Plattach (oder Rossberg), 2096 m

Ausgesprochen verwegene, aber überwiegend technisch einfache Tour durch eine lange, südseitige Rinne. Nur im Mai mit Firngleitern möglich, wenn nach kalter Nacht mit sicherem Firn zu rechnen ist. Früh aufbrechen und noch am Vormittag abfahren, bevor der Schnee weich wird! Vorsicht auf die Wasserfälle an der Salzach!
Lawinengefahr: sehr hoch (Autor: Siegfried Garnweidner)
9 km
900 m
4.00 h
Die Route.
Aufstieg.
Vom Parkplatz im Gaistal auf der Gaistalstraße zu Fuß dahin, bis nach rechts der beschilderte Ganghoferweg zur Hemermoosalm (oder Hämmermoosalm) abzweigt. Auf ihm nach Nordwesten zur Almwirtschaft und am Sträßchen bis zu seinem Ende. Anschließend am markierten Wanderweg in lichtem Wald neben dem Salzbach (auch Salzach genannt) hinauf. Zwei Mal werden Bachäste gequert. Dort kommt es wieder auf die Verhältnisse an. Das kann – je nach Wasserhöhe – recht leicht oder sehr interessant werden. In dem von Lawinen gefüllten Talgraben bleiben und gegen Nordosten zum Respekt einflößenden Wasserfall hinauf. In angemessenem Abstand vor dem Wasserfall rechts ein bisserl über Felsen kraxeln und ins Latschenbuschwerk ausweichen. Nur so lässt sich der unüberwindliche Wasserfall überlisten. Anschließend geht es wieder in die Rinne hinein und in mäßiger Steigung durch sie hinauf. Weiter oben, vor zwei weiteren Wasserfällen, gabelt sich der Bachgraben. Dort rechts abdrehen, zwischendurch etwas steiler hinauf und zu der »Roßzipfel« genannten Hangmulde. Anfangs in der gleichen Richtung, also gegen Norden, weiter und dann in ausholendem Rechtsschwenk zum felsigen Gipfelchen hinüber.
Abstieg.
Entlang der Aufstiegsroute. Bitte unbedingt aufpassen, dass man den von oben kaum erkennbaren Wasserfall rechtzeitig bemerkt! Auf alle Fälle den Bachgraben dort frühzeitig verlassen!

Exposition - Süden

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied900 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortLeutasch-Klamm, 1172 m.
Ausgangspunkthinterster Parkplatz im Gaistal, 1236 m
TourencharakterAuf den ersten Blick mag die Einstufung dieser Tour als verwegen und zugleich technisch leicht widersprüchlich erscheinen. Wie bei allen Touren hängt dies eben von den Verhältnissen ab. Im Winter darf man auf gar keinen Fall zum Plattach aufbrechen – das wäre ein Himmelfahrtskommando. Doch wenn im Mai die gefährlichen Lawinen abgegangen sind und den Salzachgraben sicher aufgefüllt haben und wenn nach einer kalten Nacht stabiler Firnschnee zu erwarten ist, kann man sich zu Fuß durch den steilen Bachgraben zum Plattach hinauftrauen. Bei gutem Stapfschnee dürfte das kein größeres Problem werden, wenn die Schneedecke so mächtig ist, dass sie auch über dem Wildbach das Gewicht der Tourengeher aushält. Der gefährliche Wasserfall ist dann offen und – nur von unten – gut zu sehen. Dort wird man in die Latschen hineingezwungen und nur dort ist der Anstieg etwas heikel. Grimmiger schaut das bei der Abfahrt aus, für die man Firngleiter nimmt. Denn von oben lässt sich dieser Wasserfall kaum erkennen. Deshalb muss man sich bereits beim Aufstieg die Stelle einprägen, wo man aus dem Bachgraben heraus und ins Latschenbuschwerk hinein muss. Am besten dürfte es sein, sich das im Schnee so zu markieren, dass es keinesfalls zu übersehen ist.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wanderkarte 1 - 50 000, Blatt 5 (Wettersteingebirge)
Verkehrsanbindungdurch das Leutascher Tal und gegen Westen zum Parkplatz am Ende der Fahrstraße im Gaistal
Gastronomienicht unmittelbar an der Route - Wettersteinhütte und Wangalm; geöffnet ab Mitte Mai
Tipps
Auf den Predigtstein. Skitourenziele auf der Tiroler Seite des Wettersteins sind dünn gesät. Doch gibt es in der Nähe des Plattachs noch einen weiteren Berg, der von furchtlosen Tourengehern bei sehr sicheren Verhältnissen sogar im Winter mit Ski angegangen wird. Lohnender und sicherer allerdings ist die Tour auf den 2234 m hohen Predigtstein mit Firngleitern im Mai. Der Anstieg verläuft bis ca. 1300 m Höhe ebenfalls auf der Gaistalstraße und dreht dann rechts ab. Auf Fahrwegen geht es bis kurz vor die Rotmoosalm anfangs gegen Nordwesten, später gegen Norden hinauf. In der Nähe einer Jagdhütte schwenkt man links ab und steigt über einen steilen Schrofenhang zum Gipfelrücken auf. Über ihn gegen Westen zum Kreuz. Die Abfahrt verläuft entweder auf der Anstiegsroute oder – noch steiler – durch eine felsdurchsetzte Rinne westlich der Aufstiegsspur.
Höchster Punkt
Plattach (oder Rossberg), 2096 m
Unterkunft
nicht unmittelbar an der Route - Wettersteinhütte und Wangalm; geöffnet ab Mitte Mai
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