Splügen-Passstraße

Alpenpässe in Italien (Autor: Rudolf Geser)
Südseite: Unser Ausgangspunkt ist Chiavenna (km 0,0), was auf Italienisch »chiave«, also »Schlüssel«, bedeutet, und auf die strategisch günstige Lage am Fuße der Alpenpässe Maloja (Tour 44), Splügen und des bereits verfallenen Septimers, hinweist. Wir folgen der Beschilderung »Madesimo« und radeln in das dicht bewaldete San-Giácomo-Tal ein. Nur kurz geht die Steigung am Ortsende zurück und über eine Kehrengruppe mit 10 % Steigung erreicht man San Giácomo Filippo (km 4,5). Bis Pietra (km 13,0) wechseln durch mehrere kleinere Ortschaften an den Hängen der rechten Talseite nun die Steigungsverhältnisse ständig ab, wobei 6 % nicht unterschritten und kurz auch 13 % erreicht werden. In 20 engen Kehren zieht sich die Trasse durch mehrere Tunnels und Galerien einen Steilabbruch nach Pianazzo (km 18,5) hoch, aber erst mit Erreichen des Lago di Monte Spluga haben wir das letzte dieser äußerst unangenehmen, teilweise engen und mit tiefen Schlaglöchern und Fahrbahnunebenheiten versehenen Hindernisse hinter uns. Vor uns liegt ein längerer flacherer Abschnitt am See entlang bis zur Häusergruppe von Montespluga (km 26,0), wo die Trasse über eine Kehrengruppe wieder auf 10 % ansteigt. Unvermittelt taucht zwischen den Felsen auf der Passhöhe (km 31,5) das italienische Zollamt auf und wenig später wird man von den Schweizerischen Zollbeamten (km 33,0) kontrolliert. Nun kann man den Pass wieder verstauen und sich an die Abfahrt machen, die ungehinderter als die Auffahrt vonstatten geht. Nordseite: Trutzige Fronten alter, ganz aus Stein gebauter Patrizierhäuser beherrschen noch heute das Stadtbild von Splügen (km 0,0), unserem Ausgangspunkt auf der Nordseite. Noch im Ort überqueren wir den Hinterrhein, dann geht es über Steigungen mit 10 % zwischen grünen Bergwiesen nach oben. Die zum San Bernardino (Tour 75) führende Schnellstraße lassen wir über fünf Kehren rasch unter uns zurück, dann nimmt uns dichter Tannenwald auf. Nach drei Kilometern Fahrtstrecke lässt die Steigung nach und an einem munter sprudelnden Bach entlang kommen wir auf kurvenarmer Strecke gut voran. Ein kurzer Anstieg nach einer Brücke (km 4,0) legt sich gleich wieder zurück und erst nach Überfahren der Baumgrenze nimmt die Steigung wieder zu. Recht eintönig radelt man so bergauf. Großartige Aussichtspunkte sind nicht zu vermelden und auch auf Gasthäuser oder Ortschaften wird man hier nicht treffen. Dafür ist die Strecke aber auch in einem deutlich besseren Zustand als auf der Südseite, die ihrer vielen Schlaglöcher und Fahrbahnschäden wegen durchaus als Teststrecke für Federgabelhersteller herhalten könnte. Auch Tunnels gibt es auf dieser Seite nicht und so kommen wir unbelastet voran. An den östlichen Berghängen des Surettahorns, von denen in der Sonne glänzende Wasserbäche wie Perlenschnüre herabziehen, erreichen wir wieder eine Kehrenstrecke (km 6,0). Es ist die letzte der Auffahrt und wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es exakt 13 Kehren, die sich mit Steigungen bis 11 % zum Schweizerischen Zollamt (km 8,5) hochwinden. Eine weitere ist es dann noch bis zur Passhöhe (km 9,5) mit der italienischen Zollstelle. Die Abfahrt über die Südseite sollte man aus den beschriebenen Gründen vorsichtig angehen. Noch einmal das Ganze in Zahlen ausgedrückt: Es warten dort drei unbeleuchtete Tunnels, zweimal 50 und einmal 350 Meter lang, sechs Tunnelgalerien, 150 bis 650 Meter lang, und sieben Galerien, 20 bis 250 Meter lang, auf uns.

Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 13 % Höchststeigung / Leichte bis mittelschwere Radtour mit 11 % Höchststeigung. Dauer: 3,25 - 4,75 / 1,25 - 2. Befahrbarkeit: 1. Januar bis 31. Oktober. Der Grenzübergang ist von 22.00 bis 5.00 Uhr geschlossen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour30 km
Höhenunterschied1785 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSüdseite: Chiavenna, 333 m; Nordseite: Splügen, 1457 m;
TourencharakterDer Splügenpass ist zwar die kürzeste Verbindung vom Comer See in der Lombardei hinüber ins Schweizerische Rheintal, allerdings beileibe nicht die einfachste und schnellste. Dafür sorgt das recht alpine Gelände, das die Straßenbauer dabei zu überwinden hatten, was ihnen im oberen Bereich nur durch den Bau einer ganzen Reihe von Tunnels und Galerien gelang, die sich uns teils schmal und unbeleuchtet präsentieren.
Hinweise
Auf der Südseite ist wegen der drei 50 bis 350 m langen Tunnels, sechs Tunnelgalerien, 150 bis 650 m lang, Beleuchtung unbedingt notwendig.
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Italien Blatt Piemont/Aostatal
VerkehrsanbindungSüdseite – Ausgangspunkt: Chiavenna, 333 m; Anfahrt: entweder über den Malojapass nach Chiavenna (Tour 44) oder Mailand – Lecco – Comer See – Verceia – Chiavenna Nordseite – Ausgangspunkt: Splügen, 1457 m; Anfahrt: Autobahn Chur-Bellinzona A 13 (Rheintalautobahn), Ausfahrt Splügen
Höchster Punkt
2118 m

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Rudolf Geser

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