Juifen (1988 m)

Fahrwege und unerschlossenes Tourengelände. Konditionsfordernde, lange, aber schöne Tour für »fortgeschrittene Anfänger«. Unter der Nordflanke der Hochplatte nach Schneefällen bisweilen erhebliche Lawinengefahr. Vorsicht auch auf die gewaltigen Wechten am Gipfelgrat!
Exposition: Osten, Norden und Süden / Lawinengefahr: Mittel (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Zum Gasthaus Tirolerland und sich rechts haltend über freie Wiesenhänge nach Tiefental. Von dieser Siedlung auf schmalem Sträßchen gegen Südwesten weiter und nach einem Bachgraben rechts abzweigen. Nun im Wald mäßig steil hinauf und in die freien Wiesenhänge unter der Falkenmoosalm. Von dort sanft ansteigend zur Falkenmoosalm weiter. Bei den Almgebäuden fällt die Route ein wenig ab, und man verlässt die Straße, um dann etwas steiler bis zur Höhe von 1500 Meter anzusteigen. Dort muss man genau aufpassen, denn die Routen verzweigen sich. Wer den linken Spuren folgt, kommt auf die 1813 Meter hohe Hochplatte. Das wäre zwar auch nicht schlecht, doch der Anstieg zum Juifen führt geradeaus auf einem schmalen Fahrweg weiter und fällt geringfügig ab. Dabei kommt man an den unteren Rand der Hänge, die von der Hochplatte steil abfallen und bei hoher Schneelage lawinengefährlich sein können. Bei der ersten Hütte der Großzemmalm dreht die Route nach rechts, also gegen Norden, ab, und man quert im weiteren Verlauf ein paar Bachgräben. Anschließend geht es gegen Nordwesten zum nördlichen Gratausläufer der Marbichler Spitze, auf dem die Lämpereralm steht. Von dort ein paar Meter nach Süden, dann wieder gegen Westen, auf einer Fahrspur den Steilhang unter der Marbichler Spitze eben queren und in das Marbichler Joch hinein. Im Joch schwingt sich der Hang wieder auf und man geht am Rande von meist gewaltigen Wechten (denen man tunlichst nicht zu nahe kommen sollte) über den langen Gipfelrücken bis zum Kreuz weiter. Bei abgeblasenem Schnee oder im Frühjahr kann man den Gipfelrücken normalerweise mit Ski nicht mehr bewältigen. Dann geht man halt zu Fuß zum Gipfel hinauf.
Abstieg.
Entlang der Aufstiegsroute (die Abfahrtsvariante über den sehr steilen Gipfel-Südosthang ist nur bei optimalen Bedingungen für erfahrene Skitouristen geeignet).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour38 km
Höhenunterschied1050 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAchental, Straßengabelung unmittelbar vor der nördlichen Ortseinfahrt (896 m); für den Parkplatz werden von der Gemeinde Achenkirch extrem hohe Parkgebühren verlangt (siehe Hinweis unter »Einkehr«).
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDer Juifen gehört zu den Rennern im Karwendel-Vorgebirge. Die Route ist zwar etwas lang und mühsam, aber durchaus für engagierte Einsteiger geeignet. Außer herrlichen Abfahrtshängen (und einem kleinen Gegenanstieg) kann man sich auch auf eine großartige Gipfelrundschau freuen.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 26 Karwendelgebirge (auch digital auf CD erhältlich)
VerkehrsanbindungBusverbindung von Jenbach oder Lenggries; mit dem Auto über Achenpass, Sylvensteinsee oder Achensee zum Ausgangspunkt
GastronomieGasthaus Tirolerland am Ausgangspunkt. Mit dem Wirt habe ich vereinbart, dass Tourengeher, die nach der Tour bei ihm einkehren, kostenlos parken dürfen. Die Falkenmoosalm ist seit 2011 privat und leider nicht mehr bewirtschaftet
Tipps
Extrakurs für Konditionsstarke Abfahrer. Gleich unter dem Marbichler Joch fällt ein Nordosthang ab, in dem sich der Pulverschnee besonders gut hält. So was ist natürlich für den Tiefschneefan eine große Versuchung, die allerdings erst mit einem Gegenanstieg von rund 20 Minuten erkauft werden muss. Wer der Versuchung nicht widerstehen kann, fährt dort ab und zieht noch vor den steilen Abbrüchen die Felle wieder auf, um zum Lämperer anzusteigen, wo die normale Aufstiegs- und Abfahrtsroute erreicht wird. Und wer noch eins draufsetzen will, spurt in diesem Hang gleich stramm weiter, bis es in den grimmigen Flanken der Marbichler Spitze zu steil wird, um rasant über diesen Hang wieder abzufahren. Das kann man sooft wiederholen, bis die Oberschenkel weich werden. Das ist dann allerdings nichts mehr für Anfänger, sondern für alte Hasen, die beste Kondition haben und sichere Verhältnisse vorfinden.
Informationen
Dauer 5 Std. ('3.30 Std. '1.30 Std.)
Unterkunft
Hotels und Gasthäuser in Achenkirch
Tourismusbüro
Achenseetourismus, Tel.: +43(0)5246/5300; www.achensee.com
Tags: 
Mehr zum Thema