Scharnitzsattel, 2441 m

Anspruchsvolle Tour durch das bis zu 37° steile Hahntennkar. An warmen Tagen besteht im nordseitigen Hahntennkar zur Lawinengefahr nach Schnee- oder Regenfällen auch Steinschlaggefahr. Am besten eignet sich diese Tour für Firngleiter.
Lawinengefahr: sehr hoch (zur Firngleiterzeit aber am Vormittag normalerweise geringes Lawinenrisiko) (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Von der höchsten Stelle des Hahntennjochs am Wanderweg nach Süden durch Latschenbuschwerk hinauf und durch ein paar mit Schnee gefüllte Rinnen ins breite Hahntennkar hinein. Westlich des schroffen Gratverlaufs zwischen Scharnitzkopf und Kälberjöchl gegen Süden hinauf und dabei den herausragenden Felsen nicht zu nahe zu kommen, denn dort ist der Schnee oft so weich, dass man tief einbrechen kann. Das Kar schwingt sich steil auf und man hält sich auf etwa 2300 m Höhe etwas links, um durch eine schmale Rinne das steilste Stück des Aufstiegs vorsichtig hinaufzusteigen, bis mithilfe von Steiganlagen auf der linken Seite der Rinne der Scharnitzsattel erreicht ist.
Abfahrt.
Durch das Hahntennkar fährt man normalerweise entlang der Aufstiegsroute ab. Nur wer mit dem Gelände sehr gut vertraut ist, darf bei geringer Schneelage die östliche der beiden steilen Bachrinnen abfahren und kommt etwa 300 Meter westlich der Passhöhe zur Straße. Die westliche Bachrinne ist für eine Abfahrt wegen der Felsabbrüche auf keinen Fall geeignet. Wer gerne etwas mehr rutschen will, findet in den vielen Rinnen (z.B. unter dem Kälberjöchl) noch viele Möglichkeiten für steile Aufstiege und Abfahrten. Dort kann man sich so lange austoben, wie es die Kondition zulässt.

Exposition - Norden

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied550 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortImst, 827 m
AusgangspunktHahntennjoch, 1894 m
TourencharakterIm Sommer, wenn die Wanderer vom Hahntennjoch zur Muttekopfhütte unterwegs sind, ist der Scharnitzsattel stark besucht. Wenn im Frühsommer allerdings in den großen Karen am Hahntennjoch noch meterhoch Schnee liegt, kommt dort kaum jemand herauf. Nur hin und wieder sieht man ein paar nimmermüde Winterfanatiker auf der Suche nach dem letzten Schnee. Und sie werden fündig. Auch von Allergie geplagte Zeitgenossen ziehen manchmal für eine paar Tage dort hinauf, um sich in der klaren, pollenfreien Gebirgsluft zu erholen. Idealerweise nimmt man für die Tour Firngleiter mit, die es in allen möglichen Variationen gibt. Man muss dann zwar zu Fuß hinaufstapfen, was aber im soliden, morgendlich harten Schnee nicht besonders schwierig ist. Und wenn der Altschnee am Vormittag aufweicht, gibt es kaum einen größeren Spaß als eine zünftige, steile Figlabfahrt.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wander-, Bike- und Skitourenkarte 1 - 50000, Blatt 24 (Lechtaler Alpen – Hornbachkette)
Verkehrsanbindungvon Imst auf der Hahntennjochstraße bis zur Passhöhe
Gastronomieauf der Route keine Möglichkeit
Tipps
Ins Scharnitzkar. Kaum ein begeisterter Ski- oder Firngleiterfahrer wird nach dem kurzen Aufstieg in den Scharnitzsattel bei gutem Firn der Versuchung widerstehen können, vom Sattel den rassigen Südhang in das Scharnitzkar hinunterzuflitzen. Auch dieser Hang hat eine Neigung von durchschnittlich 37°. Diese Abfahrt (und damit auch der Gegenanstieg) führt etwa 300 Höhenmeter hinab, bis die Hänge fast etwas zu flach werden. Für den Gegenanstieg muss man mit 1/2 bis 3/4 Std. rechnen.
Höchster Punkt
Scharnitzsattel, 2441 m
Unterkunft
auf der Route keine Möglichkeit
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