Wien – Mariazell

Mittelschwer; 13% Höchststeigung an einem kurzen Abschnitt bei der Auffahrt zum Gscheidpass (Autor: Rudolf Geser)
141 km
2401 m
8.00 h
Mit den Niederösterreichischen Kalkalpen westlich von Wien beginnen die Alpen sich zwar langsam, aber doch bereits mit nachhaltigen Eindrücken, aus dem Wiener Becken zu erheben. Sie sind östlichster Teil der Nördlichen Kalkalpen, die von hier bis zur Enns reichen und zu denen so bekannte alpine Kalkmassive wie etwa der Hochschwab, die Veitsch, die Schneealpe, die Rax und der Schneeberg gehören. Letzterer gilt mit seiner Höhe von 2076 m immerhin als östlichster Zweitausender der Alpen. Luftlinie ist er nur 65 km von Wien entfernt, und an klaren Tagen ist er als markanter Bergstock mit steilen Bergflanken von dort aus gut zu erkennen. Ganz so hoch und alpin geht es für uns am ersten Tag unserer Alpendurchquerung noch nicht hinauf. Wir werden den Schneeberg zwar zu Gesicht bekommen, halten uns aber in respektvoller Entfernung und bleiben auf unserem höchsten Punkt, dem 982 m hohen Gscheidpass, noch unter der 1000-Meter-Marke. Auch die anderen Pässe, die wir heute zu überwinden haben, wie der Auf-dem-Hals-Pass, der Rohrer Sattel und der Ochsattel, sind für sich gesehen mit Höhen zwischen 655 m und 854 m zwar nicht allzu imponierend. Aber da unser Ausgangspunkt Wien nur auf einer Höhe von 171 m über dem Meer liegt, geht es doch schon beträchtlich bergauf und in ihrer Summe addieren sich die zu bewältigenden Höhenmeter bereits auf gute 1500, mit Höchststeigungen, die am Gscheidpass kurz sogar 13% erreichen, was bei einer Streckenlänge von 151 km schon gute Kondition voraussetzt. Aber die sollte man ohnehin haben, denn anders wäre das Unternehmen einer Alpendurchquerung, sei es zur Gänze oder auch in Teilbereichen, wenig sinnvoll.Bevor wir nun aber dem ersten Passanstieg entgegenfiebern, sollten wir uns noch etwas mit unserem Ausgangspunkt beschäftigen, der sich auf den ersten Blick vor allem als ein verwirrendes Straßengeflecht mit vielen Einbahnstraßen und Sackgassen, hohem Verkehrsaufkommen und in den Außenbezirken reizlosen Häuserfassaden mit auffällig vielen Reklametafeln darstellt.Wie ein Gürtel legen sich die 22 Wiener Bezirke um den Ersten, die Innenstadt, in dem sich so gut wie alle berühmten Bauten und Sehenswürdigkeiten befinden, die den Weltruf dieser Metropole begründen. Städteerfahrung oder großes Kulturinteresse sollten allerdings vorhanden sein, um sich mit dem Rad dorthin auf den Weg zu machen.Hat man sich dann aber kompromisslos an die Schilder mit der Aufschrift »Zentrum« gehalten und steht in der Fußgängerzone vor dem wohl berühmtesten Bauwerk der Stadt, dem Stephansdom, von den Wienern liebevoll »Steffl« genannt, wird man beeindruckt sein. Er ist das bedeutendste Bauwerk der Hoch- und Spätgotik in Österreich und eine der bekanntesten Kirchen Europas. 136,70 m beträgt die Höhe des Südturms, und die beiden westlichen »Heidentürme« sind noch 65,60 m hoch. Damit ist der »Steffl« neben dem Ulmer Münster und dem Kölner Dom die dritthöchste Kirche der Welt.Vor dem Dom stehen die Fiaker, zweispännige Pferdefuhrwerke, die nicht minder berühmt sind als der Dom. Eine Rundfahrt führt zu weiteren bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Hofburg am Michaelerplatz, in der von 1283 bis 1918 die Habsburger residierten, und der Kapuzinerkirche mit der Kaisergruft, einer von außen bescheiden wirkenden Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert, in der 144 Mitglieder des Kaiserhauses Habsburg, davon 12 Kaiser und 15 Kaiserinnen, bestattet sind. Zwei Routen stehen dabei zur Auswahl, die zwischen 40 und 60 Minuten dauern und mit etwa 53 Euro für vier Personen zu Buche schlagen.Eine weitere Attraktion Wiens sei aber noch hervorzuheben: der Prater mit seinem Volks- oder Wurstlprater, ein ausgedehnter Vergnügungspark im Zweiten Bezirk, in der Leopoldstadt, ganz in der Nähe des Zentrums, mit seinem Wahrzeichen, dem Riesenrad. 20 Minuten dauert eine Fahrt mit dem 64,75 m hohen Ungetüm, das sich bereits seit 1897 dreht und einen Blick über das Häusermeer der 1,7-Millionen-Stadt an der Donau eröffnet, über dem wir im Südwesten bereits die Bergketten der Alpen erkennen können.Um dorthin zu gelangen, hält man sich am besten an die Beschilderung »A2 Graz« und folgt im weiteren Verlauf der Bundesstraße 17, der Triester Straße, Richtung Mödling, die sich lange und schnurgerade in südlicher Richtung aus der Stadt zieht. Unmittelbar an das Ortsende von Wien schließt sich zuerst Vösendorf an, und wenig später ist man in Mödling. Leider herrscht hier noch viel Verkehr, dennoch sollte man einen Blick auf die Häuser der mittelalterlichen Babenbergerstadt werfen. Einige der schönsten Gebäude stehen entlang der Hauptstraße, teilweise mit schöner Sgraffito-Malerei geschmückt. Im Haus Nr. 79 mit dem gotischen Arkadenhof wohnte in den Jahren 1819 bis 1820 kein Geringerer als Ludwig van Beethoven.Aus der Stadt heraus, fällt uns eine landschaftliche Besonderheit auf: Links und rechts der Straße drängen sich Föhren mit riesigen schirmartigen Kronen und hin und wieder blitzt heller Kalkfels aus den grünen Wäldern hervor. Und noch etwas nehmen wir gern zur Kenntnis: Der Verkehr lässt zunehmend nach und macht das Radeln für uns somit entspannter.Sehenswürdigkeiten gäbe es schon noch einige, deren Besichtigung das veranschlagte Durchschnittstempo durchaus drosseln könnte, wie etwa die Seegrotte in Hinterbrühl, wo sich in einem ehemaligen Gipswerk der größte unterirdische See Europas befindet, oder, ganz in der Nähe, die Höldrichsmühle, in der Franz Schubert einige Lieder aus dem Zyklus »Die schöne Müllerin« komponiert haben soll. In Heiligenkreuz steht die älteste Zisterzienserabtei Österreichs mit einem sehenswerten Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert und einem schattigen Arkadenhof. Und in Mayerling, etwas abseits unserer Strecke, befand sich einst das Jagdschloss, in dem am 30. Januar 1889 der Thronfolger Rudolf, Sohn von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sisi, gemeinsam mit der Baronesse Mary Vetsera Selbstmord beging.Wem nun aber angesichts all dieser Sehenswürdigkeiten bislang das Radeln und die Berge zu kurz kamen, der kommt nun endlich hinter Pottenstein auf seine Kosten. Der Anstieg zum 655 m hohen Auf-dem-Hals-Pass liegt vor uns, 5 km lang mit einer Steigung von bis zu 9%, meist aber weit darunter. Ein insgesamt gesehen eher unbedeutender Sattel, der nicht einmal für würdig befunden wurde, ein Passschild, geschweige denn ein Gasthaus, auf seinem höchsten Punkt zu bekommen. Dafür ist er in eine waldreiche Landschaft eingebettet, die so herrlich abgelegen ist, dass unser Vorwärtskommen nur von wenig überholenden Fahrzeugen gestört wird.In Pernitz ist man wieder in der Zivilisation angelangt und in Gutenstein, einer kleinen Sommerfrische im Pernitztal, beginnt die Auffahrt zum Rohrer Sattel, der das oberste Piestingtal mit dem Schwarzatal verbindet. 8% beträgt die Höchststeigung, wird aber auf den 10,5 Auffahrtskilometern und gut 370 Höhenmetern zur Passhöhe nicht oft erreicht, und je höher man kommt, desto besser ausgebaut präsentiert sich die Straße. Oben hat man einen schönen Blick auf den Schneeberg und die Abfahrt durch den Zellenbachgraben nach Rohr im Gebirge, dessen Häuser sich weit im Talboden der Schwarza verstreuen.Der Ochsattel, der dritte Pass des Tages, den man von hier aus in Angriff nimmt, ist mit 854 m genau einen Meter höher als der vorangegangene Rohrer Sattel und unterscheidet sich von diesem auch landschaftlich nicht viel. Mit 11,5 km ist die Auffahrtsstrecke auch annähernd gleich lang, allerdings beträgt die Höchststeigung kurz 12%, was allerdings durchaus wieder abgemildert wird, sodass der Höhenunterschied nur etwa 170 Höhenmeter beträgt.Wer trotzdem eine Stärkung braucht, dem bietet sich der Gasthof »Kalte Kuchl« an, ein gern besuchtes Ausflugsziel etwas unterhalb der Passhöhe, der von der geräucherten Backforelle mit Oberskren über Wiener Tafelspitz mit Gröstetem bis zur Sachertorte alle Feinheiten der Wiener Küche aufweist. Aber auch der Gasthof »Ochsattel« direkt auf der Passhöhe, mit seiner kräftigen Hausmannskost von der Brettljause bis zum Schweinsbraten mit Kümmel, ist zu empfehlen. 8 km lang ist nun die Abfahrt nach St. Aegyd am Neuwalde, wo der letzte Pass dieser Etappe, der Gscheidpass, ein lang gezogener, wald- und wiesenreicher Sattel südwestlich des Göllermassivs, wartet. Knappe 400 Höhenmeter sind es auf den 12 km hinauf zur 982 m hohen Passhöhe, wobei sich die Trasse einmal sogar kurz auf beachtliche 13% aufsteilt.Die Abfahrt hinab nach Terz ist 8,5 km lang, dann trennen uns nur noch 11 km, die wir leider auf der Bundesstraße 31 zurücklegen müssen, von unserem Etappenziel Mariazell.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour141 km
Höhenunterschied2401 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWien, 171 m
EndpunktMariazell, 868 m
Beste Jahreszeit
KartentippGeneralkarte 1:200000 Österreich, Blatt 2 Salzburg-Steiermark-Kärnten
VerkehrsanbindungAutobahn A1 Salzburg–Wien, hinter St. Pölten A1 Richtung Wien-Süd – A21 Richtung Wien/Inzersdorf – A2 Richtung Praha – A23 Richtung B227/Zentrum – A4 Richtung B227/Zentrum–Wien. Wer die Tour außerhalb Wiens in Mödling beginnen möchte, fährt Autobahn A1 Salzburg–Wien, hinter St. Pölten A1 Richtung Wien-Süd – A21 Richtung Graz/Mödling-SCS – B17 Richtung Möd-ling/Wiener Neustadt – Wiener Neudorf – Mödling
Tipps
Streckenprofil: Höchster Punkt: 982 mTiefster Punkt: 171 mHöhenmeter Auffahrt: 2401 mHöhenmeter Abfahrt: 1728 mMax. Steigung: 13%Max. Gefälle: 10%Durchschn. Steigung Auffahrt: 2,9%Durchschn. Gefälle Abfahrt: 2,6%PassangabenAuf-dem-Hals-Pass: 655 m; Auffahrt Pottenstein – Passhöhe 10 km mit 9% Höchststeigung, 331 Hm; Abfahrt Passhöhe – Pernitz 7 km mit Gefälle bis 9%Rohrer Sattel: 853 m; Auffahrt Gutenstein – Passhöhe 10,5 km mit 8% Höchststeigung, 372 Hm; Abfahrt Passhöhe – Rohr im Gebirge 7 km mit Gefälle bis 8%Ochsattel: 854 m; Auffahrt Rohr im Gebirge – Passhöhe 10,5 km mit 12% Höchststeigung, 171 Hm; Abfahrt Passhöhe – St. Aegyd am Neuwalde 8,5 km mit Gefälle bis 10% Gscheidpass: 982 m; Auffahrt St. Aegyd am Neuwalde – Passhöhe 11 km mit 13% Höchststeigung, 394 Hm; Abfahrt Passhöhe – Mariazell 19,5 km mit Gefälle bis 10% Sehenswert: Wien: Stephansdom, Hofburg am Michaelerplatz, Kapuzinerkirche mit Kaisergruft, Prater mit Riesenrad Mariazell: Wallfahrtskirche mit Gnadenkapelle und Schatzkammer
Unterkunft
Wien: Aktiv Camping Neue Donau, Am Kleehäufel; Wildalpen: Camping Wildalpen, 15.4.–16.10.

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