Adieu, schönes Wallis!

Klassische Alpenwanderung, früher der Weg vom Berner Oberland ins Wallis. Einmalig der alte Gemmiweg, großartig der Blick von der Passhöhe auf die Walliser Alpengipfel. Wer's bequem mag, fährt per Seilbahn zur Gemmi hinauf und wandert dann auf dem historischen Weg hinab ins Tal. (Autor: Eugen E. Hüsler)
7 km
1040 m
2.00 h
Wer nicht gleich dem Pass entgegenschweben möchte, lässt die Talstation der Gemmibahn (1424m) am Ortsrand rechts liegen und folgt einem Sträßchen bergan in den Wald unter der Gemmiwand. Im Zickzack nähert sich der breite Weg der scheinbar unüberwindbaren Felsbarriere, um dann in vielen Serpentinen, jähe Abbrüche umgehend, rasch an Höhe zu gewinnen. Die Augen braucht sich niemand verbinden zu lassen; solide Geländer sichern die Wanderer vor der Tiefe. Zur Linken ragt die zerklüftete Ostwand des Daubenhorns (2942m) in den blauen Himmel. Über die Untere und die Obere Schmitte (2187m), zwei grüne Terrassen in der Gemmiwand, gewinnt man schließlich die weite Scheitelhöhe (2322m; 2:45Std.). Dahinter liegt in einer weiten Talmulde der 11/2 km lange Daubensee (2207m), der sich auf markierten Wegen umwandern lässt, eine halbe Stunde weiter nördlich, am Weg nach Kandersteg, steht das Gasthaus Schwarenbach (2060m), das schon viele prominente Alpenreisende beherbergte.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied1040 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktLeukerbad (1402m)
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterAuf Straßenkarten sucht man den Gemmipass (2322m) vergebens, dabei gehört er doch zu den ältesten Alpenübergängen in der Schweiz, einst wichtiger Transitweg vom Berner Oberland ins Wallis. Historischen Berichten kann man allerdings entnehmen, dass die Bergreise damals nicht gerade angenehm gewesen sein muss. »Gelangt man an den fürchterlichen Weg, so setzt sich der Reisende mit dem Gesicht nach hinten gekehrt, lässt sich die Augen verbinden, und die Träger schreiten kräftigen Schrittes singend weiter.«
Gemeint war der Abstieg über die jähe Gemmiwand nach Leukerbad, der in vielen Serpentinen verläuft – mittlerweile die beliebteste Wanderroute des Walliser Kurortes. Tragen lassen sich die Reisenden allerdings auch heute noch gerne: von modernen Seilbahnen. So schwebt man gerne von Leukerbad hinauf zum Pass, um den »fürchterlichen Weg« dann im Abstieg zu begehen. Die Route wurde übrigens Mitte des 18.Jhs. von Tiroler Arbeitern angelegt; zu einer richtigen Straße reichte es aber nicht, trotz einiger Projekte. So gehört die Gemmi nach wie vor den Wanderern. Und den Schafen, die im Sommer rund um den Daubensee weiden. Jeweils Ende Juli findet hier ein großes Schäferfest statt – auf Walliser Boden notabene, verläuft die Kantonsgrenze zu Bern doch nicht über die Wasserscheide, sondern ein gutes Stück weiter nördlich auf der Spitelmatte. Da lässt man das Wallis dann endgültig hinter sich, auf dem Weg hinab nach Kandersteg. Mitnehmen wird jeder Erinnerungen an unvergessliche Tage – und wohl den Wunsch, einmal wiederzukommen. Au revoir!
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50000, Blatt 263 T »Wildstrubel«; Landeskarte der Schweiz 1:25000, Blatt 1267 »Gemmi«
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelb, gelbe Wegweiser
VerkehrsanbindungLeukerbad hat gute Busverbindungen mit Susten (Bahnhof SBB), Kandersteg ist Station der BLS-Bahnlinie (Bern–Lötschberg–Simplon). Die Gemmi-Seilbahn verkehrt praktisch das ganze Jahr über.
GastronomieGasthaus Wildstrubel (2346m) am Pass; Gasthaus Schwarenbach (2060m)
Tipps
Sebastian Münster, 1550. »Gegen Occident des bads steigent über sich biss zum Himmel grausam felsen / die erschröcklich seind anzusehen von wegen irer höhe und rühe / ja an manchem ort sich lassen ansehen als wöllen sie oben abher fallen / und alles so hie unden ist erschlagen. Gegen mitnacht keren sich diese felsen herumb / haben vil schrunden und enge klufften / durch welche ein weg gefunden ist in dem man mit grosser müh hinauf kommen mag /unnd heisst der fels am selbigen ort die Gemmi. Dieser weg ghat nitt stracks hinauff / dann er ware unmüglich solicher weiss zu ersteigen / sunder krümpt sich hin und wieder zur lincken unnd zur rechten mitt kleinen und gantz schmalen gengen / unnd wo einer neben dem weg hinab siecht / kompt jm ein grausamme tieffe entgegen / die kaum on schwindel des haupts mag angeblickt werden. Ich weiss wol do ich auss dem bad auff disen berg stig / den zu besichtigen / zitterten mir mein hertz und bein.«
Tourismusbüro
Leukerbad Tourismus, 3954 Leukerbad; Tel. 027/4 72 7171, Fax 4 727151, info@leukerbad.ch, www.leukerbad.ch

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