Maloja-Passstraße

Alpenpässe in Italien (Autor: Rudolf Geser)
Der Malojapass ist eine topographische Besonderheit, er hat nämlich nur eine Passrampe. Diese hat es aber, von Chiavenna im italienischen Tessin ausgehend mit knapp 33 km Länge und fast 1500 Höhenmetern mit Steigungen bis 12 % durch das Bergell zur Oberengadiner Seenplatte hochführend, schon in sich. Die Ostrampe dagegen ist von der Passhöhe bis Silvaplana bei St. Moritz zwar auch zehn Kilometer lang, dabei allerdings fast bretteben. Damit ist der Malojapass neben dem Umbrailpass (Tour 51) und dem Valparolapass (Tour 24) in den Dolomiten einer von drei Alpenpässen, deren beide Seiten in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen. In Chiavenna (km 0,0) hat man von der Brücke über die Meira einen schönen Blick auf die Häuserfassaden der Altstadt, die hier fast über das Steilufer des Flusses abzufallen drohen, wenn man der Beschilderung »St. Moritz« folgend auf nur leicht ansteigender Straße Richtung Schweizer Grenze radelt. Bei Dogana (km 10,0) wechseln wir in die Schweiz über, Castasegna ist die erste Ortschaft, die uns empfängt, und im weiteren Verlauf erreicht die in den letzten Jahren ständig ausgebaute und verbesserte Straße, teilweise mit Umgehung der Ortschaften zwar hin und wieder Steigungen bis 10 %, liegt meist jedoch weit darunter und lässt uns so recht gut vorankommen. Die viel gerühmte Schönheit der Bergeller Bergwelt eröffnet sich uns erstmals bei Promontogno (km 13,5), wo sich über dem Einschnitt des Bondascotales die messerscharfe Nordkante des Piz Badile zeigt. Einen noch schöneren und umfassenderen Ausblick auf diese einmaligen Felsgestalten der Scioragruppe hätte man, wenn man kurz vorher in Spino der 3 km langen, mit 10 bis 12 % Steigung hinauf nach Soglio führenden Straße gefolgt wäre. Der berühmte Maler Giovanni Segantini bezeichnete diesen Ort einmal seiner unvergleichlichen Aussicht wegen als »an der Schwelle zum Paradies« gelegen. »Aussichtsbalkon in die Bergwelt des Bergell« wäre aber vielleicht der treffendere Ausdruck. Das Tal weitet sich etwas und vor Stampa (km 16,5) bilden zwei Felsbrocken einen Naturtunnel, der La Porta genannt wird und das südliche vom nördlichen Bergell trennt. Dann zeigt sich in einer Talweitung gelegen die Kirche von Borgonovo (km 17,5), auf deren Friedhof man die Gräber der Künstlerfamilie Giacometti besuchen kann, deren Werke nicht nur in allen wichtigen Museen der Welt ausgestellt sind, sondern auch im Naturkundlichen Museum der vorher passierten Ortschaft Stampa zu sehen gewesen wären. Wer dies versäumt hat, hat später in St. Moritz nochmals Gelegenheit dazu. Bis zum Restaurant Albigna (km 21,0) wechseln leichte Anstiege mit ebenen Abschnitten ab, dann nimmt die Steigung auf 10 % zu und behält diese über eine Kehrengruppe auf einer Länge von gut 4 km auch bei. Auf ebener Trasse kann man sich bis Casáccia (km 27,5) wieder etwas erholen, bevor über zwei weitere Kehren mit 12 % Steigung nochmals eine Talstufe in ein kleines Hochtal zu überwinden ist. Noch ist es nicht ganz geschafft. Vor uns liegt ein letzter Steilabbruch, über den sich die Trasse in 13 Kehren mit einer gleich bleibenden Steigung von 9 % auf 4,5 km Länge zur Passhöhe (km 32,5) zieht. Dort angelangt, kann man einen etwas versteckt gelegenen Aussichtsturm aufsuchen, der schöne Ausblicke auf dieses zurückliegende Steilstück ermöglicht. Wenn man dann über die östliche Passrampe, die eigentlich gar keine ist, Richtung St. Moritz weiterradelt, glaubt man in eine andere Welt zu kommen. Keine dunklen, grauen Granitriesen, die düster und drohend unsere Auffahrt begleitet haben, erwarten uns hier. Im Gegenteil, es geht hinein in eine geradezu helle und freundliche Welt, mit dunkelblauen Seen, grünen Wiesen, Lärchenwäldern und einer Hochgebirgsumrahmung, die alles andere als düster und abschreckend wirkt. Wir sind in der Oberengadiner Seenplatte, die sich mit dem Silser, Silvaplaner und dem kleinen Champfer See zu Füßen des Piz Corvatsch bis St. Moritz am gleichnamigen See erstreckt und mit Recht als eine der schönsten Landschaften der Alpen angesehen wird. Dass wir nach der anstrengenden Auffahrt nunmehr keine Abfahrt vor uns haben, ist hier nicht unbedingt von Nachteil, kann man die Landschaft dafür doch umso mehr genießen. Genießen kann man dann freilich auch die Annehmlichkeiten im eher mondänen Nobelort St. Moritz, dessen Karriere als einer der bekanntesten Wintersportorte in den Alpen eigentlich als Heilbad begann. Schon zur Bronzezeit, also vor gut 3000 Jahren, soll es hier eine heilige Quelle gegeben haben und im Engadiner Museum steht eine 700 bis 800 Jahre alte hölzerne Quellfassung aus Lärchenholz. Schon Paracelsus lobte das Wasser und vom Arzt Antonio Perigavano ist überliefert, dass er Kurgästen im Jahre 1674 verordnete, zehn Tage lang jeden Tag einen Liter mehr von dem Quellwasser zu trinken und dann wieder jeweils einen Liter weniger bis zum zwanzigsten Tag. Wenngleich der Flüssigkeitsbedarf für uns Radler sicherlich auch recht groß ist, sei von solchen Mengen dann aber doch abzuraten. Den Kalorienbedarf können wir mit einer Engadiner Nusstorte auffüllen, einer Köstlichkeit aus Karamell, Walnüssen und Kuchenteig, deren Geschmack nur noch von der Anzahl ihrer Kalorien übertroffen wird. Abarbeiten könnte man diese dann vielleicht aber wieder mit einer Auffahrt über die Julier-Passtraße (Tour 55), die im nahe gelegenen Silvaplana ihren Ausgangspunkt nimmt.

Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 12 % Höchststeigung. Befahrbarkeit: Ganzjährig befahrbar.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour43 km
Höhenunterschied1485 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWestseite: Chiavenna, 333 m;
TourencharakterDer Malojapass ist eine topographische Besonderheit, er hat nämlich nur eine Passrampe. Diese hat es aber, von Chiavenna im italienischen Tessin ausgehend mit knapp 33 km Länge und fast 1500 Höhenmetern mit Steigungen bis 12 % durch das Bergell zur Oberengadiner Seenplatte hochführend, schon in sich. Die Ostrampe dagegen ist von der Passhöhe bis Silvaplana bei St. Moritz zwar auch zehn Kilometer lang, dabei allerdings fast bretteben. Damit ist der Malojapass neben dem Umbrailpass (Tour 51) und dem Valparolapass (Tour 24) in den Dolomiten einer von drei Alpenpässen, deren beide Seiten in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen.
Beste Jahreszeit
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Italien Blatt Piemont/Aostatal
VerkehrsanbindungWestseite – Ausgangspunkt: Chiavenna, 333 m; Anfahrt: Mailand – Lecco – Comer See – Verceia – Chiavenna Die Ostseite der Maloja-Passstraße zwischen Silvaplana bei St. Moritz und der Passhöhe ist 10 km lang und von einem kurzen 6 %igen Anstieg abgesehen völlig eben.
Höchster Punkt
1815 m

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