Pragel-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
So bekannt der Klausenpass (Tour 60) auch sein mag, so unbekannt wird den meisten wohl der Pragelpass sein. Nur etwas östlich vom Erstgenannten gelegen, kann er zwar nicht ganz dessen spektakuläre Landschaftseindrücke vermitteln, sondern verläuft eher in beschaulicher Umgebung, hat aber den Vorteil, kaum befahren zu sein. Die Bezeichnung beschaulich gilt dabei aber ausdrücklich nur für die Umgebung, nicht für den Pass selbst, der immerhin Steigungen bis 18 % aufweisen kann. Wer gut in Form ist, kann Klausenpass und Pragelpass mit Ausgangs- und Endpunkt in Glarus verbinden, was sich insgesamt mit 129,5 Streckenkilometern und 2760 Höhenmetern auf den Tacho niederschlägt.Als Ausgangspunkt wählen wir Brunnen (km 0,0) am Vierwaldstätter See und folgen dort der Beschilderung »Schwyz/Muotathal«. Die ersten Kilometer bis Ibach (km 4,0) rollt man sich auf ebener Trasse ein, dann nimmt die Steigung durch dichten Wald auf 8 % zu. An der Talstation der Stoosbahn (km 8,5) vorbei wird es schon wieder flacher und bis Muotathal (km 15,5) hält sich die Trasse am gleichnamigen Bach entlang kaum ansteigend im Talboden. Im Ortsteil Hinterthal (km 16,5) überqueren wir den Fluss und ein kurzer Anstieg mit 14 % gibt uns nun schon einen Vorgeschmack auf das Kommende. Bald nach dem Gasthof Pragelpass (km 18,5), dem Beginn der eigentlichen Passroute, wird die Straße schmäler und steigt auf 18 % an, um diese Schwierigkeit auch auf einer Länge von zwei Kilometer durchzuhalten. Danach geht die Steigung zwar auf immer noch beachtenswerte 14 % zurück, erreicht über kleinere Aufschwünge, aber immer wieder Spitzen bis 18 %. Nach weiteren zwei Kilometer legt sie sich dann endlich auf ein erträgliches Maß von 10 % zurück und flachere Abschnitte, die sogar einmal in eine leichte Abfahrt übergehen, bringen uns zur Passhöhe (km 29,5), einer blumenübersäten Hochfläche mit schönen Blicken auf die Kalkberge um das Bisital im Südwesten. Wir rollen auf anfangs weiterhin schmaler Trasse mit Gefälle bis 14 % in den Talboden von Richisau hinab. Vor uns erheben sich die Nordwände des Glärnisch, vorbei am Gasthof Richisau (km 37,0) radelt man eben, dann geht es zum Klöntaler See (km 40,5) wieder abwärts. Hinter Riedern (km 49,5) trennt uns nun nur noch ein letzter leichter Anstieg von Glarus (km 50,5), dem Endpunkt der östlichen Passrampe.Wenngleich der Pragelpass sicherlich nicht zu den bekanntesten und geschichtsträchtigsten Schweizer Alpenpässen zählt, zeigt ein Blick zurück in die Schweizer Geschichte doch, dass auch er für das Land einstmals eine wichtige Rolle spielte. Untrennbar ist er mit dem Namen Suworow verbunden, auf den man in der Gotthardregion und im Glarnerland immer wieder trifft. In den Nachwirkungen der Französischen Revolution wurde fast ganz Europa vom Krieg erfasst. Im Frühling 1799 verbündeten sich deshalb Österreich, England und Russland, um gegen Frankreich Krieg zu führen. Frankreich eroberte unter Napoleon im Jahre 1795/96 Italien und 1798 die Schweiz, und es war der russische General Alexander Suworow, dem es im Frühjahr 1799 gelang, die italienischen Gebiete wieder zurückzuerobern. Teile der Ostschweiz wurden von den Österreichern wieder gewonnen und so wollten die Verbündeten bald die Franzosen ganz aus der Schweiz vertreiben. Während also die Österreicher und Engländer aus dem Land her angriffen, sollte General Suworow mit seiner Armee von Italien aus über den St.-Gotthard-Pass als Verstärkung eintreffen. Nachdem er den Gotthardpass unter heftigen Kämpfen überschritten hatte, wurde er am Pragelpass von den Franzosen aufgehalten und musste zurückweichen. Zwar gelang es ihm später, auf anderen Wegen seine Verbündeten zu erreichen, aber der Krieg gegen die Franzosen war verloren, die Schweiz blieb bis zum Sturz Napoleons eine Republik von Frankreichs Gnaden.

Schwierigkeit:

Mittelschwere bis schwere Radtour mit 18 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 14 % Höchststeigung

Dauer:

2,25 - 3,5 / 1,75 - 2,5

Befahrbarkeit:

15. Juni bis 31. Oktober. Die Ostseite ist an Samstagen und Sonntagen zwischen der Passhöhe und Richisau für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Radfahrer sind von der Sperrung nicht betroffen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour51 km
Höhenunterschied1105 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWestseite – Ausgangspunkt: Brunnen, 439 m; Anfahrt: Autobahn Zürich-Lugano A 2, Ausfahrt Brunnen Ostseite – Ausgangspunkt: Glarus, 472 m; Anfahrt: Autobahn Zürich A 3, Ausfahrt Niederurnen – Glarus
Hinweise
Schwierigkeit: Mittelschwere bis schwere Radtour mit 18 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 14 % Höchststeigung, Dauer:2,25 - 3,5 / 1,75 - 2,5Befahrbarkeit: 15. Juni bis 31. Oktober. Die Ostseite ist an Samstagen und Sonntagen zwischen der Passhöhe und Richisau für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Radfahrer sind von der Sperrung nicht betroffen
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
1543 m

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Rudolf Geser

Die schönsten Alpenpässe mit dem Rennrad

Die großen Alpenpässe für Rennradfahrer: 40 ausgewählte Routen in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz

Jetzt bestellen
Tags: 
Mehr zum Thema