Birkkarspitze, 2749 m

Enorm lange und anstrengende Frühsommertour, die man sinnvollerweise mit Firngleitern unternimmt. Das gut 18 Kilometer lange Karwendeltal bis zum Karwendelhaus überwindet man mit einem Mountainbike.
Lawinengefahr: hoch (zur Tourenzeit gering) (Autor: Siegfried Garnweidner)
Die Route.
Aufstieg.
Vom großen Parkplatz auf dem Stahlross erst einmal gegen Osten der Isar entlang radeln, dann links abzweigen, über die Isar und gleich wieder rechts schwenken. Auf den folgenden zwei Kilometern geht es ziemlich stramm bergauf, doch nach diesem ersten Steilstück kommt man zu einer elend langen, fast ebenen Etappe, die sich mit dem Rad hervorragend meistern lässt. Die Karwendelstraße führt an der Wildfütterung, der Larchetalm und der Angeralm in sehr geringer Steigung vorbei. Man sieht schon lange das Karwendelhaus vor sich, bis sich der Fahrweg auf der Höhe von rund 1500 Meter nochmals aufschwingt. Radprofis nennen diese grimmige Etappe zutreffend »Wadlbeißer«. Nach ein paar ausholenden Kehren wird schließlich das Karwendelhaus erreicht. Wo die Radlfahrer aufhören oder, wenn sie auf größerer Fahrt sind, einen ausgiebigen Zwischenstopp einlegen, geht es für uns erst richtig los. Kurz vor dem Unterkunftshaus zweigt ein steiler Steig gegen Südosten ab. Er schwingt sich drastisch auf und ist mit Drahtseilen gut gesichert. Zwischen Lawinenverbauungen plagt man sich diese kurze Etappe hinauf und kommt bald darauf wieder in moderateres Gelände hinein. Dort öffnet sich das weite Schlauchkar. An beiden Wegverzweigungen geht es nun geradeaus gegen Südosten weiter. Spätestens dort sollte auch der erste Schnee liegen und man folgt dem Kar an seinem linken Rand hinauf. Der Anstieg wird steiler und felsig. Etwa unter dem Schlauchkarkopf dreht die Route nach rechts (Süden) ab, quert steile Hänge unter der Birkkarspitze und schwenkt nach Westen. Schließlich mündet sie im Schlauchkarsattel zwischen Birkkar- und Ödkarspitzen. Dort beginnt der Gipfelspurt. Aus dem Sattel geht man gegen Osten zur kleinen Birkkarhütte, 2639 Meter, wo die Ski bzw. Firngleiter deponiert werden. Anschließend kommt man in steiles Felsengelände. Doch was von unten recht Furcht erregend ausschaut, entpuppt sich – dank guter Sicherungsanlagen und solidem Fels – als ziemlich einfach. Und so geht man relativ harmlos bis zum Gipfelkreuz hinauf.
Abstieg.
Bis zur Birkkarhütte geht es entlang der Aufstiegsroute. Dann weiter mit Ski durch das lange Schlauchkar hinab und – wenn genügend Schnee liegt – nicht zum Karwendelhaus abzweigen, sondern neben dem Bach bis zum kleinen Kraftwerk talaus. Den Rest mit dem Bike entlang der Aufstiegsroute.

Exposition - Nordwesten

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour42 km
Höhenunterschied1800 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortScharnitz, 985 m
AusgangspunktParkplatz neben der Isar am Sportplatz in Scharnitz, 985 m
TourencharakterDer größte Karwendelgipfel ist mit Ski eine besondere Herausforderung. Neben dem satten Höhenunterschied von rund 1800 Meter gilt es noch enorme Entfernungen zu überwinden. Die einfache Strecke macht weit mehr als 20 Kilometer aus. Am Einstieg ins Schlauchkar bietet sich zwar das Karwendelhaus als Stützpunkt an, doch auch dann sind die Distanzen gigantisch. Es bleibt dem ambitionierten Skifahrer also kaum eine andere Wahl, als mit dem Mountainbike durch das Karwendeltal zum Karwendelhaus hinaufzustrampeln. Die Straße ist meist ab Ende Mai so weit frei, dass man das riskieren kann, doch muss man hin und wieder mit mächtigen Lawinenkegeln rechnen. Klar, dass man für diese Tour nicht die langen Latten nimmt, sondern kurze Firngleiter, die sich leicht am Rucksack tra- gen lassen und mit denen im weichen Frühjahrssulz des steilen Schlauchkars die Abfahrt besondere Freude bereitet. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die Rundschau vom höchsten Karwendelgipfel an klaren Tagen ihresgleichen sucht.
Hinweise
Lawinengefahr-Beurteilung - Bei allen Routen wird die Haupthimmelsrichtung (Exposition) der Hänge angegeben. Erfahrene können abschätzen, mit welcher Schneebeschaffenheit zu rechnen ist. Während nach Schneefall bei strengen Frostperioden sogar auf Südhängen Pulverschnee zu erwarten ist, kann es dort im Frühjahr traumhaften Firn geben. Osthänge sind in der Regel weitaus stärker von Lawinen bedroht als Westhänge (Schneeverfrachtung). Das in den Tourenangaben erwähnte Lawinenrisiko bezieht sich ausschließlich auf die Geländebedingungen. Die tatsächliche Lawinengefahr kann – abhängig von den jeweiligen Wetterverhältnissen – erheblich von den Angaben im Buch abweichen. Steile, der Sonne ausgesetzte Grashänge sind allgemein stärker von Lawinen bedroht als felsdurchsetzte Hänge oder Waldbereiche. Unabhängig von diesen Angaben muss man sich vor jeder Tour unbedingt über die Lawinensituation erkundigen und dementsprechend das Tourenziel auswählen oder auch gänzlich auf eine Tour verzichten. Lawinenlagebericht abfragen. Route nach den jeweiligen Gegebenheiten (Hangneigung, Himmelsrichtung, Untergrund) wählen. Tour bei erhöhtem Risiko abbrechen. Tageszeitliche Änderung der Situation (besonders bei Frühjahrstouren) beachten. Verschüttetensuchgerät eingeschaltet am Körper tragen. Lawinenschaufel (und eventuell Lawinenairbag, Lawinensonde) mitnehmen. Europäische Lawinengefahrenskala 1 (gering) Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände möglich. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. 2 (mäßig) Die Schneedecke ist in einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. 3 (erheblich) Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. 4 (groß) Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. 5 (sehr groß) Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Weitere Sicherheitsfaktoren: Wechten beachten: Niemals bis auf die Scheitelstrecke von Graten gehen, vor allem, wenn diese von unten nicht einsehbar sind. Vorsicht auf Gipfeln. Absturzgefahr: Felsige oder vereiste Anstiege nur mit entsprechender Ausrüstung (Harscheisen oder Steigeisen) durchführen. Lieber auf einen ausgesetzten Gipfelanstieg verzichten, als abstürzen. Einwandfreie Beherrschung von Aufstiegs- (Spitzkehren!) und Abfahrtstechnik nötig. Überanstrengung: Tour richtig (nach dem schwächsten Teilnehmer) auswählen, Pausen einlegen, eventuell Tour abbrechen. Einkalkulieren, dass auch die Abfahrt – je nach Schneebeschaffenheit viel Kraft kosten kann.
KartentippKompass-Wander-, Rad- und Skitourenkarte 1 - 50000, Blatt 26 (Karwendelgebirge)
Verkehrsanbindungvon Garmisch-Partenkirchen über Mittenwald nach Scharnitz oder aus dem Inntal über Zirler Berg – Seefeld; Bahnverbindung
GastronomieLarchetalm, 1173 m, Karwendelhaus, 1771 m
Tipps
Durchs Grabenkar zur Östlichen Karwendelspitze. Wer sich eine Übernachtung im Karwendelhaus gönnt, kann am zweiten Tag die landschaftlich prächtige Östliche Karwendelspitze mit Firngleitern in Angriff nehmen. Dieser 2537 m hohe Felsengipfel wird durch das südseitige Grabenkar bestiegen, das sich nach einem Linksschwenk enorm aufschwingt. Kurz unter dem Gipfel muss man allerdings zu Fuß (mit Skistiefeln) durch die Felsen kraxeln, was aber nicht besonders schwierig ist (I).
Höchster Punkt
Birkkarspitze, 2749 m
Unterkunft
Larchetalm, 1173 m, Karwendelhaus, 1771 m
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