Lamsenkar, 2118 m

Bis zu 35° steiler Anstieg durch ein markantes Karwendelkar. Landschaftlich großartig, aber anspruchsvoll. Nur bei stabilem Firn zu verantworten. Bei warmem Wetter muss man am Vormittag wieder im Tal sein, weil sonst das Lawinenrisiko zu hoch wird.
Lawinengefahr: sehr hoch (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom großen Parkplatz beim Wirtshaus Gramaialm muss man die Ski (oder die Firngleiter) in den Gramaier Grund hineintragen. Der markierte Sommerweg quert den Bach, wo der Holzsteg gar nicht mehr aufgebaut wird, weil ihn der Schmelzwasserbach ja doch wieder wegreißt. Auf deutlichem Wanderweg geht es nun taleinwärts und der Pfad hält sich etwas an die linke, also die östliche Talseite. In lichtem Wald nun immer nach Süden dahin und dabei wird es niemals steil. Erst im hinteren Talgrund, nachdem man erstaunte Blicke ins Schneiderkar hinaufgeschickt hat, schwingt sich die Route auf. Das tut sie gleich einmal recht satt. Zackig stapft man zu Fuß oder mit Fellen in Spitzkehren die Hangflanke nach oben und passt – vor allem bei Harsch – mächtig auf, dass man nicht abrutscht. Der Sommerweg lässt sich im Schnee längst nicht mehr erkennen, doch ist die Route klar vorgegeben. Allmählich legt sich der Hang ein wenig zurück und über dem Östlichen Lamsenjoch geht es über eine Hangkante hinweg. Dort öffnet sich ein wahrlich eindrucksvolles Landschaftsbild zu Hochnisslgrat und Lamsenspitze. Die Lamsenjochhütte lässt man links liegen (sie ist ohnehin geschlossen) und steigt rechts haltend am moderat ansteigenden Osthang das Lamsenkar hinauf. Schließlich wird der Fuß der Lamsenostwand erreicht und dort ist die Tour zu Ende.
Abstieg.
entlang der Aufstiegsroute

Exposition - Norden und Osten

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied850 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPertisau am Achensee, 952 m. Alpengasthof Gramaialm am Ende der Mautstraße, 1263 m
TourencharakterEin Geheimnis sind die vielen Frühjahrstouren im Karwendel schon lange nicht mehr. Viele Hunderte Menschen steigen an schö- nen Frühjahrstagen beispielsweise vom Enger Grund auf den schneeverwöhnten Tourenberg Gamsjoch oder ins Hochglückkar. Dass es dort bisweilen wie am Jahrmarkt zugeht, ist die Schattenseite dieser grimmigen Tourenglanzlichter. Ein bisserl verschwiegener sind die Firntouren rund um den Gramaier Grund und im Falzturntal geblieben. Allerdings bleibt es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Rappenspitze, der Lunstkopf, das Lamsenkar und das Schneiderkar einen festen Stammplatz in den Tourenbüchern erobert haben.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wander-, Rad- und Skitourenkarte 1 - 50000, Blatt 26 (Karwendelgebirge)
VerkehrsanbindungVon Maurach nach Pertisau und auf mautpflichtiger Fahrstraße zum Talschluss. Von Pertisau fährt ein enorm stinkender und sündhaft teurer »Nostalgiebus« zum Ausgangspunkt. Allerdings kommt dieses alte Postauto so spät am Tag, dass es Skitourengeher erst nach der Abfahrt sehen (und riechen) werden.
GastronomieGramaialm am Ausgangspunkt. Die Lamsenjochhütte
Tipps
Zackig ins Schneiderkar. Bevor man beim Anstieg durchs Lamsenkar an die wirklich steilen Hänge kommt, steigt nach links ein eindrucksvoll aussehendes Steilkar an, das bei stabiler Schneelage für Firngleiter-, Snowboard- und Skifahrer ein wahres Dorado darstellt. Die Rede ist vom Schneiderkar, das in einer kleinen Scharte nördlich des Schafjöchls endet. Mag der Anstieg, zu Fuß oder mit Fellen, auch mühsam und zermürbend sein, die Abfahrt zählt zum Schönsten, was das Karwendel zu bieten hat. Allerdings muss man auch im Schneiderkar darauf achten, dass die Lawinensituation stabil ist und dass man am Vormittag wieder im Tal ankommt, denn wenn die Sonne die westseitigen Steilhänge erreicht, wird es dort zu gefährlich.
Höchster Punkt
Lamsenkar, 2118 m
Unterkunft
Gramaialm am Ausgangspunkt. Die Lamsenjochhütte
Tags: 
Mehr zum Thema