Hoher Seblaskogel, 3235 m

Lange und anstrengende, etappenweise sehr steile Skitour in großartiger Hochgebirgslandschaft, keine Spaltengefahr; Gipfelanstieg felsig und etwas ausgesetzt (Vorsicht bei Überwechtung oder Vereisung!)
Lawinengefahr: hoch (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom gebührenpflichtigen Parkplatz in Lüsens am Fahrweg nach Süden zum Fernauboden und rechts abdrehend am Jugendheim vorbei. Dann auf markiertem Bergweg relativ steil gegen Westen in der Nähe der Materialseilbahn in die Breitau und das Längental hinein. An der Längentaler Alm, 1989 Meter, vorbei und auf einem Steg auf die nördliche Bachseite. Immer am Längentaler Bach bleiben und an der Abzweigung zum Westfalenhaus geradeaus, dann in weitem Linksbogen durch den Talgrund weiter. Durch die Fernau nach Süden moderat ansteigend hinauf und an der Routenverzweigung auf ca. 2450 Meter (Wegtafeln) rechts abdrehen. Nun immer steiler nach Südwesten hinauf (Harscheisen oder notfalls sogar Steigeisen anlegen) und unter den Grünen Tatzen rechts abdrehen. Bald flacher und etwas gestuft nach Norden durch die breite Mulde des ehemaligen Grünen-Tatzen-Ferners moderat ansteigend bis zum Gipfelgrat weiter. Auf ihm links abdrehen und immer steiler – zuletzt ein wenig ausgesetzt zu Fuß – zum Gipfelkreuz hinauf.
Abstieg.
entlang der Aufstiegsroute

Exposition - Süden, Osten und Norden

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1610 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktLüsens, 1634 m
TourencharakterSeit dem Hitzesommer 2003 ist vom südseitigen Grünen-Tatzen-Ferner nichts mehr da. Die Tour ist also mit Sicherheit spaltenfrei, doch langweilig ist sie deshalb noch lange nicht. In der südseitigen, breiten Mulde unter dem Gipfel firnt der Schnee im Frühjahr am späten Vormittag auf wie Butter, darunter dreht sich der Steilhang gegen Osten, wo es mitunter recht weich und sulzig zugeht, und in der Fernau flitzen die Brettel nach Norden hinaus, dass es grad so rauscht. Denn wegen der tieferen Lage kann man im langen Tal ebenfalls mit Firn rechnen. Das setzt natürlich voraus, dass man nicht zu früh im Jahr kommt. Im Hochwinter haben Skitourengeher dort nämlich nichts verloren. Zu gefährlich sind die steilen Lawinenhänge um diese Zeit und oft ist der Schnee so sehr abgeblasen, dass Skifahrer enttäuscht sein werden. Das gilt übrigens nicht nur für den Seblaskogel, sondern für alle Skitourenberge des Sellraintals. Umso erstaunlicher findet es der Genießer, dass um die schönste Zeit, also im späten Frühjahr, Skitourengeher dort oben schon wieder rar werden. Als ich das letzte Mal Anfang Juli mit Firngleitern am Seblaskogel war, ließ sich weit und breit kein Mensch blicken, obwohl die Schneesituation vom Feinsten war.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 36 (Innsbruck – Brenner)
Verkehrsanbindungvon Zirl/Kematen oder Ötz/Kühtai durchs Sellraintal bis Gries, dann durch das Lüsenstal zum Straßenende; Busverbindung nur bis Praxmar
GastronomieGasthof Lüsens am Ausgangspunkt und Westfalenhaus, 2276 m (liegt nicht unmittelbar an der Route)
Tipps
Tipp. Bei guter Schneelage eignet sich der Hohe Seblaskogel selbst im Juli noch hervorragend für eine mühsame, aber großartige Firngleitertour.
Höchster Punkt
Hoher Seblaskogel, 3235 m
Unterkunft
Gasthof Lüsens am Ausgangspunkt und Westfalenhaus, 2276 m (liegt nicht unmittelbar an der Route)
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