Penser-Joch-Straße

Alpenpässe in Italien (Autor: Rudolf Geser)
Nordseite: Am südlichen Ortsende von Sterzing (km 0,0) folgt man der Beschilderung »Penser Joch«, überquert den Ridnaunbach, der von den Gletschern der Stubaier Alpen gespeist wird, und radelt anschließend am Lkw-Zollhof vorbei. Anfangs steigt die Straße nur mäßig an, aber schon bald deutet ein Schild (km 1,5) den Beginn einer 13 %igen Steigung an. Diese wird dann auch über einen längeren Zeitraum beibehalten, bis sie sich bei km 5,5 endlich auf angenehmere 10 % zurücklegt. Auch der Wald wird lichter und in Egg (km 8,0) radeln wir durch die einzige Ortschaft auf dieser Passseite. Die Straße wendet sich nach Südwesten in das Eggental und führt mit Steigungen bis 10 % kurven- und kehrenreich an den Südosthängen des Zinseler nach oben. Eine bemerkenswerte Aussicht bietet sich nicht, dafür rückt schon bald die Passhöhe mit dem Berggasthof Alpenrose ins Blickfeld. Auch mit Überfahren der Baumgrenze (km 13,5) tritt nur ein landschaftlicher Wechsel der näheren Umgebung ein. Zwischen Almmatten und Felsschrofen zieht sich die Straße in einer weiten Schleife unterhalb des Bergkamms des Hühnerspiels mit gleich bleibend 10 % Steigung nach oben und bald sind Passhöhe (km 16,5) und Gasthof erreicht. Südseite: Etwas langwieriger gestaltet sich da schon die Anfahrt über die Südseite. Dies wird schon in Bozen (km 0,0) klar, dessen nervendem Verkehrsgewühl man der Beschilderung »Sarnthein« folgend nun langsam entkommt. Am Ortsausgang erfordert dann noch Burg Runkelstein einen Stopp, die sich in spektakulärer Lage auf einem nach allen Seiten glatt und senkrecht abstürzenden Felsen aus dem Flussbett der Talfer erhebt. Es ist die Inkarnation einer alten Ritterburg und wer will, kann sie standesgemäß über eine Zugbrücke betreten, um im malerischen Schlosshof eine einladende Burgschänke vorzufinden. Für Interessierte: Die Innenräume der Burg mit interessanten Fresken können nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden, die täglich außer an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr stattfinden. Zurück aus dem Mittelalter geht es hinein in die Sarner Schlucht mit ihren ungeheuer glatten Wänden aus rötlichem Porphyrfels und bizarr überhängenden Vorsprüngen, zu deren Überwindung wir nicht nur eine 10 %ige Steigung bewältigen, sondern auch insgesamt 24 meist unbeleuchtete Tunnels durchfahren müssen, die zwischen 20 und 500 Meter lang sind. Beim Gasthof Halbweg (km 14,0), wo früher die Pferde der Postkutschen auf halbem Weg nach Sarnthein gewechselt wurden, hat man den letzten Tunnel endlich hinter sich, bis Bundschen (km 19,5) wechseln 10 %ige Anstiege mit flacheren Abschnitten ab, dann taucht der reizvoll zwischen grünen Wiesen und bewaldeten Bergkuppen gelegene Ort Sarnthein (km 23,0) auf. Noch vor dem Ort zweigt unser Weiterweg Richtung Weißenbach (km 29,5) ab und wer will, kann sich vorher im Gasthof Zum Hirschen, schräg gegenüber der auffälligen gotischen Kirche St. Cyprian, in einer uralten Tiroler Gaststube nochmals stärken. Verkehrt ist dies nicht, auch wenn wir bis Pens (km 44,5) bei Steigungen meist weit unter 8 % noch gut vorankommen, denn dann nimmt die Steigung zuerst auf 10 % und auf den letzten Kilometern bis zur Passhöhe (km 53,0) sogar auf 12 % zu. Für gut trainierte Radler besteht die Möglichkeit, die Penser-Joch-Straße und den Jaufenpass (Tour 35) zu einer Rundtour zu verbinden. Hierzu erscheint es am sinnvollsten, die Tour von Sterzing aus mit der Auffahrt über die Nordostseite des Jaufenpasses zu beginnen, in St. Leonhard das Passeiertal abwärts nach Meran, weiter bis Bozen, um über die Südseite des Penser Jochs zurückzuradeln. 150 Streckenkilometer und 3150 Höhenmeter kommen hier zusammen und als reine Fahrzeit sind mindesten 81/2 bis 121/2 Stunden zu veranschlagen. Sehenswürdigkeiten: Sterzing: Altstadt, Rathaus und Stadtturm (»Zwölferturm«), Burg Reifenstein im Sterzinger Moos. Sarnthein: Kirche St. Cyprian. Bozen: Schloss Runkelstein, Dom mit Denkmal Walther von der Vogelweide, Amtshaus Kaiser Maximilian I., Schloss Maretsch und Stadtmuseum.

Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 12 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 13 % Höchststeigung. Befahrbarkeit: 15. Mai oder 1. Juni bis 31. Oktober.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour23 km
Höhenunterschied1950 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSüdseite: Bozen, 265 m; Nordseite: Sterzing, 948 m
TourencharakterDas Penser Joch ist eine landschaftlich ansprechende, schon recht alpine und auch abwechslungsreiche Verbindungsstrecke über die Sarntaler Alpen vom Eisacktal bei Sterzing nach Bozen im Etschtal. Die Gesamtlänge misst dabei 69,5 km und der höchste Punkt auf der Passhöhe liegt immerhin bei 2211 Metern. Interessant aus Sicht des Radlers ist, dass die beiden Passseiten recht differenziert zu betrachten sind. Während die nördliche Auffahrtsseite von Sterzing aus mit einem zu bewältigenden Höhenunterschied von 16,5 km und Höchststeigungen bis 13 % zwar schon recht anspruchsvoll ist, aber noch nicht in einem Rahmen liegt, bei dem die letzten Kraftreserven gefordert sind, sieht es bei der Südseite schon anders aus. Diese ist nämlich nicht nur 53 km lang, sondern kann mit einem zu bewältigenden Höhenunterschied von 1964 Metern sogar mehr Höhenmeter aufweisen als etwa eine Großglockner-Hochalpenstraße (Tour 9) oder ein Stilfser Joch (Tour 40). Es ist also schon eine schwere Tour und vielleicht sollten wir deshalb den Anfang mit einer Beschreibung der leichteren Nordseite machen.
Beste Jahreszeit
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Südtirol/Venetien
VerkehrsanbindungSüdseite: Bozen, 265 m; Anfahrt: Brennerautobahn A 22, Ausfahrt Bozen/Nord Nordseite: Sterzing, 948 m; Anfahrt: Brennerautobahn A 22, Ausfahrt Vipiteno/Sterzing
Höchster Punkt
2215 m

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