Lukmanier-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
65 km
800 m
2.00 h
Wenn man vom Vorderrheintal ins Tessin möchte, kann man dies über den Oberalppass (Tour 62) nach Andermatt und weiter über den St.-Gotthard-Pass (Tour 64) tun. Wer es allerdings streckenmäßig kürzer, landschaftlich schöner und vor allen Dingen verkehrsmäßig ärmer haben will, der wählt den Weg über den Lukmanierpass. Große Gedanken muss er sich dabei in keinster Weise machen, denn mit seinen 1940 Metern Höhe gilt der Lukmanierpass nach dem 1815 Meter hohen Malojapass (Tour 44) als zweitniedrigster Passübergang der Schweiz, der den Alpenhauptkamm überquert. Auch von den Steigungsverhältnissen her zeigt er sich durchaus moderat, liegt die Steigung über lange Strecken doch nur zwischen 4 und 6 % und übersteigt die 10-%-Marke nirgends. Ein 23-Ritzel müsste für gut trainierte Radler eigentlich ausreichen, wenngleich sich das Vorhandensein eines 25er- oder 26er-Ritzels empfiehlt, denn auf die gesamte Strecke bezogen ist die Fahrt doch als mittelschwer einzustufen.Dies bezieht sich auf die Nordrampe, mit ihren 20,5 Streckenkilometern und knapp 800 Metern Höhenunterschied, während die 43 km lange Südstrecke mit gut 1600 Höhenmetern dagegen schon deutlich mehr Ausdauer erfordert. Allerdings übertrifft die Steigung dort nicht einmal die 8%-Grenze.Wie bei der Auffahrt zum Oberalppass ist auch diesmal wieder Disentis (km 0,0) unser Ausgangspunkt. Noch ein Blick auf das mächtige Benediktinerkloster mit der beeindruckenden Fassade aus dem 17. Jahrhundert und den beiden selbstbewusst wirkenden Türmen der Klosterkirche, dann folgen wir diesmal der Abzweigung zum Lukmanierpass. Der Berggang kann vorerst unberücksichtigt bleiben, denn auf den ersten beiden Kilometern geht es bis zur Mündungsschlucht des Medelser Rheins in den Vorderrhein erst einmal mit 8 % Gefälle bergab. Über eine Brücke radeln wir in die Höllenschlucht ein, auf deren rechter Seite die Straße nun mit 10 % anzusteigen beginnt. Einst ein gefährlicher und gefürchteter Streckenabschnitt ist dieser durch den Bau dreier 60 bis 100 Meter langer Tunnels und einer 600 Meter langen Tunnelgalerie völlig entschärft, allerdings könnte Beleuchtung am Rad aus Sicherheitsgründen nicht schaden. Hat man den Tunnelabschnitt hinter sich, erreicht man über zwei Kehren bei gleich bleibend 10 % Steigung mit Curaglia (km 5,0) die erste Ortschaft.Nach der engen Schlucht öffnet sich ein weites Hochtal vor uns und auch die Anfangsschwierigkeiten haben wir hinter uns gelassen. Über die kleinen Ortschaften Platta (km 7,0) und Parde (km 8,0) gewinnen wir zwar kaum an Höhe, kommen dafür aber zügig voran. Eingebremst werden wir erst in Acla (km 10,0), wo die Steigung wieder auf 10 % zunimmt. Trotz der vielen Ortsnamen ist das Hochtal bisher nur schwach besiedelt und eigentlich handelt es sich hier eher um Häusergruppen.Mit Gions (km 11,5) haben wir allerdings die letzte auf dem Weg zur Passhöhe passiert und auch die Umgebung zeigt sich nun deutlich hochgebirgiger. Nichts erinnert mehr daran, dass sich der Name des Passes von Lucus magnus, also großer Hain, ableitet, denn vom einstigen Waldreichtum ist außer etwas schütterem Baumbewuchs nichts mehr zu sehen.Über uns ist bereits die mächtige, 100 Meter hohe Betonmauer des Lai da Sontga Maria zu erkennen, aber bevor wir diese erreichen, sind auf der mit 6 bis 8 % ansteigenden Straße neben mehreren kurzen Tunnels und Galerien auch zwei Kehren (km 17,5) zu überwinden. Haben wir diese hinter uns gelassen, radeln wir am linken Ufer des Sees auf leicht ansteigender Trasse in eine fast zwei Kilometer lange Galerie ein, in deren Mitte wir mit einer Höhe von 1972 Metern den höchsten Punkt der Auffahrt überschreiten. Die Passhöhe (km 20,5) mit dem Hospezi San Marie erreichen wir deshalb auf leicht abfallender Straße.

Schwierigkeit:

Mittelschwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 8 % Höchststeigung

Dauer:

1,5 - 2,25 / 3 - 4

Befahrbarkeit:

15. Mai bis 31. Oktober

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour65 km
Höhenunterschied800 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite – Ausgangspunkt: Disentis/Mustér, 1143 m; Anfahrt: Autobahn Chur-Bellinzona A 13 (Rheintal-autobahn), Ausfahrt Reichenau – Flims – Laax – Disentis/Mustér Südseite – Ausgangspunkt: Biasca, 301 m; Anfahrt: Autobahn Chur-Bellinzona-Biasca A 13 und A 2 (Rheintal- und Gotthardautobahn), Ausfahrt Biasca
TourencharakterDisentis/Mustér (km 0,0) – Curaglia (km 5,0) – Platta (km 7,0) – Parde (km 8,0) – Acla (km 10,0) – Gions (km 11,5) – Lawinengalerie (km 18,0) – Passhöhe (km 20,5) / Biasca (km 0,0) – Malvaglia (km 8,0) – Acquarossa (km 14,0) – Torre (km 19,5) – Olivone (km 23,5) – Passhöhe (km 43,0)
Hinweise
Schwierigkeit: Mittelschwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 8 % Höchststeigung, Dauer: 1,5 - 2,25 / 3 - 4, Befahrbarkeit: 15. Mai bis 31. Oktober
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Informationen
Wegen Tunnels (60 bis 100 m), Tunnelgalerien (600 m bis 2 km) auf der Nordseite und der zwei Tunnels (100 m) und der Galerie (50 m) auf der Südseite ist Beleuchtung ratsam.
Höchster Punkt
1940 m

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