Hinteres Sonnwendjoch, 1986 m

Als Skitourengipfel ist das Hintere Sonnwendjoch nicht besonders in Mode gekommen. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist der lange Zuweg auf der Fahrstraße nicht besonders aufregend, und zum anderen sind die Südhänge über der Ackernalm meist schwierig zu befahren, weil der Schnee unter der starken Sonneneinstrahlung leidet. Es sei denn, man erwischt guten Firn, dann passt natürlich alles. Wer am Sonnwendjoch auf der sicheren Seite sein will, kommt erst spät im Jahr und steigt durch die eindrucksvolle Schnittlauchrinne auf. Bergerlebnis pur und fast ein wenig Abenteuer werden dort garantiert!
Lawinengefahr: sehr hoch (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom Mauthäusl auf dem langen Fahrweg fast eine Stunde zu Fuß oder mit dem Mountainbike in geringer Steigung anfangs nach Süden, dann nach Westen. Die Straße führt an der Stallenalm vorbei und zu einem Wegkreuz auf der Höhe von 1061 m. Dort zweigt an der Wegtafel nach rechts ein breiter Weg ab. Man bleibt auf der Straße und folgt ihr bis zur Abzweigung des asphaltierten Fahrwegs Richtung Wildenkaralm. Hinter einer Felsenkante das Rad abstellen und zu Fuß nach links in ein Kar hinein. Dann in leichter Kletterei nach rechts aus dem Kar heraus und über die nordseitige Karbegrenzung. Von dort in die Schnittlauchrinne hinab. Nun lange durch die wilde, stellenweise recht enge Rinne gegen Westen hinauf und am oberen Rand des sich steil aufschwingenden Grabens rechts abdrehen. Anschließend im Wesentlichen dem Sommerweg folgend gegen Norden steil die Südflanke des Bergs bis zur Grathöhe hinauf. Dann nach rechts das letzte Stück zum Gipfel.
Abfahrt.
Im Wesentlichen entlang der Aufstiegsroute. Allerdings fährt man durch das Schnittlauchkar bis zum Ende ab und erreicht nach einem ungemütlichen Abstieg neben einem Bachgraben etwas über dem Raddepot die Fahrstraße.

Exposition - Osten und Süden

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1230 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAbzweigung der Mautstraße zur Ackernalm von der B174 in Wacht (760 m)
EndpunktAbzweigung der Mautstraße zur Ackernalm von der B174 in Wacht (760 m)
TourencharakterDie Skitour wird relativ selten durchgeführt. Deshalb muss man sich auf harte und lange Spurarbeit einstellen. Großartig ist die Gipfelaussicht, aber dafür ist das Hintere Sonnwendjoch ja bekannt. Die südseitigen Hänge am Hinteren Sonnwendjoch apern schnell aus. Trotzdem sind sie – solange Schnee liegt – stark von Lawinen bedroht. Für diese Tour braucht man also ein gutes lawinenkundliches Einschätzungsvermögen. Eigentlich darf man sie nur bei stabilem Firn riskieren, keinesfalls nach Schneefall. Für Aufstieg und Abfahrt ist auch ein sicheres Gespür für die beste Routenfindung erforderlich, weil die Durchstiege manchmal etwas verzwickt sind. Vorsicht, Gefahr von Wechten am Grat zwischen Krenspitz und Hinterem Sonnwendjoch!
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 8 (Tegernsee – Schliersee – Wendelstein)
VerkehrsanbindungBuslinie ab Bayrischzell oder Kufstein; mit dem Auto von Hinterthiersee über Landl oder von Bayrischzell durch das Ursprungtal zum Ausgangspunkt
Tipps
Tipp. Wer nicht durch den kühlen Schnittlauchgraben aufsteigen möchte, quert unter der Krenspitze die steilen Südflanken über dem Schnittlauchgraben (aber nur bei bombensicherem Schnee!) und biegt dann rechts ab, um gegen Süden in Spitzkehren die Steilflanke hinaufzusteigen, die sich zwischen Krenspitze und Hinterem Sonnwendjoch herabzieht. Kurz vor dem Grat (Vorsicht, Wechten!) links und zum Gipfel hinauf. Man kann auch über die Ackernalm aufsteigen. Hinter der Alm geht es auf dem Sommerweg noch weit gegen Westen, an der Steinkaseralm vorbei und nach Nordosten zur Bärenbadalm. Bei ihr rechts abdrehen und einen steilen, von Lawinen bedrohten Hang gegen Osten hinauf. Im lichten Jungwald flacht dieser Hang etwas ab. Dort noch mehr links halten und gegen Norden zur Grathöhe hinauf. Auf ihr (Vorsicht, Gefahr von Wechten) gegen Osten zum Hinteren Sonnwendjoch.
Informationen
Höchster Punkt
Hinteres Sonnwendjoch, 1986 m
Tourismusbüro
Hinterthiersee, Tel.: +43/5376/5597; www.tirol.at/hinterthiersee
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