Mariazell – Liezen

Leicht; je 20% bzw. 22% Höchststeigung an einem kurzen Abschnitt bei der Auffahrt zum Halspass bzw. auf der Radstatthöhenstraße (Autor: Rudolf Geser)
127 km
700 m
6.00 h
Vom österreichischen Bundesland Niederösterreich sind wir in die Steiermark übergewechselt, deren Name sich von den Grafen von Steyr, deren Besitztümer einst zur Mark erhoben wurden, ableitet. In Österreich wird die Steiermark auch die »grüne Mark« genannt, und dies aus gutem Grund, denn 75% der Fläche sind Gebirgs- und Vorgebirgsregion und größtenteils mit Wald und saftigen grünen Wiesen bedeckt. Dies schlug sich auch im Landeswappen nieder, das auf grünem Grund einen recht gefährlich aussehenden, Feuer und Rauch speienden Panther trägt.Dies wird allerdings das einzig gefährlich Erscheinende bleiben, das uns auf dieser Tour erwartet, sieht man einmal von kleineren Gegebenheiten in Bezug auf die zu bewältigenden Steigungsverhältnisse ab. Da wäre zum Ersten der Halspass, den wir gleich am Beginn unserer Tour überqueren. Mit einem zu überwindenden Höhenunterschied von nicht einmal 100 Höhenmeter eigentlich kaum der Rede wert, kann er doch kurz 20 Steigungsprozente aufweisen, die wir allerdings auf der Abfahrt überwinden. Etwas anders zeigt sich die Radstatthöhe, die wir beim Übergang vom Salzatal ins Ennstal überqueren. Auch hier ist der Höhenunterschied von knapp 140 Höhenmetern nicht dramatisch, allerdings wartet ein kurzes Steigungsstück von 22% auf uns, welches wir in diesem Fall aber im Aufstieg zu bewältigen haben. Nicht zu vergessen die zwei kurzen Rampen mit 15% bzw. 14% Steigung bei Hieflau. Ein angemessen großes Ritzel ist also angeraten, wenngleich bei insgesamt 700 Höhenmetern von einer richtigen Bergetappe nicht gesprochen werden kann. Dafür rückt etwas anderes in den Vordergrund, nämlich die Landschaft, die auf dem Streckenabschnitt durch das Salzatal zwischen Gusswerk und Wildalpen zu den schönsten und ursprünglichsten zählt, die der Alpenraum heute überhaupt noch bieten kann. Aber auch die Fahrt durch das Gesäuse, wie der schluchtartige Ennsabschnitt vor Admont genannt wird, wo diese mit beträchtlichem Getöse die hindernde Alpenbarriere durchbricht, zählt zweifellos zu den bleibenden Eindrücken.Mariazell, unser Ausgangspunkt, ist der meistbesuchte Wallfahrtsort Österreichs und eine der meistverehrten Gnadenstätten Mitteleuropas. Der Ort steht so ganz im Zeichen der Wallfahrtskirche Maria Geburt mit ihrer auffallenden, eigenwilligen Fassade mit dem grauen, gotischen Turm, der von zwei gedrungenen, rot-weißen Zwiebeltürmen, die eindeutig dem Barockstil zuzuordnen sind, markiert wird. Durch ein gotisches Portal aus dem 14. Jahrhundert betritt man das prachtvoll barockisierte Innere mit der frei stehenden Gnadenkapelle, in der sich die verehrte romanische Madonna aus dem 12. Jahrhundert, die so genannte »Magna Mater Austriae«, von einem prunkvollen Silberaltar umrahmt, befindet.Wieder im Freien, können wir an den evotionalienständen vor der Kirche noch ein Andenken erwerben, bevor wir uns aufs Rad setzen und über vier Kehren mit 8% Gefälle nach Rasing abfahren. Auf ebener Strecke folgen wir dann dem kurvenreichen Verlauf der Salza nach Gusswerk, einem kleinen Ort an der Abzweigung der Salzatalstraße von der wichtigen Nord-Süd-Verbindung über den Afflenzer Seeberg nach Kapfenberg und Bruck an der Mur.Wir folgen dem Salzatal, das hier eine kräftige Furche zwischen dem Hochschwab-Massiv im Süden und den Göstlinger Alpen mit der Kräuterin im Norden bildet. In Greith beginnen wir den Anstieg zum Halspass, der auf kurvenreicher Strecke mit Höchststeigungen bis 10% bald erreicht ist. Eine Beschilderung werden wir nicht finden, dafür eröffnen sich schöne Ausblicke auf die Zeller Staritzen im Südosten. Mit 11% Gefälle geht es kurvenreich durch dichten Mischwald entlang der linken Talseite abwärts. Hinter Rotmoos gibt eine 200 m lange Lawinengalerie Schutz vor den Schuttreißen der Felswände. Wir erreichen den Talkessel von Weichselboden und die Straße steigt zum Stauwehr an der Presceny-Klause an, wo ein 20 m langer Felstunnel auf uns wartet. Am Tunnelende heißt es die Bremsgriffe zu ziehen, denn mit 20% fällt die Straße kurz, aber steil nach unten ab. Ohne größere Schwierigkeiten radeln wir nun in einer fast idyllisch zu nennenden Naturlandschaft, in der sich Wiesenböden mit engen, gewundenen Felsabschnitten mit dunklem Wald abwechseln. Leichte Anstiege wechseln mit ebensolchen Abfahrten und flachen Abschnitten ab und von der Häusergruppe von Gschöder abgesehen treffen wir erst in Wildalpen wieder auf eine größere Ansiedlung. Der variierende Streckenverlauf mit Anstiegen und Abfahrten bis 8% und flacheren Abschnitten hält an und nach Durchfahren eines Talbodens steigt die Straße bis zur Einmündung in die Bundesstraße 25 bei Palfau länger an.Die Landschaft tritt nun etwas in den Hintergrund, auch der Verkehr nimmt wieder zu, und hinter Gams müssen wir kräftig in die Pedale treten, um das kurze 22%ige Steigungsstück hinauf zur Radstatthöhe zu überwinden, bevor es in das breite Talbecken von Mooslandl abwärts geht. Auf die enge, gefährliche Kurve in der folgenden Ortschaft Lainbach sei noch hingewiesen, dann folgen wir der Enns, die hier eine fast rechtwinklige Biegung beschreibt.Nochmals wird ein großes Ritzel gefordert, denn mit bis zu 15% steigt die Straße zur Hochfläche der Wachau an und nach einer kleinen Kapelle ist nochmals ein Wegstück mit 14%iger Steigung bei der Ortschaft Hief-lau zu überwinden. Malerisch verteilen sich die Bergbauernhöfe an den grünen Wiesen zu Füßen des Dürrkogels, nur der schlechte Straßenzustand trübt den Gesamteindruck etwas. Die Straße steigt noch etwas an, fällt dann auf 500 m Länge mit 8% ab und nach zwei kurzen Lawinengalerien rücken die schrofigen grauen Felswände immer näher an die Straße. Bis Gstatterboden, dessen mit dunklen Holzschindeln verkleidete Häuser der eher düsteren Umgebung angepasst erscheinen, geht es leicht bergan. Bei der Bushaltestelle Haindlkarkehre dürfen wir nicht versäumen, einen Blick nach links zu werfen, wo sich die glatten, abweisenden, steil ins Haindlkar abfallenden Felsenmauern der Hochtorgruppe erheben.Hin und zurück 10 km lang wäre der Abstecher ins Johnstal, nach Johnsbach, das mitten im Herzen der Gesäusegruppe liegt, die nicht umsonst zu den schönsten Gebirgslandschaften der Ostalpen gerechnet wird. Woher dieser Name kommt, wird uns auf der Weiterfahrt bald klar: Immer stärker wird das Geräusch, das aus den Wäldern der rechten Talseite zu vernehmen ist und sich langsam zu einem unüberhörbaren Rauschen steigert. Es ist die Enns, die hier zwischen dem Hochtor und dem Großen Buchstein in einer engen, steilen Schlucht unter beträchtlichem Getöse die Ennstaler Alpen durchbricht. Die ständige Geräuschkulisse, die von den steilen Felswänden des tief eingeschnittenen Tales verstärkt wird, macht dem Namen Gesäuse dann auch alle Ehre.Längere, meist leichte Anstiege werden von kurzen Abfahrten mit 10% Gefälle abgelöst. Der Wald tritt langsam zurück, die Enns wird als breiter, ruhiger Fluss sichtbar und zur Rechten erkennen wir den schrofigen, teils bewaldeten Felskopf des Himbeersteins, während sich zur Linken die Felswand der Haindlmauer erhebt. Auf leicht ansteigender Trasse überqueren wir die Bahnlinie, dann fällt die Straße mit 6% ab und wir durchfahren eine enge Eisenbahnbrücke. Eine weite Wiesenfläche öffnet sich vor uns und wir verlassen die drückende Enge des Tales. Nur leicht steigt die Strecke zwischen moorigen Wiesen, in denen die Enns sich ihren Weg sucht, an und bald schon kündigt sich Admont mit den Türmen seiner Stiftskirche an. Ihren Ruhm verdankt die Benediktinerabtei aus dem Jahre 1074 der eindrucksvollen Rokoko-Stiftsbibliothek mit über 145000 Buchbänden und 1045 Handschriften, aber auch die Stiftskellerei ist nicht zu verachten, in der wir uns ausgiebig stärken können.Bis Liezen liegen dann ennsaufwärts noch 18 km vor uns.

Übersetzungsvorschlag, 39/29Streckenverlauf, Mariazell (km 0,0) – Gusswerk (km 6,0) – Hals-pass (km 21,0) – Weichselboden (km 25,5) – Wildalpen (km 42,5) – Palfau (km 58,0) – Radstatthöhe (km 67,0) – Lainbach/Mooslandl (km 68,5) – Hieflau (km 74,0) – Gstatterboden (km 83,5) – Admont (km 98,5) – Hall (km 99,5) – Liezen (km 119,0), Straßenverhältnisse: Bei der Abfahrt von der Radstatthöhenstraße gefährliche Kurve in Lainbach/Mooslandl mit Verkehrsspiegel, Passöffnungszeiten: Alle Pässe ganzjährig geöffnet

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour127 km
Höhenunterschied700 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMariazell, 868 m
EndpunktLiezen, 659 m
Hinweise
Übersetzungsvorschlag: 39/29 Streckenverlauf: Mariazell (km 0,0) – Gusswerk (km 6,0) – Hals-pass (km 21,0) – Weichselboden (km 25,5) – Wildalpen (km 42,5) – Palfau (km 58,0) – Radstatthöhe (km 67,0) – Lainbach/Mooslandl (km 68,5) – Hieflau (km 74,0) – Gstatterboden (km 83,5) – Admont (km 98,5) – Hall (km 99,5) – Liezen (km 119,0) Straßenverhältnisse Bei der Abfahrt von der Radstatthöhenstraße gefährliche Kurve in Lainbach/Mooslandl mit VerkehrsspiegelPassöffnungszeitenAlle Pässe ganzjährig geöffnet
KartentippGeneralkarte 1:200000 Österreich, Blatt 2 Salzburg-Steiermark-Kärnten
VerkehrsanbindungAutobahn Salzburg–Wien, Ausfahrt 100 Ybbs/Wieselburg – Richtung Wieselburg/ Scheibbs/Eisenstraße – Neustift – Lang- seitenrolle – Mariazell
Tipps
Streckenprofil: Höchster Punkt: 868 mTiefster Punkt: 490 mHöhenmeter Auffahrt: 700 mHöhenmeter Abfahrt: 654 mMax. Steigung: 22%Max. Gefälle: 20%Durchschn. Steigung Auffahrt: 1,3%Durchschn. Gefälle Abfahrt: 1,4%PassangabenHalspass: 830 m; Auffahrt Gusswerk – Passhöhe 15 km mit 20% Höchststeigung an einem kurzen Abschnitt, 84 Hm; Abfahrt Passhöhe – Weichselboden 4,5 km mit Gefälle bis 10% Radstatthöhenstraße: 637m; Auffahrt Palfau – Passhöhe 9 km mit 22% Höchststeigung an einem kurzen Abschnitt, 137 Hm; Abfahrt Passhöhe – Lainbach/Mooslandl 3,5 km mit Gefälle bis 10% Sehenswert: Admont: Benediktinerabtei mit Stiftskirche und -bibliothek
Verleih
Mariazell: Kurt Fleischmann, Dr.-Kurt-Leber-Str. 5
Höchster Punkt
Unterkunft
Wildalpen: Camping Wildalpen, 15.4.–16.10.; Palfau: Camping Saggraben, ab 1.5. kein Wintercamping

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