Stilfser-Joch-Straße

Alpenpässe in Italien (Autor: Rudolf Geser)
Geografisch gesehen verbindet das Stilfser Joch das Vinschgau mit dem Veltlin oder etwas großräumiger ausgedrückt auch Südtirol mit der Lombardei. Landschaftlich gesehen ist es eine der großartigsten Strecken hinein in die noch wild und urwüchsig gebliebene Ortlergruppe und aus Sicht eines Radlers betrachtet eines der lohnendsten Ziele, das man sich als engagierter Radler nur wünschen kann. Dazu trägt sicherlich auch die Tatsache bei, dass es sich beim Stilfser Joch um die dritthöchste Passstraße der Alpen überhaupt handelt, denn nur die 2802 m hohe Restefond-/Bonette-Passstraße und die 2770 m hohe Iseran-Passstraße in den französischen Alpen können noch etwas mehr an Höhe aufweisen. Nur zur Klarstellung, die 2829 m hohe Söldener Gletscherstraße (Tour 14) ist keine Passstraße. Von Spondinig (km 0,0) queren wir das breite Vinschgau auf schnurgerader und ebener Strecke bis Prad (km 2,0). Eng drängen sich die Häuser des am Eingang zum Trafoital gelegenen Ortes zusammen und am Ortsende nimmt die Steigung auch schon auf 10 % zu. Wer im kleinen Ort Stilfser Brücke (km 7,0) zurückblickt, erkennt weit im Nordosten die schneebedeckte Spitze der Weißkugel, mit 3739 m Höhe nach der 3772 m hohen Ötztaler Wildspitze immerhin zweithöchster Berg der Ötztaler Alpen, und erreicht dann über eine weiter zwischen 8 und 10 % liegende Steigung mit Gomagoi (km 8,5), die erste größere Ortschaft des Tales, einst eine österreichische Sperrfestung. Im Ort zweigt übrigens die Straße nach Sulden ab. Wir wollen höher hinaus und radeln das Trafoital aufwärts nach Trafoi (km 12,0), der letzten Ortschaft vor der Passhöhe, zu der die von der dunkel und pyramidenförmig aufragenden Madatschspitze herabziehenden Eisströme und Hängegletscher schon eine recht dramatische Hochgebirgsszenerie bilden. Weiter geht es über Kehren mit 12 % Steigung aufwärts. Beim Gasthaus Weißer Knott (km 17,5) kann man die majestätisch aufragende Gletscherkuppe des 3905 m hohen Ortlers bewundern, der uns über weitere Kehren bis zum Hotel Franzenshöhe, benannt nach Kaiser Franz I. von Österreich, im Blickfeld bleibt. Vorausgesetzt man hat Muße genug, diesen zu betrachten, denn die nicht nachlassende Steigung von 12 % lässt nicht viel Raum für Ablenkung. Meist ist der Blick auf die Straße und vielleicht noch auf den Kehrenverlauf vor uns gerichtet. 21 Kehren sind es von der Franzenshöhe noch hinauf zur Passhöhe (km 28,0), die nur quälend langsam näher rückt. Ein kleiner Tipp: Wer die teilweise überhöhten Kehren unter Beachtung des Gegenverkehrs recht weit außen anfährt, kann so in den Kurvenradius hinein sogar einige Meter abfahren und damit etwas Schwung für die folgende Steigungsstrecke sammeln. Irgendwann ist man dann endlich oben und von dem hier vorherrschenden Trubel erst einmal überrascht. Wer über die Südseite abfahren will, hat bis Bórmio (km 50,0) nicht nur 1500 Höhenmeter und 22 Abfahrtskilometer, sondern auch 31 Kehren, sieben unbeleuchtete Tunnels und Tunnelgalerien und zahllose Schlaglöcher vor sich. Sehenswürdigkeiten: Ortlerblick beim Gasthof Weißer Knott; schönster Rückblick auf den Kehrenverlauf der Nordseite kurz unterhalb der Passhöhe; Bórmio: Alte Bürgerhäuser und Stadtmuseum.

Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 12 % Höchststeigung. Dauer: 3 - 4 / 2,75 - 4. Befahrbarkeit: 1. Juni bis 31. Oktober.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour0 km
Höhenunterschied1870 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite: Spondinig, 887 m; Südseite: Bórmio, 1217 m
TourencharakterGeografisch gesehen verbindet das Stilfser Joch das Vinschgau mit dem Veltlin oder etwas großräumiger ausgedrückt auch Südtirol mit der Lombardei. Landschaftlich gesehen ist es eine der großartigsten Strecken hinein in die noch wild und urwüchsig gebliebene Ortlergruppe und aus Sicht eines Radlers betrachtet eines der lohnendsten Ziele, das man sich als engagierter Radler nur wünschen kann. Dazu trägt sicherlich auch die Tatsache bei, dass es sich beim Stilfser Joch um die dritthöchste Passstraße der Alpen überhaupt handelt, denn nur die 2802 m hohe Restefond-/Bonette-Passstraße und die 2770 m hohe Iseran-Passstraße in den französischen Alpen können noch etwas mehr an Höhe aufweisen. Nur zur Klarstellung, die 2829 m hohe Söldener Gletscherstraße ist keine Passstraße.
Hinweise
Wegen der Tunnels und Tunnelgalerien ist auf der Südseite Beleuchtung notwendig.
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Südtirol/Venetien
VerkehrsanbindungNordseite – Ausgangspunkt: Spondinig, 887 m; Anfahrt: Autobahn Innsbruck-Bludenz A 12 (Inntalautobahn), Ausfahrt Zams/Landeck Ost – Pfunds – Nauders – Reschenpass – Mals – Spondinig Südseite – Ausgangspunkt: Bórmio, 1217 m; Anfahrt: vom Oberengadin über Pontresina – Berninapass – Livignopass – Eirapass – Foscagnopass nach Bórmio oder Zernez – Richtung Ofenpass – Abzweigung Munt-la-Schera-Tunnel – Livigno – Eirapass – Foscagnopass nach Bórmio
Höchster Punkt
2757 m

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