Obernberger Tribulaun, 2780 m

Sehr rassige Tour für das späte Frühjahr, für die man sicheres Wetter braucht. Nur für absolut sichere Skitourengeher geeignet. Die Hangneigung beträgt bis zu 42°. Sinnvollerweise wird diese Tour mit Firngleitern durchgeführt, mit denen man am Sommerweg aufsteigt, wie es unten beschrieben ist.
Lawinengefahr: sehr hoch (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom kostenpflichtigen Parkplatz am Sträßchen nach Süden zur Unteren Reinsalm. Dort entweder links ab, um dem schönen Wanderweg über eine Almwiese zu folgen, der zum Gasthaus am Obernberger See, 1593 Meter, führt, oder am Fahrweg zur Wirtschaft. Direkt am Nordufer des idyllischen Bergsees rechts abbiegen, ein kurzes Stück gegen Westen in den Wald hinein und anschließend in weiter Linkskurve nach Süden dahin. Der Bergweg schnürt sich zusammen und steigt im Wald gegen Südwesten gering an. Dann dreht er nach Nordwesten ab und wird deutlich steiler. Er schlängelt sich in Kehren den Schrofenhang hinauf, führt zweimal ans Drahtseil und flacht kurz unter dem Kleinen Tribulaun auf der Höhe von rund 2400 Meter deutlich ab. Dort biegt man links ab und steigt nach einer flachen Passage recht steil zum Gipfel des Obernberger Tribulauns auf.
Abstieg.
Vom Gipfel am breiten Gratverlauf gegen Westen in den kleinen Sattel vor dem Nördlichen Roßlauf. Dort, auf 2720 Meter, wird angeschnallt. Zum Eingewöhnen bleibt nur wenig Zeit, denn nach der kurzen Flachpassage wird die Rinne mit 42° enorm steil. Diese rassige, aber breite Steilstufe geht es nun mit sicheren Bögen flott hinab und nur allmählich nimmt die Hangneigung etwas ab. Nach einer kurzen Atempause fällt der Hang wieder gewaltig ab und man wedelt mutig talwärts. Dabei hält man sich etwas links, um auf einer breiten Rinne entlang der Höllewand auf den letzten Schneeresten talwärts zu wedeln. In Latschenbuschwerk und auf lichten Wiesen kommt man zum Südostufer des Obernberger Sees, bis man die Brettel (nach einem Bad?) zum Wirtshaus trägt. Entlang der Aufstiegsroute geht es ins Tal zurück.

Exposition - Osten

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1350 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortObernberg am Brenner, 1394 m
AusgangspunktGasthaus Waldesruh am Talschluss des Obernberger Tals (großer, gebührenpflichtiger Parkplatz), 1439 m
TourencharakterVom Obernberger Tribulaun donnern die Lawinen mit Urgewalt ins Tal. Erst wenn die großen Grundlawinen abgegangen sind und die langen Rinnen mit einer grundsoliden Schneeschicht gefüllt sind, kann man sich dem Obernberger Tribulaun weitgehend unbeschwert nähern. Bei absolut sicheren Verhältnissen wird die Tour zwar auch im Winter mit Ski durchgeführt, doch braucht man Mut für diese Unternehmung. Am schönsten ist es dort im Mai, wenn man sich dem Berg mit kurzen Firngleitern und sogar in kurzen Hosen nähert, die man allerdings am Gipfel gegen lange Beinkleider tauscht. Der Schnee ist um diese Zeit in Talnähe nur noch in Rinnen und Mulden anzutreffen und im Wald ruft längst der Kuckuck. Auch der Anstieg am Sommerweg ist mit schweren Plastikstiefeln nicht ganz einfach. Trittsicher und schwindelfrei muss man auf alle Fälle sein, denn zwischendurch geht es ein wenig luftig zu. Dabei kann man sich am Drahtseil festhalten, wenn dieses aus dem Schnee herausschaut.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wander-, Rad- und Skitourenkarte 1 - 50000, Blatt 36 (Innsbruck – Brenner)
Verkehrsanbindungvon Steinach an der Brenner- Bundesstraße zum Talschluss durch das Obernberger Tal; Linienbusverbindung
GastronomieGasthaus Obernberger See an der Abfahrtsroute
Tipps
Firngleiten an der Schwarzen Wand. Wer Zeit hat und sich an der Schwarzen Wand mit Firngleitern versuchen will, trägt die kurzen Flitzer vom Parkplatz gegen Westen durch das malerische Hinterenns, an der Kapelle vorbei und in Richtung Gstreinsjöchl. Die aufregenderen Hänge finden Individualisten unter der Schwarzen Wand im Niederen Gebirge, das sich allerdings als sehr hoch und abenteuerlich entpuppt.
Höchster Punkt
Obernberger Tribulaun, 2780 m
Unterkunft
Gasthaus Obernberger See an der Abfahrtsroute
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