Feigenkopf, 1867 m

Eigentlich wäre die Tour auf den Feigenkopf ein recht gemütliches, fast langweiliges Unternehmen, gäbe es nicht den Steilaufschwung über dem Bäckenalmsattel. Dieser hat es mit seinen 45 Grad Neigung in sich, und deshalb bleibt die Tour nur versierten Tourengehern vorbehalten. Obendrein besteht bei unsicheren Verhältnissen oder starker Sonneneinstrahlung bisweilen erhebliche Lawinengefahr. Man muss also früh am Tag aufbrechen. Am besten nach klaren Nächten, wenn Firn zu erwarten ist. Hat es viel geschneit und gestürmt, bilden sich am Gipfelgrat riesige Wechten. Auch dieses Risiko gilt es zu beachten.
Lawinengefahr: hoch (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom Parkplatz auf dem Fahrweg über die Brücke und bei der Straßenverzweigung geradeaus weiter. Eine volle Stunde schiebt oder trägt man die Ski gegen Westen durch das Sägertal zu einer Straßenverzweigung unter den Hundsfällköpfen. Dort kommt von links der Lösertalbach heraus. Hier nach rechts, also durch das Sägertal, weiter und bis fast zum Bäckenalmsattel hinauf. Von rechts drohen aus den steilen Südosthängen bei durchfeuchteter Schneedecke beachtliche Lawinen. Sind sie schon abgegangen und die Hänge aper, suchen dort gerne Gämsen nach Nahrung. Noch vor dem Bäckenalmsattel zweigt man nach rechts ab und steigt, dem Verlauf des Sommerwegs folgend, gegen Nordosten hinauf. Die Route führt durch schütteren Wald und an eine rötlich leuchtende Felsenwand heran. Dort schwingt sich der Hang auf satte 45 Grad auf. Wer sich nicht ganz sicher fühlt, sollte abschnallen und zu Fuß weitergehen oder umkehren. Die Spur führt nun am oberen Rand eines steilen, felsigen Abbruchs vorbei und quert gleich darauf zweimal eine bedrohliche Lawinenrinne in einer Kehre. Dann hat man das Schlimmste geschafft. Im weiteren Verlauf geht es an der kleinen Hirschwanghütte vorbei und erst ziemlich flach, zum Schluss wieder etwas steiler, gegen Osten auf den Feigenkopf zu.
Abstieg.
Entlang der Aufstiegsroute. Vorsichtig muss man auch auf den weiten, fast etwas flachen Gipfelhängen abfahren, wenn dort harter Harsch vorzufinden ist, denn gegen Süden stürzt der Berg enorm ab.

Exposition - Südost bis Südwest

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied880 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktScheinbergparkplatz (980 m) an der Fahrstraße durch das Graswangtal beim Eingang in das Sägertal
EndpunktScheinbergparkplatz (980 m) an der Fahrstraße durch das Graswangtal beim Eingang in das Sägertal
TourencharakterIn den Ammergauer Alpen gibt es etliche Skitouren, die nicht so sehr überlaufen sind, wie man es in diesem in Großstadtnähe gelegenen Gebirge erwarten könnte. Der Grund liegt auf der Hand - Die Ammergauer Alpen sind ein Waldgebirge und die Touren darin sind von langen Talhatschern und rassigen, teilweise felsigen Anstiegen gekennzeichnet. Das ist nicht jedermanns Sache. Der Feigenkopf, hoch über dem Bäckenalmsattel gelegen, macht da keine Ausnahme. Im Sommer wird diese unauffällige Graterhebung oft »übergangen«, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bei der langen Wanderung von der Klammspitze zur Kenzenhütte erreichen viele den Kamm ohne überhaupt wahrzunehmen, dass sie einen weiteren Gipfel bezwungen haben. Im Winter aber sieht das ganz anders aus. Da hat der Feigenkopf als selbstständiges, anspruchsvolles Tourenziel einen ganz anderen Wert.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 4 (Füssen – Außerfern)
VerkehrsanbindungMit dem Auto ab Ettal durch das Graswangtal oder von Reutte über Plansee zum Ausgangspunkt
Tipps
Zum Hasentalkopf. In der Nähe des Bäckenalmsattels kann man bei sehr sicherem Schnee auch nach links abbiegen und über extreme Steilhänge zum Hasentalkopf aufsteigen, von dem eine herrliche Firnabfahrt durch den steilen Hasentalgraben ins Sägertal hinabführt.
Informationen
Höchster Punkt
Feigenkopf, 1867 m
Tourismusbüro
Ettal, Tel.: 08822/3534; www.ettal.de
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