Griesner Kar (Schönwetterfenster), 2166 m

Sehr beliebte und schöne Frühjahrsskitour auf der Nordseite des Wilden Kaisers. Die drei möglichen Ziele bieten für jeden Geschmack und die unterschiedlichsten Bedingungen den jeweils richtigen Höhepunkt. Im Griesner Kar geben sich Skitourengeher und Snowboardfahrer ein fröhliches Stelldichein. Im späten Frühjahr, wenn sich der Schnee immer mehr zurückzieht, kommen noch die ersten Bergwanderer dazu.
Lawinengefahr: normalerweise sehr hoch, im Frühjahr zur Tourenzeit: mittel (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom großen Parkplatz bei der Griesner Alm am Wanderweg über den Kaiserbach gegen Westen und durch das obere Kaiserbachtal zu den Russenleiten links ab. Der Weg schlängelt sich gegen Südosten den Hang hinauf und führt durch den Wald zu einem mit Latschen bewachsenen Rücken. In der Mitte des breiten Tals folgt man ihm steil nach Süden hinauf. Das Tal weitet sich und flacht etwas ab. Vor den Felsenausläufern des Kleinkaisers, einem kreuzgekrönten Felsenklotz mitten im Talgrund, kann man links abbiegen und über eine Steilstufe in ein schmaleres Kar hineingehen. Es endet unter der kleinen Fritz-Pflaum-Hütte. Eine Alternative zweigt vor dem Kleinkaiser rechts ab und führt auf einen schneebedeckten Schuttkegel zu, der unter der Goinger Törlspitze ansteigt. Er wird nach oben steiler und schmaler. Mühsam legt man in den sonnigen Osthang Spitzkehre an Spitzkehre und bei einem Felsen, kurz bevor das Steilkar durch einen Felsen geteilt ist, wird der mühsame Anstieg normalerweise für die Felle zu steil. Man schnallt also ab und trägt die Ski in die rechte, also die nörd- liche Scharte hinauf. Unter den Felsen ist die Skitour zu Ende. Der Aufstieg in das Kleine Törl führt an der eben geschilderten Steilrinne vorbei und gegen Südosten durch das Griesner Kar. Südlich des Kleinkaisers wird es mit 42° enorm steil, bis unter den Törltürmen das Kleine Törl erreicht ist. Meist wird man die letzten 60 Höhenmeter die Ski tragen müssen. Für Extremfahrer gibt es noch die supersteile, enorm lange Anstiegsmöglichkeit zum Schönwetterfensterl. Aus dem südöstlichen Griesner Kar führt über der Fritz-Pflaum-Hütte eine schmale, felsdurchsetzte Steilrinne dort hinauf. Normalerweise wird man wegen der enormen Steilheit nicht mit Fellen aufsteigen. Mühsam trägt man die Ski hinauf und wartet, bis in der schattigen Rinne der Schnee auffirnt.
Abstieg.
entlang der Aufstiegsroute

Exposition - Norden

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1200 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGriesenau im Kohlental, 719 m, Griesner Alm, 988 m
TourencharakterAlle drei Zielvarianten des Griesner Kars sind landschaftlich prächtig und ganz oben auch enorm steil. Das eindrucksvollste Ziel dürfte wohl das Schönwetterfensterl sein, denn zuletzt zieht sich dort eine schmale, gigantisch steile Rinne zwischen wilden Felsenwänden bis in das kleine Felsenfenster hinauf. In diese Schattenrinne verirrt sich kaum ein Sonnenstrahl, weshalb aufgrund des Firns Spezialisten erst Anfang Juni mit Firngleitern kommen. Ebenfalls sehr steil, aber weniger felsig, gibt sich der Anstieg ins Kleine Törl, wo die Schneequalität oft nicht zum Besten bestellt ist. In die Hänge unter dem Ziel kommt die Sonne nicht gut hin und deshalb sind diese selbst im späten Frühjahr oft vereist oder harschig. Am leichtesten und deshalb beliebtesten ist der Zielpunkt zwischen der Vorderen Goinger Halt und der Törlspitze. Dort hat die Sonne leichtes Spiel und sorgt schon am Vormittag für schönen Firn, der sich später am Tag allerdings meist in wadentiefen Sulzschnee wandelt. Reine Genussskifahrer, Bequemlinge und weniger durchtrainierte Skitourengeher steigen mit Fellen nur bis zur Fritz-Pflaum-Hütte, 1868 Meter, auf und beenden dort die Tour. Damit haben sie auch fast 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Im Winter ist diese Hütte allerdings geschlossen, weshalb man die Jause auf alle Fälle selbst mitnehmen muss. Im Sommer ist sie ebenfalls Selbstversorgern vorbehalten.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 9 (Kaisergebirge)
Verkehrsanbindungvon Kössen über Schwendt oder von St. Johann in Tirol durch das Kohlental zum Ausgangspunkt; Linienbusverbindung bis Griesenau
Gastronomiein der Griesner Alm am Ausgangspunkt
Tipps
Gipfel-Special. Gipfelsammler haben die Chance, aus dem Schönwetterfensterl in einer guten Viertelstunde über felsiges Gelände auf die 2253 m hohe Regalpspitze zu steigen.
Höchster Punkt
Griesner Kar (Schönwetterfenster), 2166 m
Unterkunft
in der Griesner Alm am Ausgangspunkt
Tags: 
Mehr zum Thema