St.-Gotthard-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
»Pass der Pässe« wird der St.-Gotthard-Pass auch genannt, wenngleich der Radler da eher an Pässe wie die Großglockner-Hochalpenstraße oder das Stilfser Joch denkt. Sicherlich gibt es höhere und auch schönere Alpenpässe, aber keinen, der eine solche Vielzahl landschaftlicher Besonderheiten und Eindrücke vermitteln kann. Vor allem aber ist es die Geschichte dieses Passes, der wie kein zweiter zur Entwicklung des Landes beigetragen hat und für den sogar eigene Sagen geschaffen wurden. So stellte die Schöllenenschlucht einst ein fast unüberwindbares Hindernis dar und erst in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelang es, diese durch eine kühn angelegte Brücke zu überwinden, bei deren Entstehung allerdings der Teufel seine Hand mit im Spiel gehabt haben soll, weshalb sie im Volksmund auch Teufelsbrücke genannt wurde. Durch die Überwindung dieser Schlucht war nun die kürzeste Verbindung zwischen Basel und Mailand entstanden, wodurch die vorher recht abgelegenen Gemeinden um den Vierwaldstätter See einen plötzlichen Aufschwung erfuhren, was einige Neider auf den Plan rief. Die Gemeinden Uri, Schwyz und Unterwalden schlossen sich deshalb Ende des 13. Jahrhunderts zu einem Bund zusammen, aus dem sich die heutige Eidgenossenschaft entwickelte.Nun aber aufs Rad, am besten in Amsteg (km 0,0), dem eigentlichen Beginn der Passroute. Wir folgen der mit 10 % ins Tal der Reuß ansteigenden Straße. Den Hauptverkehr zieht glücklicherweise die Autobahn ab und ein Teil benutzt sicherlich auch die Bahn, welche in dem engen Tal auch noch Platz gefunden hat. Während Autobahn und Bahnlinie recht geradlinig verlaufen, nutzt unsere Landstraße die ganze Talbreite aus, wobei bis Wassen (km 15,5), dessen weithin sichtbarer Kirchturm als Wahrzeichen des Tales gilt, Anstiege bis 10 % immer wieder mit flacheren Abschnitten abwechseln.In Göschenen (km 15,0) verschwindet die Autobahn in einem 16,3 km langen und damit, neben dem erst im März 2000 eröffneten 24,5 km langen Laerdaltunnel in Norwegen auf der E 6 zwischen Oslo und Bergen, zweitlängsten Straßentunnel der Welt, während wir über Kehren mit 10 % Steigung in die Schöllenenschlucht einradeln.Düster und dunkel ragen links und rechts von uns steile und abweisende Granitwände empor, zwischen denen sich die Trasse auf der rechten Talseite, meist in Tunnels und Galerien verlaufend, einen Weg sucht. Bei gleich bleibend 10 % Steigung gewinnen wir rasch an Höhe, nach Verlassen der langen Galerienstrecke nimmt uns nochmals eine Galerie auf, an die ein kurzer Tunnel anschließt. Wer am folgenden Parkplatz anhält und einen Blick in die kleine Schlucht wirft, kann dort noch Reste der alten Teufelsbrücke erkennen.Durch das »Urner Loch« (km 20,5), einen 64 m langen Naturtunnel, der vielfach auch als ältester Straßentunnel der Welt bezeichnet wird, verlassen wir die Schlucht und radeln in die weite, offene Fläche des Urseren Tales ein. Auf ebener Straße erreichen wir Andermatt (km 21,5) am Schnittpunkt von drei Passstraßen – Furka (Tour 65), Oberalp (Tour 62), St. Gotthard – gelegen und auch bis Hospental (km 24,5), der Abzweigung zum Furkapass, rollt es noch eben. Über eine weite Kehre mit 10 % Steigung radeln wir in das öde Hochtal der Gotthardreuss ein und über lang gezogene Kurven geht es an den gestrüppüberwucherten Hängen der rechten Talseite mit gleich bleibender Steigung zum Restaurant Mätteli (km 29,0). Eine weite Kehre noch, dann geht es kurvenarm bei 8 bis 10 % Steigung zur Passhöhe (km 34,0).Dort oben kann man sein Rad vor den historischen Gebäuden des ehemaligen Hospizes, die Anfang der Siebzigerjahre gründlich renoviert wurden, abstellen. Wer Näheres über die Geschichte des St.-Gotthard-Passes in Erfahrung bringen will, sollte nicht versäumen, dem Museum in der »Alten Sust« einen Besuch abzustatten. Dort erfährt man, dass die Südrampe durch das Val Tremola, das »Tal des Zitterns«, hinunter nach Airolo lange Zeit als eine der gefährlichsten und gefürchtetsten Passstraßen der Alpen galt. Die Gefahr ging allerdings in erster Linie von Lawinen aus, denen das Gelände fast schutzlos ausgesetzt ist. Im Sommer sollte es aber keine Probleme geben, wenngleich die 24 teils engen, kopfsteingepflasterten Haarnadelkehren, die 1836 für den Postkutschenverkehr gebaut wurden, vorsichtig angegangen werden sollten.Bei Nebel oder schlechter Sicht ist jedoch von einer Befahrung dieser Strecke dringend abzuraten, wenn sie nicht ohnehin gesperrt ist. Einfacher, schneller und sicherer ist es dann, die etwas weiter westlich verlaufende Trasse zu benutzen, die das Val Tremola in sechs weiten Kehren umgeht.Sehenswürdigkeiten: Wassen: Kirche St. Gallus. Schöllenenschlucht bei Göschenen; Teufelsbrücke; Suworow-Denkmal beim Parkplatz Teufelsbrücke; »Urner Loch« (gilt als erster Felstunnel der Alpen aus dem Jahre 1707–1708). Andermatt: Wallfahrtskirche Maria Hilf und Suworow-Haus. Passhöhe: Museum zur Passgeschichte in der »Alten Sust«. Airolo: Festung Airolo (geführte Besichtigung).

Schwierigkeit:

Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 10 % Höchststeigung

Befahrbarkeit:

15. Mai bis 15. Oktober. Die alte Passstraße durch das Val Tremola zwischen Passhöhe und Airolo wird bei schlechten Wetterverhältnissen auch während dieses Zeitraums gesperrt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour48 km
Höhenunterschied1590 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite – Ausgangspunkt: Amsteg, 519 m; Anfahrt: Autobahn Zürich-Bellinzona A 2 (Gotthardautobahn), Ausfahrt Amsteg Südseite – Ausgangspunkt: Airolo, 1175 m, Anfahrt: Autobahn Zürich-Bellinzona A 2 (Gotthardautobahn), Ausfahrt Airolo
Hinweise
Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 10 % Höchststeigung, Befahrbarkeit: 15. Mai bis 15. Oktober. Die alte Passstraße durch das Val Tremola zwischen Passhöhe und Airolo wird bei schlechten Wetterverhältnissen auch während dieses Zeitraums gesperrt.
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
2108 m

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