Nufenen-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
37 km
1305 m
2.00 h
Der Nufenenpass ist mit seinen 2478 m Höhe der höchste innerschweizerische, also gänzlich auf Schweizer Gebiet liegende Pass. Er ist zudem die kürzeste Verbindung vom Tessin ins Wallis und wer nicht den längeren Weg über den St.-Gotthard-Pass (Tour 64) und den Furkapass (Tour 65) vorzieht, wird den Weg über den Nufenen wählen. Allerdings steht ihm dafür nur ein recht kurzer Zeitraum im Jahr zur Verfügung, denn mit seiner Öffnungszeit von Anfang Juli bis Ende Oktober ist der Nufenen einer der am kürzesten geöffneten Pässe im gesamten Alpenraum. Dieser kurze Öffnungszeitraum hat einen durchaus ernsten Hintergrund, der vor allem den Skifahrern, Snowboardern und Skibergsteigern unter uns, die sich auch mit den winterlichen Gefahren des Hochgebirges auseinander setzen, vertraut sein muss, nämlich Lawinen. Aber dazu später.Zuerst suchen wir in Airolo (km 0,0), einem lebhaften Ort, der vor allem als südlicher Endpunkt der Route über den St.-Gotthard-Pass bekannt und entsprechend stark frequentiert ist, die Abzweigung ins Val Bedretto. Während hier fast alles von Süd nach Nord oder in umgekehrter Richtung über den Gotthard durch den Straßentunnel unter diesem hindurch strebt, haben wir unsere Auffahrt in westlicher Richtung dagegen ziemlich allein.Anfangs kommen wir bei Steigungen bis 8 %, die immer wieder von flacheren Stücken abgelöst werden, zwar gut voran, gewinnen über die Ortschaften Fontana (km 5,5) und Ossasca (km 6,5) dabei aber nur langsam an Höhe. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Fahrbahn, die für ihre schwache Verkehrsbedeutung zwar recht gut ausgebaut ist, mit ihren Dehnungsfugen, die in kürzeren Abständen immer wieder mit Teer ausgegossen wurden, manchmal aber an eine Rollbahn erinnert. Bei der Auffahrt ist dies kein Problem, wer allerdings auf dieser Strecke abfährt, wird die dadurch entstehenden Stöße doch als unangenehm empfinden.Mit Bedretto erreichen wir den Hauptort des Tales und wer des Lateinischen mächtig ist, kann sich vielleicht erinnern, dass sich der Ortsname vom lateinischen Wort »bedra« für Birke ableitet. Wer dann allerdings die Berghänge der Umgebung absucht, wird feststellen, dass diese fast kahl sind. Im vorigen Jahrhundert wurden die hier einstmals reichen Baumbestände rücksichtslos abgeholzt. Damit entfiel allerdings der einzige natürliche Schutz, den es gegen die größte Gefahr für menschliche Ansiedlungen im Hochgebirge gibt, die Lawinen. Fast schutzlos waren die bescheidenen, meist auf Schuttkegeln der Bergbäche zusammengepferchten Dörfchen dieser Gefahr ausgesetzt und manche Kirchen im Tal waren sogar so geformt, dass sie als Lawinenbrecher dienten. Heute versuchen starke Lawinenverbauungen die Ortschaften in den langen Wintern zu schützen und an einigen Stellen sind auch neue Aufforstungen zu erkennen, wobei vor allem die den Höhenlagen gut angepasste, widerstandsfähige Lärche gepflanzt wird. Jetzt erklärt sich uns auch der kurze Öffnungszeitraum der Passstrecke, da in diesem Zeitraum die Lawinengefahr gebannt ist.Recht geradlinig und ohne viel Abwechslung radeln wir taleinwärts und erst bei Ronco (km 10,0) beginnt die Trasse stärker anzusteigen. Bis All' Acqua (km 12,5) werden die 10 %igen Anstiege noch von kurzen flacheren Abschnitten unterbrochen, dann aber geht die Steigung kaum noch einmal zurück. Vor der Cantina di Cruina, zwei mit Schieferplatten gedeckten Steinhütten, bewältigen wir die ersten zwei Kehren der Auffahrt, der sich nun bald weitere anschließen. An den Südwesthängen des Mittagshorns geht es bei kaum nachlassender Steigung von 8 bis 10 % nach oben und erst bei einem winzigen See (km 23,0) lässt die Steigung nach. Bald ist die Passhöhe (km 27.0) erreicht und angesichts des neuen und großzügig errichteten Restaurants dort oben fragt man sich, wie der Wirt während des kurzen Öffnungszeitraumes auf seine Kosten kommen kann.Mit herrlichem Blick auf die wilde Eis- und Felsszenerie der Berner Alpen im Nordwesten im oberen Teil geht es auf guter Fahrbahn über 13 Kehren abwärts. Kurz vor Ulrichen (km 38,5), einem charaktervollen Obergomser Haufendorf mit einer Vielzahl alter Holzhäuser, nimmt das Gefälle auf mehr als 1 km Länge sogar auf 13 % zu, was sich vor allem erschwerend auswirken würde, wenn man die Auffahrt über diese Seite beginnen würde.

Schwierigkeit:

Mittelschwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 13 % Höchststeigung auf ca. 1 km Länge am Beginn der Auffahrt

Dauer:

1,75 - 2,5 / 1,5 - 2,5

Befahrbarkeit:

1. Juli bis 31. Oktober

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour37 km
Höhenunterschied1305 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOstseite – Ausgangspunkt: Airolo, 1175 m; Anfahrt: Autobahn Zürich-Bellinzona A 2 (Gotthardautobahn), Ausfahrt Airolo Westseite – Ausgangspunkt: Ulrichen, 1346 m; Anfahrt: über den Furkapass (Tour 65) oder den Grimselpass (Tour 66) nach Gletsch und über Oberwald nach Ulrichen oder durch das Rhonetal (Wallis) nach Ulrichen
Hinweise
Schwierigkeit: Mittelschwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 13 % Höchststeigung auf ca. 1 km Länge am Beginn der Auffahrt, Dauer:1,75 - 2,5 / 1,5 - 2,5, Befahrbarkeit:1. Juli bis 31. Oktober
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
2478 m

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