Rotwand, 1884 m, und Hochmiesing, 1883 m

Ausgesprochen beliebte Voralpentour mit interessanten Etappen. Je nach Routenwahl muss man mit etlichen Gegenanstiegen auf der langen Strecke rechnen, was Kraft und Ausdauer kostet.
Lawinengefahr: gering (Miesingrinnen: sehr hoch!) (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Gleich bei der Absperrschranke an der ehemaligen Mautstelle links abzweigen und asphaltierter Bergstraße folgen. Sie verläuft eintönig durch dichten Wald zur Winterstube. Dort rechts abbiegen und auf einem breiten Weg gering ansteigend dahin. Auf der Höhe von 1500 Metern, am Gleiselstein, links abdrehen und eine ausholende Straßenschlaufe in steilem Anstieg abkürzen. Weiter oben wieder auf dem Fahrweg bergauf, an der Wildfeldalm vorbei und unter dem langen Gipfelkamm der Rotwand sich links haltend in die sonnigen Gipfelhänge hinein. Diese freien Hänge werden immer steiler, und das letzte Stück des Anstiegs folgt man dem Gipfelgrat bis zu einem felsigen Aufschwung. Bei guten Bedingungen mit Ski zum Kreuz, ansonsten die letzten Meter zu Fuß.
Abfahrt.
Vom Gipfel geradewegs den weiten Hang nach Süden zum Rotwandhaus hinunter. Von dort durch eine der beiden steilen Rinnen forsch hinab und unter der Nebelwand in schöner Voralpenlandschaft weiter talwärts. In der Talmulde die Steigfelle wieder aufziehen und in einem etwa dreiviertelstündigen Gegenanstieg zum Auerspitz hinauf. Von diesem Gipfel kurz über schöne Pulverschneehänge nach Norden hinab. Sich links haltend in die schöne und lange Mulde zwischen Sebaldstein und Ruchenköpfen und durch sie bis fast zur Großtiefenthalalm hinunterwedeln. Dort anfellen und sich links haltend nach Nordwesten in den Miesingsattel aufsteigen. Vom Sattel in reizvoller Abfahrt zur Kleintiefenthalalm. Im lichten Wald hinter der Alm beginnt der dritte und letzte Gegenanstieg, der hinauf zum Taubensteinhaus und weiter zur Bergstation der Taubensteinbahn führt. Von dort verläuft die Abfahrt auf der Skipiste bis zum Spitzingsee hinunter.

Exposition - alle Himmelsrichtungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1070 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSchranke bei der Abzweigung der für den allgemeinen Verkehr gesperrten Straße von Spitzingsee nach Valepp (1090 m)
EndpunktSchranke bei der Abzweigung der für den allgemeinen Verkehr gesperrten Straße von Spitzingsee nach Valepp (1090 m)
TourencharakterDie »Rotwandreibe« ist seit langem ein Klassiker unter den bayerischen Skitouren. Sie wird gerne und oft durchgeführt und hat zahlreiche Varianten im Programm. Diese Alternativen lassen die Tour, die auf der »Normalroute« zwar lang und anstrengend, aber nicht schwierig ist, je nach Geschmack zu einem verwegenen Abenteuer oder einer netten Skirundtour werden.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 8 (Tegernsee – Schliersee – Wendelstein)
VerkehrsanbindungOberlandbahn bis Fischhausen, Linienbus zum Ausgangspunkt; mit dem Auto über Miesbach und Schliersee nach Spitzingsee
GastronomieRotwandhaus, Taubensteinhaus
Tipps
Zum Hochmiesing. Aus dem Miesingsattel bietet sich ein netter, wenig anstrengender Anstieg an, der durch Latschenbuschwerk zum Hochmiesing hinaufführt. Dabei darf man sich nicht zu weit rechts halten, um den von Lawinen bedrohten Hängen über dem Tiefental nicht zu nahe zu kommen. In der breiten, aber steilen Hangmulde, die vom Hochmiesing gegen Westen in den Talgrund unter dem Taubensteinhaus abfällt, muss man die Felle wieder aufziehen und den Rest der oben beschriebenen Route hinter sich bringen. Aufregende Gipfelabfahrt: Eine sehr interessante Abfahrtsvariante verläuft vom Gipfel kurz auf dem Grat hinab und dann nach links (Nordosten) in die steile Rinne unterhalb der Nebelwand. Wenn dort die Schneeverwehungen etwas mächtig ausfallen, muss man beherzt über die Wechte in den Graben springen (und sicher aufkommen). Bei sicheren Verhältnissen hält man sich aus der Nebelrinne möglichst weit links, um damit den Aufstieg in den Miesingsattel zu verkürzen.
Informationen
Die Miesingrinnen. Spezialisten fahren bei optimalen Bedingungen vom Hochmiesing durch eine der beiden Rinnen nach Norden ab. Eine beginnt etwas nördlich des Gipfels und fällt gleich einmal sehr steil durch eine Felsenrinne ab, ehe sie links abdreht und sich deutlich weitet. Dann führt sie rasant auf die im Herbst 1996 abgegangene Mure zu und über diese zu Forstwegen und nach Geitau (weit vom Ausgangspunkt entfernt) hinaus. Eine noch verwegenere Abfahrt fällt westlich vom Gipfel nach Norden ab und führt ziemlich genau in der Falllinie auf den Kotierungspunkt 1319 Meter zu, wo die Fahrstraße zwischen Geitau und Kleintiefenthalalm erreicht wird. Von dort entweder nach Geitau hinaus oder in zermürbendem Gegenanstieg zum Taubensteinhaus und entlang der oben beschriebenen Abfahrt zum Spitzingsee hinaus.
Höchster Punkt
Rotwand, 1884 m
Unterkunft
Rotwandhaus, Taubensteinhaus
Tourismusbüro
Schliersee, Neuhaus/ Spitzingsee, Tel.: 08026/60650; www.schliersee.de
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