Olympiastraße

Auch an schnurgeraden Strecken mit nur wenig Steigung kann man sich gehörig Schmerzen zufügen. Wer einmal, wie bei den Zeitfahren der Profis, die ganz dicken Gänge, Aero-Laufräder und -helm testen möchte, sollte die folgende Strecke ausprobieren. (Autor: Björn Eichelbaum)

Vorbereiten

Die fast schnurgerade verlaufende Strecke entlang der Olympiastraße wird über die Saison unter anderem vom Radsportclub RC Concordia für Einzelzeitfahren und Leistungstests genutzt. Wenn Sie an einem dieser Leistungstest oder Einzelzeitfahren teilnehmen möchten: Gäste sind willkommen. Informationen darüber, wann und wo genau an der Strecke die Rennen verlaufen, finden Sie auf der Homepage des RC unter www.rcconcordia.de. Hier finden Sie auch die aktuellen Zeiten der Vereinsmitglieder nach Altersgruppen sortiert und können Ihre eigenen Leistungen somit besser einschätzen. Sollten Sie die passende Gelegenheit für adäquaten Einsatz von Aerohelm und Scheibenrad suchen, dann kreuzen Sie bei einem dieser Zeitfahren auf, Sie werden in guter Gesellschaft sein.

Treffpunkt und Beginn der Strecke ist die Kreuzung des Waldweges »Link Geräumt« im Forstenrieder Park. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie den Ausgangspunkt am besten über die U-Bahn-Haltestelle Fürstenried West. Vom dort aus rollen Sie die Steinkirchner Straße Richtung Westen, bis Sie auf die Allgäuer Straße treffen, in die Sie rechts einbiegen. Folgen Sie deren Verlauf, bis es links in die Immenstädter Straße geht, an deren Ende Sie auf einen Radweg wechseln. Diesem folgen Sie, bis Sie zu einer Unterführung gelangen. Hier ist die Kreuzung zum Waldweg »Link Geräumt«, der auf unsere Strecke, die Olympiastraße, führt.

Am Rande dieses Weges findet sich sicher ein Platz, an dem Sie Ihren Rollentrainer zum Warmfahren aufstellen können. Welche Übersetzung und Trittfrequenz Sie wählen, hängt zum einen von Ihrem individuellen Fahrstil ab, zum anderen vom Trainingsziel. Ist Ihr Ziel ein Leistungstest unter Wettkampfbedingungen, dann fahren Sie auch tatsächlich so, als ob es um Leben und Tod ginge, und mit der Frequenz und Übersetzung, bei der Sie das Gefühl der größten Leistungsentfaltung haben. Ist das Trainingsziel die Verbesserung der Kraftausdauer bei hoher Übersetzung, empfiehlt es sich, die Hälfte der Strecke mit normaler Trittfrequenz zu fahren und dann auf den höchsten Gang zu wechseln, um ruhig und kraftvoll bis zum Ende der Einheit durchzukurbeln. Beginnen Sie auf jeden Fall mit einer höheren Trittfrequenz, da Sie sich mit einer zu großen Übersetzung sonst für den Rest der Fahrt die Motorik versauen.

Entwicklungshilfe

Wenn Sie vier- oder fünfmal über die Saison verteilt einen solchen Leistungstest absolvieren, erhalten Sie einen preiswerten und einigermaßen aussagekräftigen Eindruck Ihrer Leistungsentwicklung. Aber auch wenn Sie neues Material oder eine neue Sitzposition testen wollen, bietet sich diese Strecke an. Natürlich lassen sich die Ergebnisse eines Tests nur bei jeweils in etwa gleichen Bedingungen in Relation setzen. Wählen Sie für einen solchen Test am besten einen Tag mit normalen Temperaturen, Wind- und Wetterverhältnissen. Und sorgen Sie auch für in etwa die gleichen körperlichen Voraussetzungen. Ein bis zwei Ruhetage vor einem Leistungstest sollten es schon sein. Weitere, die Leistung beeinflussende Faktoren sind die Uhrzeit, vorausgegangene Ernährung, eigene Motivation und natürlich die Tagesform.

Pressen

Noch einen Schluck aus der Flasche, die Verschlüsse an den Radschuhen fest zuziehen, Tacho auf null setzen, Messung an der Pulsuhr oder dem Wattmeter starten und dann heißt es nur noch treten, treten, treten. An sonnigen Sommer- und Frühherbstabenden bietet die Strecke, die sich durch die links und rechts stehenden Bäume fast wie eine Allee ausnimmt, ein fantastisches Licht, was das Fahren zwar nicht einfacher, aber ästhetisch hochwertiger macht. Da es auf den 9,8 Kilometern Hinweg keinerlei Abzweigungen, Anstiege oder anderweitige Ablenkung gibt, können Sie sich ganz auf Ihren Rhythmus, das Einhalten der Trittfrequenz und eine sauber ausgeführte Druck- und Zugphase der Beine konzentrieren. Haben Sie Ihre Maximalgeschwindigkeit erreicht, werden Sie kaum noch schalten müssen, es sei denn, Sie haben überrissen oder den Gang falsch eingeschätzt. Auf dem Weg bis zur Wendemarke sind immerhin 100 Höhenmeter zurückzulegen, er ist also nicht komplett flach. Als Wendemarke dient die erste Einfahrt am Ortseingang von Wangen – dort umdrehen und zurück. Denken Sie daran, dass es nun die 100 Höhenmeter wieder nach unten geht, bei gerechten Windverhältnissen sollte das also der schnellere Abschnitt sein.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie relativ sich doch Raum und Zeit zueinander verhalten, selbst bei Geschwindigkeiten, die sich nicht in der Nähe der Lichtgeschwindigkeit bewegen. Die 15 bis 25 Minuten Hinweg können einem, je nach Tagesform und Motivation, wie eine kleine Ewigkeit vorkommen, der Rückweg ist da keine Ausnahme.

Zur Orientierung hier die Zeiten aus drei Leistungsklassen bei normalen Bedingungen und einfacher Fahrt Richtung Wangen (10 Kilometer):
Die Guten: 16:23 Min. 42,3 km/h im Schnitt
Die Bemühten: 17:27 Min. 40,4 km/h im Schnitt
Die Spaß haben: 19:10 Min. 36,8 km/h im Schnitt

20 km Zeitfahrstrecke/Leistungstest

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied160 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktForstenried/Link Geräumt
EndpunktWangen Unterführung
TourencharakterTopfeben und gerade verlaufender Straßenkurs – ideal geeignet für Zeitfahrintervalle, Leistungstests und Zeitfahren
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes (1:50 000)
VerkehrsanbindungBahn: U3 Fürstenried West, S6 Starnberg
GastronomieGasthof Holzeder Olympiastraße 5 82319 Wangen, Stadt Starnberg Tel. 08151-89616
Tipps
Schnell fahren: Bei den Einzelzeitfahrprüfungen der Tour de France oder des Giro d’Italia sieht man immer wieder, wie sich die Profis vor einem Zeitfahren auf der Rolle warm fahren. Selbst für einen Prolog von nur wenigen Kilometern Länge ist es durchaus üblich, eine bis eineinhalb Stunden vor dem Start mit dem Warmfahren zu beginnen. Das Programm sollte alle an der Energiebereitstellung beteiligten Systeme ansprechen. Ideal ist ein möglichst abwechlungsreiches Einfahren von der Fettverbrennung im GA1-Bereich über kurze, schnelle Antritte, die die Phosphatspeicher ansprechen, bis hin zum Spitzenbereich, um den Körper auf die Laktatbelastung vorzubereiten. Auch Technikübungen, wie etwa einbeiniges Pedalieren oder Betonung der Druck- und Zugphasen, gehören in jedes Warmfahrprogramm. Die letzten fünf Minuten auf der Rolle sollten Sie locker fahren, ein wenig trinken und eventuell ein Gel zu sich nehmen.Um auch noch die letzten Sekunden rauszukitzeln, müssen Sie den Reifendruck so hoch wie möglich treiben. Schauen Sie vorher nach, wie hoch der zulässige Maximaldruck bei Felgenband, Schlauch und Reifen ist. Acht Bar auf dem Hinterrad sollten es schon sein. Am meisten Zeit lässt sich durch eine aerodynamisch günstige Sitzposition einsparen, wie sie die zahlreichen am Markt erhältlichen Aero-Bars oder Clip-on-Lenker ermöglichen. Aber dieses Thema sprengt leider den Rahmen des Buches.

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