Seespitze, 2345 m

Nach einem einfachen, aber langen Anstieg wird man von einem kurzen, aber etwas forschen Gipfelanstieg empfangen. Freies, unschwieriges Skigelände mit extremer Abfahrtsvariante.
Lawinengefahr: gering (bei der Abfahrtsvariante ist sie sehr hoch) (Autor: Siegfried Garnweidner)
15 km
1175 m
4.00 h
Die Route.
Aufstieg.
Vom Wirtshaus Kühle Rast folgt man dem Fahrweg rund fünf Minuten gegen Südosten durch den Wald und kommt zu einem Wohnhaus. Dort rechts abschwenken und gegen Süden in freie Hänge hinein. Nach etwa einer Viertelstunde stößt man zu einem Fahrweg, der über die Weißbachalm zum Weißbachalm-Mittelleger ansteigt. Von ihm spurt man in der gleichen Richtung zu einer kleinen, idyllischen Hütte weiter. Dort rechts abschwenken und am Sommerweg gegen Südwesten ins obere Weißbachtal hinein. Man kann zwar im Talgrund weitergehen (oder nach rechts zum Torhelm abzweigen), doch ist es am einfachsten, gleich am Taleingang links zu einem weiten, langen Höhenrücken anzusteigen und ihm gegen Südwesten bis zur Hochfläche unter dem Gipfel zu folgen. Von dort gibt es einen kurzen Schlusssprint zum kleinen, kreuzlosen Gipfel.
Abstieg.
Normalerweise entlang der Aufstiegsroute. Südlich des oberen Weißbachtals verläuft ein sehr stiller Talgrund nach Nordosten aus. Er ist vom Weißbachtal durch eine breite Gratrippe getrennt und fällt deutlich steiler aus, als man das vom Aufstieg gewöhnt ist. Die steilen, felsigen Bergflanken südlich dieser Rinne beschatten den Grund und deshalb ist er erstaunlich schneesicher, aber extrem von Lawinen bedroht. Durch diese breite Rinne kann man mit Ski abfahren. Wer von der Seespitze herunterkommt, muss erst einmal einen flachen Boden nach Südosten queren und den besten Durchschlupf über den Schrofenhang hinunter finden, bis er im Tal ankommt. Das kann mitunter etwas heikel sein. Doch dann geht's mit der Gaudi los! Sicher und gekonnt reiht man enge Wedelbögen in den gestuften Talgrund hinein. Dabei muss man immer am linken Karrand bleiben, um vor Lawinen einigermaßen geschützt zu sein. In Höhe der Oberen Schwarzachalm endet im Frühjahr meist die Schneedecke. Von der Alm am Fahrweg weiter und – wenn es aper ist – schon bald auf einen schmalen Waldsteig links abdrehen, der zur Jausenstation Untere Schwarzachhütte führt. Ab dort am Fahrweg durch das malerische Schwarzachtal zum Ausgangspunkt zurück. Sollte man im Winter unterwegs sein, bleibt man auf dem Fahrweg und quert äußerst vorsichtig die aus dem Falkenkar herunterziehenden Lawinenbahnen, ehe die Untere Schwarzachalm erreicht ist. Von dort am Fahrweg zur Kühlen Rast hinaus.

Exposition - Nordosten

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied1175 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGerlos, 1245 m. Gasthaus Kühle Rast in Schwarzach, 1191 m, an der Gerlospassstraße
TourencharakterBeim Wirtshaus Kühle Rast an der Gerlospassstraße beginnen ein paar Skitouren, von denen vor allem die zum Torhelm und zur Seespitze sehr beliebt sind. Während am 2452 Meter hohen Torhelm die Route weniger routinierten Tourengehern zwischendurch etwas luftig vorkommen mag, sollte man solche Gefühle am Seespitze – mit Ausnahme des kurzen Gipfelanstiegs – normalerweise nicht kriegen. Auf beiden Touren tut sich schon während des Aufstiegs im oberen Weißbachltal ein großartiger Bergblick auf, in dem die markanten Felsenberge östlich des Brandberger Kolms dominieren. Die allermeisten Gipfelstürmer flitzen auf ihren Brettern entlang der Aufstiegsroute wieder ins Tal hinunter, weil sie die mögliche Alternative nicht kennen. Diese aufregende Abfahrt will ich hier verraten, auch wenn sie nur den besten Skitourengehern vorbehalten bleibt. Sie müssen zwar Mut haben, dürfen aber nicht lebensmüde sein. Man darf diese Spezialabfahrt nur riskieren, wenn es schon länger nicht mehr geschneit hat und eine sehr stabile Schneesituation besteht. Am sichersten ist es, damit zu warten, bis im späten Frühjahr die großen Lawinen abgegangen sind und mit solidem Firn zu rechnen ist. Solche Verhältnisse (für Firngleiter) gibt es normalerweise im Mai, doch sicher ist das nicht. Ich habe dort auch schon im Juni eine Lawine losgetreten.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wander-,, Rad- und Skitourenkarte 1 - 50000, Blatt 37 (Zillertaler Alpen – Tuxer Alpen)
Verkehrsanbindungbis Zell am Ziller durch das Zillertal und dann auf der Gerlospassstraße zum Ausgangspunkt; Busverbindung
GastronomieGasthaus Kühle Rast am Ausgangspunkt
Tipps
Im Schwarzachgrund. Eine weitere, wenig bekannte Tour führt von der Unteren Schwarzachalm durch den gestuften, lawinengefährdeten Schwarzachgrund in die 2475 m hohe Schwarzachscharte (auch Höhenbergnieder genannt). Von dort kann man noch gegen Nordwesten über die Röte auf den Rotkopf, 2703 m, weitergehen. Wegen des hohen Lawinenrisikos im Schwarzachgrund kommt diese Tour nur im Frühjahr mit Firngleitern in Betracht (früh aufbrechen und früh abfahren!).
Höchster Punkt
Seespitze, 2345 m
Unterkunft
Gasthaus Kühle Rast am Ausgangspunkt
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