangen wir an eine Weggabelung, wo es nach rechts in Richtung Schlanders geht und links der Begleitweg des Unterlaufs des Ilswaal zu erreichen ist. Der Waal vom Beginn der Wanderung hat uns wieder und wir folgen seinem Verlauf aufwärts. Nach 15 Minuten haben wir die Kreuzung erreicht, bei der der Ilswaal ins Schlandrauner Bachtal führt. Wir aber wählen den steil abwärts ziehenden Forstweg, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Knapp vor dem Ende dieser erlebnisreichen Tour haben wir noch die Möglichkeit, einen 100 Meter langen Abstecher zu einem Wasserfall des Schlandraunbaches zu unternehmen. Schließlich kehren wir zum Freizeitpark am Schwimmbad von Schlanders zurück.

Dauer: Schwimmbad Schlanders – Schlandersburg 1 Std.– Ilswaal 30 Min. – Georgenkirchlein 1 Std. – Zaalwaal 10 Min. – Kortsch 1 Std. – Schlanders 1 Std.; Gesamtgehzeit 4.40 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1000 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSchlanders (721 m), Parkplatz am Schwimmbad im östlichen Ortsteil
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterGeschichte und Schicksal der Sonnenhänge rund um Schlanders verlangen es nahezu, eine ausgedehnte Wanderrunde zu unternehmen, die zwar weit anstrengender ist als manch andere Waalrunde, aber umso eindrucksvoller den Naturraum mit seinen kulturellen Schätzen vorstellt. Dabei lernen wir zwei unterschiedliche Waale kennen und ganz nebenbei eine Burg und zwei sakrale Kultstätten. Darüber hinaus wird uns die vielgestaltige Landschaft ein unterhaltsamer Begleiter sein, während die Wege stete Blicke auf den gewaltigen Schwemmkegel von Schlanders und Kortsch sowie bis zu den Ortlerbergen gewähren. Schlanders und Kortsch liegen an der Klimagrenze des Vinschgau. Hier können die letzten Edelkastanien und Reben reifen, während westwärts das Tal immer mehr in Richtung Reschen ansteigt. Deshalb benötigte man hier besonders viel Wasser, um die ausgedehnten Kulturen an den Sonnenhängen fruchtbar zu halten, ehe die berüchtigten regenarmen Winde des Obervinschgau den Feldanbau immer schwieriger werden lassen.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:50000, Blatt WKS 2 (Vinschgau) ; Kompass Wanderkarte1:50000, Blatt 52 (Vinschgau)
VerkehrsanbindungAuf der Vinschgau-Staatsstraße (SS 38) nach Schlanders, dort zum Schwimmbad im östlichen Ortsteil, Zufahrt beschildert Bahnverbindung mit der Vinschgaubahn nach Schlanders; Bahnhof etwa 1 km vom Ausgangspunkt entfernt
GastronomieGasthäuser in Schlanders, Jausenstation Fisolgut bei der Schlandersburg
Tourismusbüro
Tourismusverein Schlanders, Göflanerstraße 27, I–39028 Schlanders, Tel.: 0473/737050, www.schlanders-laas.it, info@schlanders-laas.it

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