Zell am See – Lienz

Schwer; 12% Höchststeigung an langen Abschnitten bei der Auffahrt zur Großglockner-Hochalpenstraße (Autor: Rudolf Geser)
Es wird ernst, wir stoßen ins Hochgebirge vor. Vor uns liegt die Großglockner-Hochalpenstraße. Sie durchquert die Gebirgsregion der Hohen Tauern, ein stark vergletschertes Areal mit unzähligen Gipfeln unterhalb der 3000-Meter Marke und einer stattlichen Anzahl von Dreitausendern, darunter der höchste Berg der österreichischen Alpen, der 3798 m hohe Großglockner. Ganz so hoch geht es für uns nicht hinauf, aber mit einer Höhe von 2505 m bei der Überquerung des Scheitelpunkts am Hochtor doch schon in Bereiche, die für uns Radler als hochalpin gelten. Bei einem Abstecher auf die 2571 m hohe Edelweißspitze kämen nochmals einige Höhenmeter hinzu, die allerdings bei einer durchschnittlichen Steigung von 14% hart zu erkämpfen sind. Das Gleiche gilt für einen Abstecher über die sogenannte Gletscherstraße zur Franz-Josephs-Höhe, an deren Endpunkt sich uns am Parkplatz Freiwandeck in 2369 m Höhe mit dem zerklüfteten Eisstrom des Pasterzegletschers und des fast zum Greifen nahen Großglockners der wohl imponierendste Blick entlang der Großglockner-Hochalpenstraße bietet.Zu diesen beiden Abstechern später mehr, denn auch ohne sie ist die Großglockner-Hochalpenstraße ein ziemlich anstrengendes Unterfangen und man wird es wohl von einigen nicht unbedingt im Voraus zu planenden Faktoren wie Tagesform, Wetterverhältnisse oder der zur Verfügung stehenden Zeit abhängig machen, ob man diese beiden Abstecher noch hinzunimmt.Über unseren Ausgangspunkt Zell am See ist zu bemerken, dass dieser zusammen mit der benachbarten Gemeinde Kaprun als so genannte Europa-Sportregion für zahlreiche sportliche Aktivitäten wie Skilanglauf, Nordic Walking, Eissport, Rodeln, Reiten, Flugsport, Tennis und Squash wirbt. Der Eishockeyverein war Meister der zweithöchsten österreichischen Spielklasse, der Fußballverein ist in der Regionalliga der österreichischen Spielklasse beheimatet und zwei Doppel-Olympiasieger im Tornadosegeln sind Mitglied des Zeller Yachtclubs. Was in dieser Aufzeichnung fehlt, sind Hinweise auf Radsportaktivitäten, aber dies soll uns nicht weiter schrecken, wenn wir die vom wuchtigen Turm der Stadtpfarrkirche St. Hippolyt beherrschte Stadt verlassen.Die Wegfindung aus Zell am See hinaus ist kein Problem, überall sind die grünen Hinweisschilder mit der Aufschrift »Großglockner-Hochalpenstraße« angebracht, nur der Verkehr auf der leider meist stark befahrenen Bundesstraße 311 ist etwas lästig. Die Bezirke im Bundesland Salzburg, in welchem wir uns noch befinden, werden umgangssprachlich als Gaue bezeichnet, und wir durchqueren auf brettebener Straße das von der Salzach durchflossene Pinzgau, dessen Namen sich wohl von den Binsen ableitet, welche die Tallandschaft einst bedeckten.Bald ist der kleine Ferienort Bruck an der Glocknerstraße erreicht und mit der Einfahrt in das Tal der Fuscher Ache beginnt langsam unser Anstieg. Noch hält sich aber die Landschaft bedeckt und auch die Steigung in dem von Gletschern geformten Trogtal, dessen gleichmäßige Berghänge fast bis oben hin mit dunkelgrünen Wäldern bedeckt sind, ist gering. Auf den ersten Kilometern können wir entlang der linken Straßenseite sogar einen Radweg benutzen, was von den meisten dankend angenommen wird. Denn obwohl die Großglockner-Hochalpenstraße viele positive Attribute aufweisen kann, geringes Verkehrsaufkommen gehört leider nicht dazu, wie die vom Fremdenverkehrsamt ermittelte Zahl von gut 300000 Kraftfahrzeugen pro Jahr verdeutlicht.Hinter Fusch, dem Hauptort des Tales, nimmt die Steigung, vorbei an der kleinen Embachkapelle, auf 10% zu, das Tal verengt sich zur Bärenschlucht und der Höllbach wird überquert. Bei der Mautstelle Ferleiten eröffnet sich ein prächtiges Hochgebirgspanorama vor uns mit dem beherrschenden 3564 m hohen Großen Wiesbachhorn und der vergletscherten Nordwand des 3331 m hohen Fuscherkarkopfs. Die Mautstelle selbst, die wir ohne Bezahlung auf einer eigenen Spur passieren, wird für uns lange Zeit der letzte flache Abschnitt bleiben, den wir unter unsere Reifen bekommen. Die bald danach einsetzende 12%ige Steigung wird nämlich so schnell nicht weniger werden, genau genommen auf den gesamten 12,5 km bis zum Fuscher Törl nicht.Auf dem Weg dorthin fahren wir zuerst am Scheierwasserfall vorbei, nehmen bei der Piffalpe die erste Kehrengruppe in Angriff, lassen beim Parkplatz Hochmais die letzten sturm- und windgebeugten Wetterlärchen hinter uns und durchqueren den von Felsbrocken übersäten Abschnitt der Hexenküche, deren Name verständlicher wird, wenn man weiß, dass hier bei Bauarbeiten im Jahre 1977 Häftlingsketten aus dem 17. Jahrhundert gefunden wurden. Damals wurden Gefangene, über Halseisen aneinandergekettet, über das Hochtor als Galeerensträflinge nach Venedig gebracht.Mit dem folgenden Abschnitt, der Oberes Naßfeld genannt wird, rückt das Fuscher Törl und damit unser erster Prüfstein auf dem Weg über die Großglockner-Hochalpenstraße in Sichtweite. Bei nicht nachlassender Steigung zieht es sich nach oben, aber endlich ist der Törlgrat mit den Parkplätzen und dem zum Gedenken an die beim Bau der Straße verunglückten Arbeiter errichteten Fuscher Törl erreicht.Wer sich bis hierher leicht getan hat und sich gut fühlt, kann nun in Erwägung ziehen, der kurz unterhalb des Törlgrates abzweigenden Stichstraße zur Edelweißspitze zu folgen. 1,6 km sind über sechs kopfsteingepflasterte Kehren mit Steigungsspitzen bis 14% dort hinauf zu überwinden. Auf der Edelweißspitze hat man mit 2571 m nicht nur den höchsten Punkt der Überfahrt erreicht, sondern auch den schönster Aussichtspunkt mit Blick auf mehr als 30 Dreitausender.Die Kräfte allerdings sind gut einzuteilen, denn noch haben wir die Großglockner-Hochalpenstraße nicht überwunden, auch wenn es jetzt erst einmal 1,5 km mit 8% Gefälle zur Fuscher Lacke abwärts geht. Vor uns liegt der Anstieg zum Scheitelpunkt am Hochtor, das noch 4,5 km von uns entfernt ist und neben einer durchschnittlichen Steigung von 8 bis 10% auch noch mit dem 117 m langen Mittertörtunnel aufwartet.Elendboden wird dieser unwirtliche Abschnitt zu Füßen des Brennkogels im Volksmund genannt. Der Name geht allerdings weniger auf das bei dem ein oder anderen Radler vorherrschende elende Gefühl in den Beinen zurück, sondern auf eine Pilgergruppe, die sich hier im Jahre 1683 in einem Schneesturm verirrte und über eine Felswand ins Beinkar abstürzte. Das Schild mit der Aufschrift »Knappenstube« deutet auf verfallene Stollen und Abraumhalden neben der Straße hin, letzte Spuren des mittelalterlichen Bergbaus. Dann endlich radeln wir in den 311 m langen Hochtortunnel ein, der nicht nur die Landesgrenze zwischen Salzburg und Osttirol, sondern auch den Scheitelpunkt der Hochalpenstraße bildet.Vorbei am Wallackhaus, liegt eine lange Abfahrt vor uns, wenn wir es nicht vorziehen, nach 6,5 km bei der Abzweigung Guttal die Bremsen zu ziehen, um den Abstecher über die Gletscherstraße zur Franz-Josephs-Höhe zu machen. Die Strecke ist 8,5 km lang, überwindet 510 Höhenmeter und weist Höchststeigungen bis 12% auf, liegt allerdings meist weit darunter.Wer nun zögert, dem sei gesagt, dass der Endpunkt der Straße bei den Parkplätzen am sogenannten Freiwandeck zweifellos den Höhepunkt einer Fahrt über die Glockner-Hochalpenstraße darstellt. Zumindest aus landschaftlicher Sicht, denn sowohl der Großglockner als auch das zu dessen Füßen liegende Eisfeld des Pasterzegletschers, mit 10 km Länge immerhin größter Eisstrom der Ostalpen, bilden eine spektakuläre Szenerie, die auch verwöhnte Bergkenner begeistert. Der »Glockner«, dessen Spitze zwar zum Greifen nah erscheint, aber doch 5 km Luftlinie entfernt ist, bleibt uns zwar verwehrt, aber wer will, kann mit einem 274 m langen Schrägaufzug zur Pasterze hinabfahren und dort auf einem abgesperrten Bereich des Eises herumspazieren. Ob dieses Unterfangen mit unseren Radschuhen sinnvoll ist, sei dahingestellt, und auch kalte Füße kann man weniger brauchen, denn nun geht es bis Heiligenblut lange und rasant mit Gefälle bis 10% abwärts.Dort endet zwar die Großglockner-Hochalpenstraße, aber nicht unsere Tour. Lange zieht es sich das Mölltal auswärts und wir müssen wieder in die Pedale treten, um voranzukommen. Bis Winklern gelingt uns dies auch ohne größere Schwierigkeiten, dann aber müssen wir mit dem linken Schaltgriff die Kette wieder auf das kleine Kettenblatt befördern. Der Anstieg zum Iselsbergpass liegt vor uns, 4 km lang mit zwei Kehren und 10% Höchststeigung. War die Auffahrt vorwiegend von dichtem Wald begleitet, ändert sich das Bild auf der Abfahrtsseite erheblich. 9,5 km geht es mit Gefälle bis 10% und vier Kehren bis zur Einmündung in die B100 abwärts.Schon kurz nach der Passhöhe zeigen sich im Süden die mattgrauen, schroffen Felstürme der Lienzer Dolomiten, im Volksmund auch Unholde genannt, die an landschaftlicher Schönheit den Vergleich mit ihren Südtirolern Namensvettern nicht scheuen brauchen. Dann ist es nicht mehr weit bis Lienz, der Bezirkshauptstadt von Osttirol, die ihrer klimatisch günstigen Lage wegen auch die »Sonnenstadt von Österreich« genannt wird.

Übersetzungsvorschlag 39/28, Streckenverlauf: Zell am See (km 0,0) – Schüttdorf (km 3,0) – Fischhorn (km 6,0) – Bruck an der Glocknerstraße (km 7,0) – Fusch (km 14,5) – Mautstelle Ferleiten (km 21,5) – Fuscher Törl (km 34,0) – (Abstecher Edelweißspitze, hin und zurück 4 km) – Fuscher Lacke (km 35,5) – Hochtor (km 40,0) – Abzweigung Guttal (km 46,5) – (Abstecher Franz-Josephs-Höhe, hin und zurück 17,0 km) – Heiligenblut (km 55,5) – Winklern (km 78,5) – Iselsbergpass (km 82,5) – Stribach (km 90,0) – Nussdorf/Debant (km 92,0) – Lienz (km 94,5), Straßenverhältnisse: Gut ausgebaute Straßen. Bei der Auffahrt zur Edelweißspitze einige kopfsteingepflasterte Kehren; insbesondere bei Nässe bei der Abfahrt erhöhte Vorsicht. 117 m langer Tunnel und 311 m langer Scheiteltunnel bei der Auffahrt zum Hochtor. 300 m lange Galerie bei der Auffahrt zur Franz-Josephs-Höhe,Passöffnungszeiten: Großglockner-Hochalpenstraße 1.5.–1.11; Auffahrt zur Edelweißspitze und zur Franz-Josephs-Höhe 15.5.–1.11.; Iselsbergpass ganzjährig geöffnet

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour110 km
Höhenunterschied2105 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktZell am See, 757 m
EndpunktLienz, 673 m
Hinweise
Übersetzungsvorschlag: 39/28 Streckenverlauf: Zell am See (km 0,0) – Schüttdorf (km 3,0) – Fischhorn (km 6,0) – Bruck an der Glocknerstraße (km 7,0) – Fusch (km 14,5) – Mautstelle Ferleiten (km 21,5) – Fuscher Törl (km 34,0) – (Abstecher Edelweißspitze, hin und zurück 4 km) – Fuscher Lacke (km 35,5) – Hochtor (km 40,0) – Abzweigung Guttal (km 46,5) – (Abstecher Franz-Josephs-Höhe, hin und zurück 17,0 km) – Heiligenblut (km 55,5) – Winklern (km 78,5) – Iselsbergpass (km 82,5) – Stribach (km 90,0) – Nussdorf/Debant (km 92,0) – Lienz (km 94,5) Straßenverhältnisse: Gut ausgebaute Straßen. Bei der Auffahrt zur Edelweißspitze einige kopfsteingepflasterte Kehren; insbesondere bei Nässe bei der Abfahrt erhöhte Vorsicht. 117 m langer Tunnel und 311 m langer Scheiteltunnel bei der Auffahrt zum Hochtor. 300 m lange Galerie bei der Auffahrt zur Franz-Josephs-HöhePassöffnungszeitenGroßglockner-Hochalpenstraße 1.5.–1.11; Auffahrt zur Edelweißspitze und zur Franz-Josephs-Höhe 15.5.–1.11.; Iselsbergpass ganzjährig geöffnet
KartentippGeneralkarte 1:200000 Österreich, Blatt 2 Salzburg-Steiermark-Kärnten
VerkehrsanbindungAutobahn Kufstein–Innsbruck, Ausfahrt 6 Kufstein-Süd/Felbertauern Richtung St. Johann in Tirol/Felbertauern – bei Söll – bei St. Johann in Tirol – Kitzbühel Mittersill – Zell am See
Tipps
Passangaben: Großglockner-Hochalpenstraße: 2505 m am Hochtor; Auffahrt Bruck an der Glocknerstraße – Fuscher Törl 27,5 km, ab Mautstelle Ferleiten bis Fuscher Törl fast durchgehend 12% Steigung, 1648 Hm; Abfahrt Fuscher Törl – Fuscherlacke 1,5 km mit Gefälle bis 9%; Auffahrt Fuscherlacke – Hochtortunnel 4,5 km mit durchgehender Steigung zwischen 8 und 10%, 243 Hm; Abfahrt Hochtortunnel – Heiligenblut 15 km mit Gefälle bis 12%Edelweißspitze: 2571 m; Abstecher Edelweißspitze von Fuscher Törl bis Edelweißspitze 2 km mit 14% Höchststeigung auf ca. 1,5 km, 170 HmFranz-Josephs-Höhe: 2369 m; Abstecher Franz-Josephs-Höhe von Abzweigung Guttal bis Franz-Josephs-Höhe 8,5 km mit 12% Höchststeigung an kurzen Abschnitten, 510 HmIselsbergpass: 1204 m; Auffahrt Winklern – Passhöhe 4 km mit 10% Höchststeigung, 239 Hm; Abfahrt Passhöhe – Einmündung B400 bei Debant 8 km mit Gefälle bis 9%StreckenprofilHöchster Punkt: 2505 m Hochtor (bzw. 2571 m Edelweißspitze)Tiefster Punkt: 673 mHöhenmeter Auffahrt: 2105 mHöhenmeter Abfahrt: 2189 mMax. Steigung: 12% (14% bei Auffahrt zur Edelweißspitze)Max. Gefälle: 12%Durchschn. Steigung Auffahrt: 5,4%Durchschn. Gefälle Abfahrt: 4,0%; Sehenswert: Mautstelle Ferleiten: Wildpark Edelweißspitze: Panoramablick Franz-Josephs-Höhe: Großglocknerblick, Abfahrt mit Schrägaufzug auf Pasterzegletscher; Zell am See: Stadtpfarrkirche St. Hippolyt, Stadtmuseum im Kastnerturm; Heiligenblut: gotische Wallfahrtskirche aus dem 15. Jh., Bricciuskapelle
Verleih
Berchtesgaden: Rad’l-Laden Maltan GmbH, Rathausplatz 16. Lienz: probike Huber & Prünster OEG, Amlacherstr. 1a
Höchster Punkt
Unterkunft
Bruck an der Glocknerstraße: Sportcamp Woferlgut, Kroessenbachstr. 40, ganzjährig

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