Susten-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
Der Sustenpass, der das Aaretal bei Innertkirchen im Westen mit der St.-Gotthard-Route bei Wassen im Osten verbindet, gilt allgemein als eine der modernsten Passstraßen der Alpen. Dieses Attribut ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass sie erst zwischen 1938 und 1945 erbaut wurde, somit also noch eine recht »junge« Straße ist, bei deren Baubeginn die Verkehrsentwicklung bereits vorauszusehen war und darauf entsprechende Rücksicht genommen werden konnte. Dies bedeutet konkret, dass sie durchgehend breit ausgebaut wurde, wenig Kehren aufweist und mit Parkplätzen an den landschaftlich schönsten Plätzen nicht gespart wurde. Mit 26 Brücken und 14 Tunnels, von denen sich nur der längste, der 325 Meter lange Gipfeltunnel etwas störend auf uns Radler auswirkt, verläuft sie überwiegend an sonnseitigen Hängen und fügt sich dabei fast harmonisch in die beeindruckende Landschaft ein. Noch einen Pluspunkt kann sie für sich verbuchen, der vor allem für uns Radler von Bedeutung ist, die Steigung übersteigt auf beiden Passseiten nirgends die 9-%-Marke.Wer die Strecke nun also befahren will, sollte vorher allerdings nicht versäumen, einen kurzen Abstecher zur wenige Kilometer talauswärts gelegenen Aareschlucht bei Meiringen zu unternehmen. Seit der letzten Eiszeit hat die Aare hier eine 200 Meter tiefe und fast eineinhalb Kilometer lange Schlucht geschaffen, die mit ihren zahllosen Nischen, Grotten, Gewölben und Einbuchtungen zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten des Berner Oberlandes geworden ist. Das Rad müssen wir leider stehen lassen und auch unsere Radschuhe sollten wir zumindest mit Turnschuhen tauschen.Rad und Radschuhe kommen dann wieder zum Einsatz, wenn wir Innertkirchen (km 0,0) über zwei Kehren mit 9 % Steigung hinauf nach Wiler (km 1,5) verlassen. Die schöne Aussicht auf die Engelhörner im Westen verschwindet leider nach Durchfahrung des ersten, 100 Meter langen, unbeleuchteten Tunnels (km 2,5), der uns ins breite Gadmertal führt. Anstiege bis 9 % wechseln sich anfangs mit flacheren Passagen und kurzen Abfahrten ab und wer aufpasst, erkennt bei Mattloch, etwa auf halber Strecke bis Nessental (km 6,0), linker Hand die Abzweigung zur Engstlenalp-Bergstraße (Tour 68). Wer genügend Zeit und auch genügend Kondition hat, dem sei diese Auffahrt über die fast 15 km lange Stichstraße vor allem ihres beeindruckenden landschaftlichen Panoramas wegen empfohlen. Auf unserer Weiterfahrt beschränkt sich das Panorama vorerst auf die vergletscherte Spitze des Sustenhorns, über einen weiteren Tunnel gelangen wir auf ebener Straße nach Gadmen (km 12,0) und an den Kalkfelsen der Gadmerflüe entlang rollt es ohne Schwierigkeiten nach Obermad (km 12,5). Es ist die höchstgelegene ständig besiedelte Ortschaft auf dieser Passseite, deren Einwohner bei Lawinengefahr einen Schutzbunker aufsuchen müssen.Im Sommer besteht für uns hier keine Gefahr und dafür nehmen wir die ab hier auf 9 % ansteigende Trasse gerne in Kauf. Über mehrere Kehrengruppen, teilweise durch kurze Felstunnels, überwinden wir so den Gschletterschlagwald an den Hängen des Fünffingerstockes hoch zum Bäregg und weiter in die »Hölle«, wie eine von Wasserbächen durchzogene Zone aus Krüppelfichten und Arven genannt wird. Langsam nähern wir uns dem Hotel Steingletscher (km 22,5), wo die Aussicht auf die vom Sustenhorn herabziehenden Gletscher einen Halt förmlich aufzwingt. Aber das Panorama entwickelt sich noch schöner. Am beeindruckendsten breitet es sich von einem Parkplatz (km 26,0) aus, den wir über weitere Kehren mit 9 % Steigung erreichen. Eine Panoramatafel informiert uns dort über die grandiose Bergschau, die sich vom Sustenhorn über Bockberg, Gwächtenhorn und den Vorderen Tierberg zum Giglistock zieht, wobei der Blick immer wieder vom gewaltigen Eisstrom des Steingletschers angezogen wird, der fast bis zum gleichnamigen Hotel reicht. Zwei Kilometer trennen uns dann bei nicht nachlassender Steigung noch von der Passhöhe und dem 325 Meter langen Gipfeltunnel. Nach dessen Durchfahrung beherrscht vor allem das Sustenhorn die alpine Szenerie und auf gut ausgebauter Trasse kann man die 18 km lange Abfahrt nach Wassen angehen.

Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 9 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 9 % Höchststeigung - Dauer: 2,25 - 3,5 / 2 - 3
Befahrbarkeit: 15. Juni bis 15. Oktober

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour46 km
Höhenunterschied1610 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWestseite – Ausgangspunkt: Innertkirchen, 622 m; Anfahrt; Autobahnverbindung Luzern-Bern A 8, Ausfahrt Brienz – Meiringen – Innertkirchen Ostseite – Ausgangspunkt: Wassen, 916 m, an der St.-Gotthard-Passstraße; Anfahrt: Autobahn Zürich-Bellinzona A 2 (Gotthardautobahn), Ausfahrt Wassen
Hinweise
Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 9 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 9 % Höchststeigung, Dauer: 2,25 - 3,5 / 2 - 3, Befahrbarkeit: 15. Juni bis 15. Oktober
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Informationen
Wegen der teils unbeleuchteten Tunnels auf beiden Passseiten, sowie des 320 m langen Scheiteltunnels ist Beleuchtung notwendig.
Höchster Punkt
2224 m

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