Simplon-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
62 km
1325 m
2.00 h
Wer der Bergwelt des Wallis entfliehen und lieber an die milden, sonnenüberfluteten, von Agaven, Akazien, Zypressen, Orangen- und Zitronenbäumen gesäumten Ufer des Lago Maggiore oder des Luganer Sees ins Tessin überwechseln möchte, wird dies über den Simplonpass tun. Zumindest wenn er den kürzesten und einfachsten Weg bevorzugt, den dieser schon von alters her viel begangene Handelsweg darstellt. 64 km misst die Passstrecke von Brig im Wallis bis Domodóssola im Piemont, wo man dann nochmals knapp 50 km bis Locarno am Lago Maggiore vor sich hat. Gut 1300 Höhenmeter sind dabei von Brig aus in der Auffahrt zu überwinden, aber die Höchststeigung von 9 % wird auf der gut ausgebauten Strecke nirgends überschritten, die zudem so viel an wechselnden Landschaftsbildern, Fahrteindrücken und Sehenswürdigkeiten bietet, dass man gar keine Gelegenheit hat, über die Schwierigkeiten nachzudenken.Sehenswert in Brig, dem Hauptort des Oberwallis, ist vor allen Dingen das berühmte Stockeralpschloss, das mit seinen drei zwiebelgekrönten Türmen nicht zu übersehen ist. Es erinnert an den großen Walliser Kaufmann Kaspar Jodock von Stockalper, der durch seine schwungvolle Handelstätigkeit im 17. Jahrhundert mit Frankreich und Italien Aufschwung und Reichtum der Stadt begründete. »Nihil solidum nisi solum« – es gibt nichts Festes außer dem Erdboden – steht über dem Portal des 1678 vollendeten Palastes und wir können ihm eigentlich nur Recht geben, wenn wir unsere Räder nun Richtung »Simplon« in Bewegung setzen.Wir verlassen den Ort (km 0,0) über mehrere Kehren mit 9 % Steigung über den Rieder Berg im Süden der Stadt. An Ried (km 3,0) vorbei geht es über eine weite Schleife bei nicht nachlassender Steigung höher und bald liegt Brig und das Rhonetal unter uns. Vor uns liegen nun zwei kurze unbeleuchtete und ein 550 Meter langer schwach beleuchteter Tunnel, nach dem wir durch die Saltinaschlucht ins Gantertal einbiegen. Hinter Schallberg (km 9,5) überqueren wir das Tal in gut 160 Meter Höhe auf der kühn gespannten, fast 700 Meter langen Europabrücke, wobei unsere Bewunderung über die technische Meisterleistung der Brückenbauer von den im Hintergrund aufragenden Gletscherbergen der Walliser Alpen abgelenkt wird.Nach Überquerung des erst im Jahre 1980 in Betrieb genommenen Bauwerkes, welches die alte Strecke um etwa 1,5 km und eine Kehre verkürzte, wird die Trasse merklich schmäler. Hinter Bèrisal (km 13,5) zeigt uns ein Schild an, dass zur Passhöhe noch neun Kilometer vor uns liegen. Kurvenreich geht es an den Berghängen des Wasenhorns mit einer ständig zwischen 7 und 9 % liegenden Steigung durch den Rothwald nach oben, bis wir die Ortschaft gleichen Namens (km 16,0) erreichen. Am Taleinschnitt ist nun zwar die Passhöhe bereits erkennbar, allerdings gestaltet sich der Weg dort hinauf etwas unangenehm. Nicht wegen der Steigung, die liegt bei maximal 9 % auch weiterhin im gemäßigten Bereich, sondern auf Grund der bald nach dem Ort einsetzenden Lawinengalerien. Diese werden auf dem Weg zum Pass nämlich nur in Schallbett (km 19,5) kurz unterbrochen und halten dann bis zum Hotel Bellevue (km 22,0) durchgehend an. Endlich aus dem Halbdunkel heraus müssen sich unsere Augen erst wieder an das Licht gewöhnen, bevor wir die letzten Meter zur Passhöhe (km 22,5) auf ebener Strecke bewältigen. Dort oben eröffnet sich dann eine schöne Aussicht über das Rhônetal hinweg zu den Berner Alpen mit dem Monte Leone und dem Fletschhorn. Bereits im 3. Jahrhundert nach Christus verlief hier ein Pfad, der vom italienischen Varzo nach Simplon-Dorf führte. Später nutzten ihn Mailänder Kaufleute, die ab dem 13. Jahrhundert einen regen Handel über die Alpen betrieben. Für Fahrzeuge ließ ihn dann Napoleon zwischen 1800 und 1805 ausbauen, der ihn hauptsächlich für militärische Zwecke nutzte. Die Nationalstraße, wie sie sich in ihrem jetzigen Zustand präsentiert, entstand dagegen erst zwischen 1960 und 1980 und gilt auch heute noch als eine der straßenbaulichen Meisterleistungen des südlichen Alpenraums.Wer nach der Auffahrt hungrig geworden ist, sollte eine Rast im etwas abseits der Hauptstraße gelegenen Ort Simplon einlegen. Die Brotzeit aus feinem Schweizer Alpenkäse, Walliser Roggenbrot und luftgetrocknetem Rindfleisch lässt einem dabei das Wasser im Munde zusammenlaufen.So gestärkt können wir die nun folgende Ortschaft Gondo rasant durchfahren, galt sie doch noch in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts als Schmugglernest. Anhalten müssen wir dann fünf Tunnels, eine Tunnelgalerie, acht Lawinengalerien und gut 1700 Höhenmeter tiefer in Domodóssola (km 64,0), dem östlichen Endpunkt der Route über den Simplonpass.Sehenswürdigkeiten: Brig: Stockeralpschloss, Altstadt mit Sebastiankapelle. Domodóssola: historisches und volkskundliches Museum im Palazzo Silva.

Schwierigkeit:

Mittelschwere Radtour mit 9 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung

Dauer:

1,75 - 2,5 / 3,25 - 4,25

Befahrbarkeit:

Ganzjährig befahrbar

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour62 km
Höhenunterschied1325 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite – Ausgangspunkt: Brig, 681 m; Anfahrt: über den Furkapass (Tour 65) oder den Grimselpass (Tour 66) nach Gletsch und über Oberwald und Ulrichen nach Brig oder über den Nufenenpass (Tour 69) nach Ulrichen und weiter nach Brig Südseite – Ausgangspunkt: Domodossola, 272 m; Anfahrt: Autobahn Milano-Domodóssola A 8, Ausfahrt Domodóssola
TourencharakterBrig (km 0,0) – Ried (km 3,0) – Schallberg (km 9,5) – Ganterbrücke (km 12,0) – Bérisal (km 13,5) – Rothwald (km 16,0) – Schallbett (km 19,5) – Hotel Bellevue (km 22,0) – Passhöhe (km 22,5) / Domodóssola (km 0,0) – Preglia (km 2,5) – Varzo (km 12,5) – Gondo (km 20,5) – Passhöhe (km 41,5)
Hinweise
Schwierigkeit: Mittelschwere Radtour mit 9 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung, Dauer:1,75 - 2,5 / 3,25 - 4,25, Befahrbarkeit: Ganzjährig befahrbar
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Informationen
Wegen der bis zu 550 m langen Tunnels und bis zu 750 m langen Tunnelgalerien ist auf beiden Passseiten Beleuchtung notwendig.
Höchster Punkt
2005 m

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Rudolf Geser

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