Großer Traithen, 1852 m

Etwas »verhakelte« Voralpentour mit spannenden Abschnitten und einer ziemlich rassigen Abfahrt. Die Tour eignet sich nur für gute Skitouristen und stabile Schneelage. Beim Aufstieg sind Spitzkehren fast ohne Ende notwendig.
Lawinengefahr: hoch (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom Wirtshaus geht es erst einmal rund 85 Höhenmeter durch eine breite, aber steile Wiesenschneise nach Süden hinauf. Dort, wo sich der Wald zusammenschnürt, muss man links abdrehen und deutlich flacher in lichtem Wald dahin. Nach dem kurzen Waldstück dreht die Route rechts ab und stößt zur Rosengassenalm. Am linken Rand einer weiten, freien Senke sich links haltend in einen gestuften Hang hinein. Dann geht es über eine moderat ansteigende, schräge Rampe hinauf. Neben einem Felsenblock am Rande des Lärchenwalds etwas links abdrehen, um in Spitzkehren am immer steiler werdenden Hang auf einen mächtigen Felsenklotz zuzusteigen. An diesem Felsen führt die Route rechts vorbei und in den Wald hinein. Links von einer Steilrinne forsch hinauf und schon bald nach rechts in die Senke hinein, die nach oben breiter und etwas flacher wird. Am oberen Rand der Hangmulde kurz rechts abdrehen, sogleich wieder links und durch einen Waldgürtel, aus dem man zum markanten Steilner Joch sieht. Dann scharf nach rechts und über einen markanten Grat (bei ungünstigen Bedingungen Ski tragen!) zu einem unbedeutenden Mugel nördlich des Steilner Jochs hinauf. Normalerweise fährt man nun rund 100 Höhenmeter zur verfallenen Fellalm ab und steigt durch die weite Senke auf den Sattel zwischen Kleinem und Großen Traithen zu. Von dort links abbiegen und über den langen Latschenhang zum Gipfel ansteigen.
Verwegene Tourengeher, die sich die Zwischenabfahrt sparen wollen, spuren bei sicheren Verhältnissen nach zehn Metern Zwischenabstieg nach Süden in Kehren auf das Steilner Joch zu. Knapp 100 Höhenmeter unter dem Gipfelkreuz des Steilner Jochs muss man rechts schwenken und den gefährlichen, nach unten in Felsen abbrechenden Steilhang gegen Westen queren (Vorsicht bei einem Felsabsatz), bis der Verbindungsgrat zwischen Steilner Joch, Unterberger Joch und Großem Traithen erreicht ist. Über ihn nun auf Wechten achtend in mehrmaligem, geringfügigem Auf und Ab weiter, zuletzt sehr steil zum Gipfelkreuz am Großen Traithen hinauf.
Abfahrt.
Vom Gipfel über den steilen Latschen-Nordhang hinunter in den Sattel zwischen Großem und Kleinem Traithen. Im Sattel rechts abbiegen und über herrliche, wenig steile Hänge in die Hangmulde nördlich des Unterberger Jochs hinein. In diese Hangmulde kann man auch bei sehr sicheren Bedingungen vom Unterberger Joch direkt hinunterfahren, was aber sehr versierten Skifahrern vorbehalten bleiben muss. An der tiefsten Stelle dieses Beckens die Felle wieder aufziehen und nach Norden in den Sattel zwischen Jägerwand und Kleinem Traithen ansteigen (etwa 120 Höhenmeter). Dort beginnt der schönste Teil der Abfahrt. Rasant geht es anfangs durch steile, schattenseitige Pulverschneemulden nach Norden hinab, später über ebenfalls steile, aber breite, freie Hänge talaus, bis die Abfahrt etwas mehr nach Nordosten abdreht. In dieser Richtung flott zum Ausgangspunkt zurück, der angesichts dieser fantastischen Abfahrt viel zu schnell erreicht wird.

Exposition - überwiegend Norden

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied900 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGasthaus Rosengasse (1100 m)
EndpunktGasthaus Rosengasse (1100 m)
TourencharakterEs gibt verschiedene Möglichkeiten, dem Großen Traithen mit Ski aufs Haupt zu steigen. Nicht eine davon ist leicht, und deshalb hat sich dieser spannende Skiberg nie zu einem wirklichen Renner mausern können. Es bleibt dem Individualisten, der trotzdem mit Ski auf diesen Aussichtsberg hinauf will, oft nichts anderes übrig, als selber eine Aufstiegsspur anzulegen. Dafür muss er sich im Gelände gut auskennen, denn die richtige Routenführung ist nicht immer leicht zu finden und besonders bei der hier vorgestellten Aufstiegsstrecke muss man auch die alpinen Gefahren gut einschätzen können. Unter dem Steilner Joch kann es mitunter gefährlich werden, vor allem, wenn die Lawinensituation nicht sicher ist.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 8 (Tegernsee-Schliersee-Wendelstein)
VerkehrsanbindungMit dem Auto von Brannenburg (mautpflichtig) oder von Bayrischzell auf der Sudelfeld-Bergstraße zur beschilderten Abzweigung und zum Parkplatz beim Gasthaus Rosengasse
GastronomieGasthaus Rosengasse am Ausgangspunkt
Tipps
Über Schoißer Alm und Baumoosalm. Vom Waldparkplatz auf dem Weglein Richtung Brünnstein und Brünnsteinschanze und nach zwei Kehren in den Wald hinein. Bei der Antennenanlage wieder aus dem Wald heraus, ein Sträßchen queren und über der Schoißer Alm zum Auerberg hinauf, bis man wieder auf eine Straße stößt. Auf ihr nach rechts, also gegen Südwesten, und sich auch bei der Straßenverzweigung rechts halten (Schild »Baumoosalm«). Auf dem nur leicht ansteigenden Fahrweg den bewaldeten Hang entlang und in die Wiesen der Baumoosalm. Nach den Almgebäuden die flachen Wiesen queren und in schütteren Lärchenwald. Dort schwingt sich der Hang deutlich auf, und man legt in der Steilstelle ein paar Spitzkehren an, passt auf den Stacheldraht auf und erreicht einen breiten, bewaldeten Rücken über der Seeonalm. Mit Fellen ein kurzes Stück zur Alm hinab, ein wenig gegen Osten weiter, dann rechts schwenken und im Laubwald eine Spur auf den lang gezogenen Gratrücken des Steilner Jochs legen. Auf dem Grat nach rechts (Westen) weiter. Stellenweise wird es etwas schmal und überwechtet. Vor allem nach Schneefall oder bei starker Sonneneinstrahlung im Frühjahr besonders aufpassen, dass kein Schnee abrutscht. Der Wald lichtet sich und die Route führt steil zum Steilner Joch (1748 m) hinauf. Der Rest verläuft auf der beschriebenen Route. Ab Ausgangspunkt 4.30 Std.
Informationen
Aus dem Nesseltal. Diese Route wird so gut wie nie durchgeführt und eignet sich für das Frühjahr, wenn mit Firn zu rechnen ist. Sie beginnt im Ursprungtal etwa 300 Meter nördlich der Bäckeralm. Der kaum ansteigenden Straße folgt man stundenlang gegen Osten das Nesseltal hinauf, bis der Fahrweg endet. Dann durch steile Reissen und auf extrem steilen Hängen über einer tiefen Klamm vorsichtig den Wald queren, bis wieder ein Fahrweg in der Nähe der Wirtsalm erreicht ist. Dort links abbiegen und gegen Nordwesten um den Kleinen Unterberg herum und über steile Rippen zum Traithen hinauf. Sehr lang und anstrengend; 4.30 Std.
Höchster Punkt
Großer Traithen, 1852 m
Unterkunft
Gasthaus Rosengasse am Ausgangspunkt
Tourismusbüro
Bayrischzell, Tel.: 08023/648; www.bayrischzell.de
Tags: 
Mehr zum Thema