Salzburg – Zell am See

Schwer; 14% Höchststeigung auf längeren Abschnitten bei der Auffahrt zur Roßfeld-Höhenringstraße (bzw. 24% auf ca. 2,5 km bei der Auffahrt in Gegenrichtung) (Autor: Rudolf Geser)
Nur ein kleines Teilstück auf unserer Alpendurchquerung führt durch Deutschland, genauer gesagt nach Oberbayern in das Berchtesgadener Land, das gleichsam wie ein Keil nach Österreich bei Salzburg hineinragt. Es ist eine der schönsten Landschaften der bayerischen Alpen, deren Glanzpunkte, wie das 2713 m hohe Watzmannmassiv und der bis zu 613 m tiefe Königssee, im Nationalpark Berchtesgaden unter Naturschutz gestellt wurden.Genau dort, im zentralsten und schönsten Teil der Berchtesgadener Alpen, befindet sich auch der höchste Punkt unserer heutigen Tour, nämlich in exakt 1540 m Höhe auf der Roßfeld-Höhenringstraße, die damit auch die höchste Alpenstraße Deutschlands ist. Wie der Name bereits sagt, handelt es sich bei der Roßfeldstraße um eine Ringstraße, die keinen Bergsattel überwindet, um auf der gegenüberliegenden Seite abzufallen, sondern praktisch in einer großen Schleife wieder zum Ausgangspunkt bzw. den Ausgangspunkten zurückführt, nämlich die kleine Ortschaft Unterau und das bekannte Berchtesgaden, die beide nicht weit voneinander entfernt im Tal der Königsseer Ache liegen. Wir müssen die Roßfeld-Höhenringstraße nicht zwingend fahren, wer will, kann auf der B305 bleiben und den Abzweiger dort hinauf ignorieren. Aber wer wird sich schon die höchste Bergstraße Deutschlands entgehen lassen wollen?Und gleich noch etwas: Die Roßfeld-Höhenringstraße ist nicht nur die höchste, sondern zugleich auch die schwierigste Bergstraße Deutschlands, zumindest wenn man mit dem Fahrrad hinauf will, denn sie wartet mit Steigungen von bis zu 24% auf. Genau so steil führt sie auf den ersten 2,5 km von Berchtesgaden aus nach oben Richtung Obersalzberg. Dies ist nun wirklich nicht jedermanns Sache, zudem wenn man sich ohnehin auf einer Alpendurchquerung befindet und mit Gepäck unterwegs ist. Aber keine Sorge, man muss diesen Abschnitt nicht befahren, sondern kann auch die etwas östlich gelegene Auffahrtsstrecke von Unterau aus benutzen, die mit längeren Steigungsabschnitten bis 14% noch fordernd genug ist. Das Steilstück mit 24% bewältigt man dann auf der Abfahrt hinunter nach Berchtesgaden.Bevor wir uns nun aber der RoßfeldHöhenringstraße nähern, noch einige Worte zu unserem Ausgangspunkt, der Landeshauptstadt Salzburg, in schöner Lage an den Ufern der Salzach in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Deutschland gelegen. Besonders die Altstadt hat sich ihren Charakter aus dem 16. und 17. Jahrhundert noch weitgehend bewahrt und wird nicht von ungefähr auch als »Rom der Alpen« bezeichnet. Auf dem Mönchberg am linken Salzachufer liegt die Burg Hohensalzburg, eine mächtige turmreiche Festung, die im Mittelalter als eine der größten Verteidigungsanlagen Europas galt. Erzbischof Gebhard gründete sie im Jahre 1077 während des Investiturstreits, dem Höhepunkt des politischen Konflikts zwischen geistlicher und weltlicher Macht um die Amtseinsetzung von Geistlichen, aber ihr heutiges Aussehen erhielt sie vorwiegend im 15. und 16. Jahrhundert. Das Innere kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden, die unter anderem die Folterkammer, einige Türme, den Wehrgang und den berühmten »Salzburger Stier«, eine Orgel aus dem Jahre 1502, zeigt.Ebenfalls erwähnenswert wäre noch der Dom mit seiner hohen Zweiturmfassade unterhalb der Burg, der den Heiligen Rupert und Virgil geweiht ist. Auf dem rechten Salzachufer, auf dem Kapuzinerberg, liegt das Kapuzinerkloster, zu dem von der Steingasse malerische Treppen hinaufführen. Wer mit ungeeignetem Schuhwerk unterwegs ist, wird auf diesen Aufstieg wohl verzichten müssen. Dafür entschädigt der Marktplatz, der von der barocken, konkav geschwungenen Fassade der Dreifaltigkeitskirche beherrscht wird. Im Haus Nr. 8 lebte von 1773 bis 1787 der bekannteste Sohn der Stadt, Wolfgang Amadeus Mozart, der gleich nebenan, in der Getreidegasse Nr. 9, heute eine der schönsten und belebtesten Gassen Salzburgs, geboren wurde. Dort erinnert das Mozart-Geburtshaus-Museum an sein Werk, während man im Erdgeschoss in einem Delikatessenladen Mozartkugeln, eine von Nougat und Schokolade umhüllte Delikatesse aus grünem Marzipan, kaufen kann. Die findet man allerdings auch anderswo in der Stadt und ein oder zwei dieser Kalorienbomben können bestimmt nicht schaden, wenn man sich auf den Weg zur Roßfeld-Höhenringstraße macht.Wir radeln, um die stark befahrene Staatsstraße 150 am westlichen Salzachufer zu vermeiden, besser auf der am Kanal nach Gröding verlaufenden Straße Richtung Süden und treffen etwa 1,5 km später auf die Staatsstraße 160, der wir Richtung Berchtesgaden folgen. Bei Markschellenberg überqueren wir die Grenze und stoßen nach etwa 5 km in Unterau auf die nach links weisenden Hinweisschilder zur Roßfeld-Höhenringstraße.Wir folgen diesen und schon gleich am Beginn nimmt die Steigung bis auf 14% zu und behält diese auch auf 2 km Länge über mehrere Kehren bis Oberau bei. Im Ort kann man etwas verschnaufen, aber schon am Ortsende erwarten uns wieder recht beachtliche 12%. Die Aussicht nimmt zu, im Westen erkennen wir die Bergzüge des Lattengebirges und der Reiteralm, während sich im Vordergrund das Massiv des Untersbergs, des nördlichsten Gebirgsstocks der Berchtesgadener Alpen, ausbreitet. Der Sage nach soll in diesem, von weit verzweigten Höhlen und unterirdischen Wasserläufen durchzogenen Bergstock Kaiser Karl der Große in einer mäch-tigen Halle mit Wänden aus blankem Marmor auf seinem Thron schlafen. Wenn sein Bart dabei dreimal um den vor ihm stehenden Tisch gewachsen ist, soll er erwachen und in der größten Schlacht, die es je gab, seine Feinde vernichten. Zweimal soll sein Bart bislang um den Tisch gewachsen sein und so dürfte uns noch etwas Zeit für die Auffahrt bleiben.Mit Steigungen zwischen 8 und 10% geht es zur Mautstelle Nord Pechhäusel, wo diese nicht etwa nachlässt, sondern teilweise bis auf 13% bis zum höchsten Punkt, den Roßfeldparkplatz, zunimmt. 11 km Auffahrtsstrecke und 1025 Höhenmeter liegen hinter uns, dann rollen wir etwa 1 km eben auf einem Grat entlang, mit schönem Blick auf das Salzburger Becken tief unter und die mächtigen Felsenmauern des 2522 m hohen Hohen Göll vor uns, zum Eckersattel. Hier fällt die Trasse wieder ab, anfangs kurvig mit Gefälle bis 13%, zur Mautstelle Süd Ofnerboden. An der wenig später folgenden Kreuzung hat man die Möglichkeit, sich gleich über die geradeaus verlaufende Gefällstrecke der B425 mit 24% hinunter nach Berchtesgaden zu bremsen oder die etwas längere Variante der nach links abzweigenden B319 über Hinterbrand und den Gasthof Vorderbrand nach Berchtesgaden zu nehmen, die im untersten Teil ebenfalls bis 23% Gefälle erreicht.In Berchtesgaden werden die meisten dann froh sein, dass sie diese Steigung nicht bei der Auffahrt bewältigen mussten, einige werden vielleicht umdrehen und einen Auffahrtsversuch starten und wieder andere werden gleich den Anstieg von Berchtesgaden aus in Angriff genommen haben, der kurz nach dem Ortseingang mit den Hinweisschildern Roßfeld Süd, Kehlstein zum Obersalzberg bezeichnet ist. Ausgeschildert ist auch der Abstecher zum Königssee bei Schönau, kurz hinter Berchtesgaden, der mit insgesamt etwa 10 km zusätzlich zu Buche schlägt. Wir folgen der B305, die hier als Teilstück der Deutschen Alpenstraße nun über die Ramsau, mit schönem Blick auf den Watzmann, zum Schwarzbachwachtsattel hoch zieht. 9 km misst die Auffahrt von Berchtesgaden aus, sie überwindet 300 Höhenmeter und steigt kurz bis 10% an. Die Abfahrt hinunter nach Unterjettenberg, zwischen dem Lattengebirge im Nordosten und der Reiteralpe im Südwesten, ist zwar nur 3,5 km lang, kann dafür aber mit Gefälle bis 14% aufwarten.In Schneizlreuth, wo wir die in vielen Liedern besungene Schönheitskönigin, eine Erfindung des Volkssängers Ludwig Prell, vergeblich suchen werden, biegen wir auf die B21 Richtung Steinpass und Österreich ab. Etwa 74 km liegen nun noch bis zu unserem heutigen Etappenziel Zell am See vor uns. Der 615 m hohe Steinpass mit seinen 110 Höhenmetern und einer Höchststeigung von 8% stellt dabei genauso wenig ein Hindernis dar wie der folgende Kniepass, der mit 560 m Höhe praktisch gar keine Steigungsstrecken für sich verbuchen kann. Wesentlich unangenehmer ist da schon die Tatsache, dass die Staatsstraßen 312 und 311 bis Saalfelden stark befahren und auch von Schwerlastverkehr nicht ausgenommen sind.

Übersetzungsvorschlag: 39/28 (bei Auffahrt über die Roßfeld-Höhenringstraße von Berchtesgaden aus 39/34 oder Dreifachkettenblatt 30/27), Streckenverlauf: Salzburg (km 0,0) – Anif (km 11,0) – St. Leonhard (km 15,0) – Markschellenberg (km 18,5) – Unterau (km 22,0) – Oberau (km 24,0) – Hennenköpfl/Roßfeld (km 33,0) – Berchtesgaden (km 43,5) – Ramsau (km 53,5) – Schwarzbachwachtsattel (km 63,0) – Unterjettenberg (km 66,5) – Schneizlreuth (km 68,5) – Melleck (km 72,0) – Steinpass (km 73,5) – Unken (km 77,0) – Kniepass (km 82,0) – Lofer (km 85,0) – Weissenbach (km 95,0) – Frohnwies (km 96,0) – Saalfelden (km 109,0) – Mitterhofen (km 117,0) – Kirchham (km 117,5) – Atzing (km 118,0) – Oberreit (km 120,0) – Zell am See (km 123,0), Straßenverhältnisse: Gut ausgebaute Straßen, Passöffnungszeiten:Alle Pässe ganzjährig geöffnet

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour117 km
Höhenunterschied2540 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSalzburg, 424 m
EndpunktZell am See, 757 m
Hinweise
Übersetzungsvorschlag: 39/28 (bei Auffahrt über die Roßfeld-Höhenringstraße von Berchtesgaden aus 39/34 oder Dreifachkettenblatt 30/27) Streckenverlauf: Salzburg (km 0,0) – Anif (km 11,0) – St. Leonhard (km 15,0) – Markschellenberg (km 18,5) – Unterau (km 22,0) – Oberau (km 24,0) – Hennenköpfl/Roßfeld (km 33,0) – Berchtesgaden (km 43,5) – Ramsau (km 53,5) – Schwarzbachwachtsattel (km 63,0) – Unterjettenberg (km 66,5) – Schneizlreuth (km 68,5) – Melleck (km 72,0) – Steinpass (km 73,5) – Unken (km 77,0) – Kniepass (km 82,0) – Lofer (km 85,0) – Weissenbach (km 95,0) – Frohnwies (km 96,0) – Saalfelden (km 109,0) – Mitterhofen (km 117,0) – Kirchham (km 117,5) – Atzing (km 118,0) – Oberreit (km 120,0) – Zell am See (km 123,0) S traßenverhältnisse: Gut ausgebaute Straßen Passöffnungszeiten Alle Pässe ganzjährig geöffnet
KartentippGeneralkarte 1:200000 Österreich, Blatt 2 Salzburg-Steiermark-Kärnten
VerkehrsanbindungAutobahn Salzburg, Ausfahrt B1 Salzburg Richtung Salzburg/Flughafen – Salzburg
Tipps
Passangaben: Roßfeld-Höhenringstraße: 1540 m; Auffahrt Unterau – Scheitelpunkt am Hennenköpfl/Roßfeld 11 km mit 14% Höchststeigung, 1023 Hm; Abfahrt Hennenköpfl/Roßfeld – Berchtesgaden 10,5 km mit Gefälle bis 13% im oberen Bereich und 24% Gefälle auf 2,5 km im unteren Abschnitt; alternativ kann die Auffahrt auch von Berchtesgaden aus (Beschilderung »Roßfeld Süd, Kehlstein, Obersalzberg«) in Gegenrichtung begonnen werden. In diesem Fall sind auf der 15 km langen Auffahrtsstrecke 24% Steigung auf 2,5 km am Beginn der Auffahrt und im oberen Bereich Steigungen bis 13% zu bewältigenSchwarzbachwachtsattel: 868 m; Auffahrt Ramsau – Passhöhe 9,5 km mit 10% Höchststeigung, 296 Hm; Abfahrt Passhöhe – Unterjettenberg 3,5 km mit Gefälle bis 14%Steinpass: 651 m; Auffahrt Schneizlreuth – Passhöhe 5 km mit 8% Höchststeigung, 95 Hm; Abfahrt Passhöhe – Unken 3,5 km mit Gefälle bis 8%Kniepass: 560 m; Auffahrt Unken – Passhöhe 5 km mit 8% Höchststeigung, 10 Hm; Abfahrt Passhöhe – Lofer 3 km mit Gefälle bis 8%StreckenprofilHöchster Punkt: 1540 mTiefster Punkt: 422 mHöhenmeter Auffahrt: 2540 mHöhenmeter Abfahrt: 2221 mMax. Steigung: 13% (bzw. 24%)Max. Gefälle: 24% (bzw. 13%)Durchschn. Steigung Auffahrt: 4,9%Durchschn. Gefälle Abfahrt: 5,2%; Sehenswert: Berchtesgaden: Schloss mit Schlossmuseum, Heimatmuseum, Salzbergwerk, Abstecher zum Königssee (hin und zurück 10 km)
Verleih
Berchtesgaden: Rad’l-Laden Maltan GmbH, Rathausplatz 16
Höchster Punkt
Unterkunft
Salzburg-Stadt: Camping Nord-Sam, Samstr. 2a, Ostern und 1.5.–30.9.; Panoramacamping Stadtblick, Rauchenbichlerstr. 21, 20.3.–5.11. Unken: Camping Steinpass, Niederland 17, 1.5.–31.10.

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