Untere Gottesackerwände, 1858 m

Skitour in erstaunlich schneesicherem Gelände. Im Gipfelbereich muss man sorgfältig auf Wechten achten. Vorsicht auch am Hölloch!
Exposition: Ost und Süd / Lawinengefahr: Bei normalen Bedingungen weitgehend sicher
(Autor: Christian Schneeweiß, Siegfried Garnweidner)
12 km
780 m
2.00 h
Aufstieg.
Von Innerschwende steigen wir über eine ausgedehnte Freifläche gegen Norden zur Fahrstraße auf. Man erreicht sie bei einer Kehre. Nun den Markierungszeichen entlang gegen Nordwesten ein längeres Stück im Wald durch das Mahdtal hinauf. Dann in wechselnder, nicht besonders strenger Steigung weiter. In einer größeren Lichtung erreichen wir einen etwas steileren Hang, den wir von links nach rechts ansteigend queren, und bald darauf endet der Wald. Wir gehen am 76 m tiefen Höllloch in sicherem Abstand vorbei. Diese Karsthöhle ist nicht ungefährlich. Deshalb sollte man, riskiert man trotzdem einen Tiefblick, die Spur so anlegen, dass man keinesfalls in das Loch hineinfallen kann. Dies gilt besonders bei harter, verharschter Schneedecke. Die Route führt am Gedenkstein vorbei, der an einen Unglücksfall bei der Erkundung des Höllochs in den 30er Jahren erinnert, und in die Nähe der Mahdtal-Alpe (1497 m). Der folgende Routenabschnitt ist ziemlich flach, gerade recht zum Verschnaufen und Kräftesammeln für den Schlussspurt. Der verläuft durch das obere Mahdtal gegen Westen, unter nordseitigen Steilhängen, aus denen bei sehr unsicheren Bedingungen Lawinen abgehen können. Allmählich schwingt sich der Berg wieder auf. Bevor es zu steil wird, drehen wir – noch vor dem Windecksattel – aus dem Talgrund rechts ab und steigen durch ein Tälchen zwischen Latschengebüsch gegen Norden zu den Unteren Gottesackerwänden auf. Der östliche Gipfel mit 1848 m Höhe ist leicht zu erreichen. Etwas anspruchsvoller ist der Anstieg zum westlichen Gipfel, der mit 1858 m den höchsten Punkt dieses Bergziels bildet. Wer sicher auf den Fellen ist und die Spitzkehrtechnik einwandfrei beherrscht, schwenkt kurz unter der Grathöhe links ab, steigt ein paar Meter über eine steile Flanke und anschließend gegen Nordwesten rund 50 Meter eben weiter. Dann hält man sich rechts, um über einen arg steilen Hang direkt zum höchsten Punkt aufzusteigen (eventuell ohne Ski).
Abstieg.
Entlang der Aufstiegsroute.

kindgerecht

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied780 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortRiezlern im Kleinen Walsertal (1086 m)
AusgangspunktInnerschwende (1080 m)
TourencharakterDer sonderbar geformte Hohe Ifen prägt mit seiner schräg geneigten Gipfelhochfläche und seinen markant, aber nicht besonders tief abbrechenden Felsplatten das Landschaftsbild westlich des Kleinen Walsertals. Gegen Norden fällt das Gelände vom Ifen in einer weiten Karstfläche ab, dem Gottesacker. In den Gottesacker sind zwei Felsen-stufen eingelagert, die Oberen und die Unteren Gottesackerwände. Erst darunter fällt der Berg enorm steil zum Rohrmooser Tal ab. Beide Gottesackerwände sind lohnende Skitourenziele. In den weiten Hängen bleibt der Schnee bis weit ins Frühjahr liegen, und bei guten Bedingungen lohnen sich Skitouren dort noch Anfang Mai. Zu dieser Zeit ist im langen Mahdtal mit prächtigem Firn zu rechnen, wenn man bereit ist, arg früh aufzubrechen, um am Vormittag schon wieder talwärts zu rauschen. Das Mahdtal ist als Wildschutzgebiet aus-gewiesen, in dem im Winter ein rigoroses Betretungsver-bot durchgesetzt worden ist. Skitouren waren deshalb einige Jahre verboten, und der streitbare Jagdaufseher hat die Bergfreunde, die trotzdem dort aufgestiegen sind, gar mit der Schrotflinte be-droht. Inzwischen ist dank des nachhaltigen Einsatzes des Deutschen Alpenvereins eine Skiroute eingerichtet und markiert worden, so dass uns dieser Klassiker als schöne Tour wieder zur Verfügung steht.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippBayer. Landesvermessungsamt 1 - 50000, Blatt Allgäuer Alpen; Kompass-Wanderkarte 1:50000, Blatt 3, Allgäuer Alpen-Kleinwalsertal
VerkehrsanbindungAuto - Kurz vor Oberstdorf die B 19 verlassen und in das Kleine Walsertal. Ab dem nördlichen Ortsrand von Riezlern auf schmalen Nebenstraßen. Auf einer weiten Brücke wird die Breitach überquert, und die Straße steigt nach Außerschwende an. Bei der Fatimakapelle biegt man gegen Westen ab und fährt über Schwende nach Innerschwende. Dort sind die Parkmöglichkeiten äußerst begrenzt. ÖV: Linienbusverbindung ab Oberstdorf über Riezlern zum Ausgangspunkt
GastronomieMahdtalhütte (1150 m), DAV S. Stuttgart, gj. bew., 1. 11. – 22.12. geschl., 16 Zimmer- und 10 Matratzenlager, Tel. (0049)(0)8329/6423
Tipps
Die Tour eignet sich auch für Junioren ab 14 Jahren. Wer mit den Unteren Gottesackerwänden nicht ausgelastet ist, kann auch noch auf die Oberen Gottesackerwände hinaufsteigen.
Höchster Punkt
Untere Gottesackerwände, 1858 m
Unterkunft
Mahdtalhütte (1150 m), DAV S. Stuttgart, gj. bew., 1. 11. – 22.12. geschl., 16 Zimmer- und 10 Matratzenlager, Tel. (0049)(0)8329/6423
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