Staller-Sattel-Straße

Alpenpässe in Italien (Autor: Rudolf Geser)
57 km
1050 m
2.00 h
Der Staller Sattel ist die kürzeste Verbindung aus dem Südtiroler Pustertal hinüber ins Iseltal zur Felbertauernroute. Die streckenmäßig kürzeste sollte man vielleicht hinzufügen, denn auf der 52 km messenden Strecke von Niederrasen, östlich von Brunneck an der Pustertaler-Staatsstraße 49 gelegen, bis Huben im Iseltal spart man sich doch einige Kilometer gegenüber der über Lienz verlaufenden Talroute. Zeitmäßig erspart man sich allerdings nichts, denn von Niederrasen hinauf zur Passhöhe sind immerhin etwas mehr als 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Wer also zögert, dem sei noch gesagt, dass die Strecke durch die herrliche und weitgehend unberührte Naturlandschaft der Defregger Berge, auch unter der Bezeichnung Villgratner Berge bekannt, führt und somit etliche Pluspunkte gegenüber dem Schwerlastverkehr, der einen im Talboden erwartet, für sich verbuchen kann. Etwa 11 km von Bruneck in östlicher Richtung entfernt liegt unser Ausgangspunkt Niederrasen an der Gabelung der Pustertaler-Staatsstraße 49 und der Südtiroler Landesstraße 44, auf der wir ins Antholzner Tal einbiegen. Dieses präsentiert sich anfangs recht breit, mit von grünen Wiesen gesäumten Berghängen und einer 10 %igen Steigung nach Oberrasen (km 1,5). Dann rollt es auf den nächsten Kilometern bis Antholz-Niedertal (km 7,0) völlig eben und so hat man genügend Muse, die beeindruckende Bergwelt um die Rieserferner-Gruppe in Fahrtrichtung zu bewundern. Auch über Antholz-Mittertal und Antholz-Obertal gestaltet sich das Vorankommen nicht allzu schwierig, denn die 10 %igen Steigungen werden immer wieder von flacheren Abschnitten abgelöst. Das relativ angenehme Höherkommen wird dann aber von einem Schild mit der Aufschrift 13 % (km 16,0) und der dazugehörigen Steigung unterbrochen. Sie führt uns zum Antholzer See, etwas versteckt im hochstämmigen Wald neben der Straße gelegen, dessen Umgebung als Trainingsgelände der italienischen Biathlon-Mannschaft dient, einer Kombination aus Skilanglauf und Kleinkalibergewehrschießen, die bei den Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix unter der Bezeichnung »Militärpatrouille« als Demonstrationswettbewerb eingeführt wurde. Am südöstlichen Seeufer entlang rollen wir wieder eben und dann kann es passieren, dass wir hier auf eine Schlange wartender Autos treffen. Die Auffahrt ist nämlich von hier bis zur Passhöhe nur von jeder 30. bis 45. Minute in der Stunde möglich. Warum wird klar, wenn sich hinter der Enzian-Hütte (km 18,5) die Straße auf maximal drei Meter Breite verengt und somit für zwei entgegenkommende Autos einfach nicht genügend Platz lässt. Platz wäre nicht unser Problem, eher schon die Steigung, die wieder auf 13 % zunimmt. Nach Durchfahrung eines 50 m langen, unbeleuchteten Tunnels (km 20,0) geht sie zwar kurz auf 10 % zurück, um über weitere Kehren jedoch immer wieder kurz bis auf 12 % zuzunehmen. Dafür eröffnet sich der Blick zurück auf den Antholzer See schon tief unter uns, während die Risse und Kare der nahen Südostabstürze von Hochgall und Wildgall, immerhin 3273 und sogar 3436 Meter hoch, noch bis in den Sommer hinein von Schnee bedeckt sind. Bei km 21,5 deutet ein Schild die letzten vier Kehren zur Passhöhe (km 24,0) an, die wir bei nicht nachlassender Steigung von 10 % erreichen. Dort oben werden wir für die Mühen der Auffahrt reichlich entlohnt. Vor uns dehnen sich herrliche Bergwiesen aus, die im Frühjahr und Sommer von einem Teppich aus blauen und dunkelroten Akeleien bedeckt sind, dazwischen glasklare Wildbäche und ein kleiner, blau leuchtender See. Ein Ort, der Ruhe und Entspannung ermöglicht und an dem man gerne länger verweilen möchte. Aber es wartet ja noch die Abfahrt auf uns, die von der Streckencharakteristik allerdings angenehmer als die Auffahrt ist. Zwar sind auf 28 km Länge immerhin 1240 Höhenmeter zu überwinden, aber das Höchstgefälle von 12 % wird bei Maria Hilf nur einmal kurz erreicht. Von einigen Engstellen, an deren Verbreiterung gearbeitet wird, abgesehen ist die Straße durchgehend zweispurig und die insgesamt nur fünf Kehren stehen einem flüssigen Abfahrtsstil nicht im Weg. Noch ein Tipp: Sehenswert sind vor allem in den kleinen Ortschaften im oberen Teil die alten Holzhäuser, die oft an extreme Steilhänge gebaut und bis zu fünf Stockwerke hoch sind.

Schwierigkeit: Mittelschwere Radtour mit 13 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 12 % Höchststeigung. Dauer: 1,75 - 2,25 / 2 - 3,5. Befahrbarkeit: 1. Juni bis 31. Oktober. Die Grenze ist von 22.15 bis 5.30 Uhr geschlossen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour57 km
Höhenunterschied1050 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWestseite: Niederrasen, 1005 m; Ostseite: Huben, 814 m
TourencharakterDer Staller Sattel ist die kürzeste Verbindung aus dem Südtiroler Pustertal hinüber ins Iseltal zur Felbertauernroute. Die streckenmäßig kürzeste sollte man vielleicht hinzufügen, denn auf der 52 km messenden Strecke von Niederrasen, östlich von Brunneck an der Pustertaler-Staatsstraße 49 gelegen, bis Huben im Iseltal spart man sich doch einige Kilometer gegenüber der über Lienz verlaufenden Talroute. Zeitmäßig erspart man sich allerdings nichts, denn von Niederrasen hinauf zur Passhöhe sind immerhin etwas mehr als 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Wer also zögert, dem sei noch gesagt, dass die Strecke durch die herrliche und weitgehend unberührte Naturlandschaft der Defregger Berge, auch unter der Bezeichnung Villgratner Berge bekannt, führt und somit etliche Pluspunkte gegenüber dem Schwerlastverkehr, der einen im Talboden erwartet, für sich verbuchen kann.
Hinweise
Die Abfahrt von der Passhöhe über die Westseite ins Pustertal ist nur jede 1. bis 15. Minute in der Stunde, die Auffahrt ab Antholzer See nur von jeder 30. bis 45. Minute in der Stunde möglich.
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Südtirol/Venetien
VerkehrsanbindungLienz – Sillian – Toblach – Welsberg – Olang – Niederrasen oder Brenner-Autobahn, Ausfahrt Bressanone/Brixen – Mühl- bach – Brunneck – Olang – Niederrasen Autobahn Rosenheim-Innsbruck A 12 (Inntalautobahn), Ausfahrt Kufstein/Süd – Scheffau – Going – St. Johann in Tirol – Kitzbühel – Paßthurn – Mittersill – Felbertauerntunnel – Matrei in Osttirol – Huben
Höchster Punkt
2052 m

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