Liezen – Salzburg

Mittelschwer; 16% Höchststeigung an einem 200 m langen Abschnitt bei der Auffahrt zum Koppenpass (Autor: Rudolf Geser)
195 km
1615 m
7.00 h
Vor uns liegt das Salzkammergut, eine der schönsten Urlaubslandschaften Österreichs, das sich zu Füßen des 2995 m hohen Dachsteinmassivs bis zum Tal der Vöckla im Norden und der Stadt Salzburg im Westen erstreckt. Gut 5600 Jahre ist es her, dass sich Menschen in der späten Jungsteinzeit, dem sogenannten Neolithikum, aufmachten, um in diesem Gebiet nach Salz zu suchen. Beim heutigen Hallstatt wurden sie fündig und begründeten damit den Reichtum einer Region, der sich bis in unsere Zeit erhalten hat. Es ist aber heute nicht mehr das »weiße Gold«, wie die kostbaren Salzkristalle auch genannt wurden, sondern der Fremdenverkehr, der den Wohlstand nunmehr sichert. Verdeutlicht wird dies durch die Zahl von jährlich über fünf Millionen Übernachtungen, die sich auf Ferienregionen wie etwa das Ausseer Land, Wolfgangsee, Traun- und Attersee sowie Bad Ischl, wo bereits Kaiser Franz Joseph I. sein Sommerdomizil aufschlug, verteilen. Für uns Radler bedeutet dies, dass wir bei der Zimmersuche in diesem touristisch besterschlossenen Gebiet keine Probleme haben werden, dafür aber leider teilweise mit größerem Verkehrsaufkommen rechnen müssen, zumal unsere Route zum Teil auch über stärker befahrene Bundesstraßen verläuft.Dabei sind streckenmäßig, von einer Ausnahme abgesehen, keine besonderen Schwierigkeiten zu erwarten. Lediglich der Koppenpass stellt sich uns in den Weg, mit einem Höhenunterschied von knapp 40 m von Bad Aussee aus eigentlich gar nicht der Rede wert, der uns allerdings mit einem etwa 200 m langen Steigungsstück mit 16% am Beginn der Auffahrt doch etwas in Schwierigkeiten bringen kann. Auf der Abfahrtsseite fällt er sogar auf einer Länge von 500 m um bis zu richtig steile 23% ab.Wer sich davon abschrecken lässt, könnte den Koppenpass auch umgehen, indem er stattdessen die Pötschenpassstraße wählt, die nördlich des Hallstätter Sees verläuft und uns ebenfalls von Bad Aussee nach Bad Goisern führt, wo wir wieder auf die westlich des Hallstätter Sees verlaufende Strecke über den Koppenpass treffen. Allerdings hat man dabei einige Höhenmeter mehr zu bewältigen, denn die 10 km lange Auffahrt zum 982 m hohen Pötschenpass überwindet 333 Höhenmeter, überschreitet dabei aber nirgends die 7%-Steigungsmarke. Die Abfahrt nach Bad Goisern ist 11 km lang, ihr Höchstgefälle liegt bei 9%. Als Entscheidungshilfe kann noch dienen, dass die Strecke über den Koppenpass landschaftlich reizvoller und zudem weniger befahren ist als die über den Pötschenpass.Für diejenigen, die auf der Strecke noch einige Höhenmeter zusätzlich sammeln möchten, bieten sich zwei lohnende Abstecher an: Dies wäre zum einen die Auffahrt über die Loser-Panoramastraße, die von Bad Aussee über Altaussee zum 1883 m hohen Loser, einem der schönsten Aussichtspunkte der Region, führt und uns dabei bis zum Bergrestaurant Loser immerhin 950 Höhenmeter zusätzlich einbringen würde. Im unteren Streckenteil, hinter Altaussee, sind dabei zwei kurze 12%ige Steigungsstücke und ein kurzer 15%iger Aufschwung zu überwinden, während auf dem Rest der insgesamt 17,5 km langen Strecke die 10% nicht mehr über-, allerdings auch nicht oft unterschritten werden.Der zweite Abstecher würde mit zusätzlichen 425 Höhenmetern zu Buche schlagen, es ist die Strecke zum Vorderen Gosausee, einem absoluten Kleinod unter der nicht gerade geringen Anzahl Seen in dieser Region, in dem sich die Zacken der Gosaukammgruppe spiegeln. Er kann allerdings nur von denjenigen unternommen werden, die die Route über den Koppenpass gewählt haben, da der Ausgangspunkt Gosauzwang am Westufer des Hallstätter Sees liegt, etwa 3 km außerhalb der Ortschaft Hallstatt. 17 km lang ist die Auffahrt, die anfangs durch ein dichtes, aussichtsloses Tal mit einer anfänglichen Steigung bis 12% führt, dann aber meist gemächlich verläuft, um erst auf dem letzten Kilometer zu den Parkplätzen der Gosaukammbahn nochmals 12% zu erreichen.Nach dieser langen Einleitung rollen wir von Liezen erst einmal gemächlich auf der Bundesstraße 308 das breite Tal der Enns aufwärts und erkennen bald den jäh aus dem Talboden aufragenden Bergstock des 2351 m hohen Grimming, der den südlichen Eckpfeiler des Salzkammerguts bildet. Wir fahren zu dessen Füßen durch die Sommerfrische Pürgg-Trautenfels, wo wir das Ennstal auch schon wieder verlassen und in das Salzkammergut einradeln. Dicht drängen sich die Häuser des alten Ortskerns um die wehrhaft aussehende Pfarrkirche St. Georg, und tatsächlich gilt der Ort, dessen Ursprung bis ins das 11. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, als die älteste geschlossene Siedlung des steirischen Salzkammerguts. Gemächlich steigt die Straße nun durch ein bewaldetes Hochtal nach Bad Mitterndorf, von wo es ebenso gemächlich bis Bad Aussee wieder abwärts geht. Hier, im Hauptort des Ausseer Landes, gilt es nun zu entscheiden, welchen Weg man einschlägt und ob man sich vielleicht noch zur Auffahrt über die Loser-Panoramastraße entschließt. Die verbrauchten Kalorien könnte man im Bergrestaurant wieder auffüllen, zudem das halbe Salzkammergut überblicken, die Gletscherfelder des Hohen Dachstein bewundern und den Gleitschirm- und Drachenfliegerpiloten zusehen, die den Luftraum über uns bevölkern. Wer dabei den Startplatz der Drachenflieger sieht, eine schmale Holzrampe, die nach wenigen Metern buchstäblich im Nichts endet, wird sich zweimal überlegen, ob er auf diese so leicht und schwerelos aussehende Sportart umsteigt. Zwar mag ein wenig Neid aufkommen, wenn man den bunten Stoffseglern zusieht, die in der Luft zu schweben scheinen, verfolgt man dann allerdings deren Weg hinunter zum Landeplatz am Südufer des kleinen blau schimmernden Altausseer Sees unter uns, der von manchen nur gerade noch mit trockenen Füßen erreicht wird, ziehen wir doch unsere Räder zur Abfahrt vor.Zurück in Bad Aussee werden die meisten wohl das schmale, waldreiche, beinahe romantisch anmutende Sträßchen über den Koppenpass hinüber zum Westufer des Hallstätter Sees trotz der eingangs beschriebenen Nachteile dem zwar gut ausgebauten, aber fast einer Rennstrecke gleichenden Weg über die Potschenhöhe vorziehen.In Obertraun haben wir den Koppenpass hinter und den in einem weiten Becken liegenden Hallstätter See vor uns. Auf dem Weg nach Hallstatt kommen wir an der Koppenbrüller Höhle vorbei, die von der gleichnamigen Bahnhaltestelle oder dem Gasthaus »Koppenrast« in etwa 10 Minuten Gehzeit zu erreichen wäre. Geeignetes Schuhwerk ist allerdings Voraussetzung für die Besichtigung, ebenso wie wärmende Kleidung. Nur dann lässt sich dieses Naturschauspiel mit kunstvollen Tropfsteinen und vielfältigen Sinterbildungen, das seinen Namen einem schäumenden Quellbach verdankt, der während der Schneeschmelze und nach ergiebigen Regenfällen hier unter lautem »Brüllen« entspringt, auch genießen. Eine Sehenswürdigkeit oberirdischer Art ist das Städtchen Hallstatt, das wir als Nächstes erreichen. Kein Geringerer als der Weltreisende und Forscher Alexander von Humboldt soll das Salzstädtchen als den schönsten Seeort der Welt bezeichnet haben. Unbestreitbar ist, dass der Ort einer ganzen Kulturepoche ihren Namen gegeben hat. Auf dem oberhalb der Stadt aufragenden Salzberg fand im Jahre 1846 der Werkmeister Johann Georg Ramsauer ein bronzezeitliches Gräberfeld mit geschmiedeten Eisenteilen, das belegte, dass sich hier etwa in den Jahren 800 bis 400 v.Chr. der Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit vollzogen hatte. Als Hallstattkultur ging diese Epoche in die Geschichtsbücher ein.Unserer Radtourausrüstung zum Trotz sollten wir einen Besuch im Heimatmuseum im Haus Nr. 56 an der Seestraße ins Auge fassen, wo wir eine Nachbildung des »Mannes im Salz« sehen, der in den Salzstöcken gefunden wurde, wo er mehrere 1000 Jahre »konserviert« worden war. Zudem erfährt man dort einiges über die Arbeitsbedingungen des Salzabbaus unter Tage, die so wenig erfreulich waren, dass man sich nicht mehr beschweren wird, wenn das nächste Steigungsstück ansteht.Dies wäre die Auffahrt zum Vorderen Gosausee, auf die bereits am Kapitelanfang verwiesen wurde. Wer darauf verzichtet, wird auf der restlichen Strecke das kleine Kettenblatt wohl nur noch einmal benötigen. Durch ein langes windgeschütztes Hochtal radeln wir über Bad Goisern nach Bad Ischl, wo wir uns in der bekannten Konditorei Zauner, in der Pfarrgasse 7, eine der Kuchen- oder Tortenköstlichkeiten schmecken lassen können. Breit und eben verläuft die Staatsstraße 158 dann an Wolfgangsee und Fuschlsee entlang, wobei wir aber auf längeren Abschnitten Radwege benutzen können. Ein Anstieg mit Steigung bis 9% führt uns aus St. Gilgen heraus, dann wechseln wir vom Salzkammergut ins Salzburger Land über, wo wir leider dem Verkehr der Hauptstadt des gleichnamigen Bundeslandes ausgesetzt sind.

Übersetzungsvorschlag 39/29, Streckenverlauf: Liezen (km 0,0) – Pürgg/Trautenfels (km 19,5)– Bad Mitterndorf (km 29,0) – Bad Aussee (km 45,5) – (Abstecher Loser-Panoramastraße: hin und zurück 36,0 km) – Obertraun (km 58,5) – Koppenpass (km 51,5) – Hallstatt (km 64,5) – Gosauzwang (km 68,0) – (Abstecher Vordere Gosauseen-Straße: hin und zurück 34 km) – Bad Goisern (km 74,5) – Sulzbach (km 82,0) – Bad Ischl (km 85,0) – Strobl (km 97,5) – Sankt Gilgen (km 111,0) – Hof (km 126,0) – Elsenwang (km 127,0) – Salzburg (km 138,5), Straßenverhältnisse: Vorsicht, vor allem bei Nässe, bei der Abfahrt vom Koppenpass: Neigungsstücke mit 23% Gefälle auf ca. 500 m Länge sowie 14% auf 600 m. Am Beginn und am Ende der Passstrecke zudem leichte Belagschäden. Vorsicht bei der Überquerung der Eisenbahnschienen in einer Linkskurve bei der Ausfahrt von Bad Aussee. Die Einfahrt nach Hallstatt wird durch eine Zeitschaltuhr geregelt; Einfahrt in die schmale Uferstraße alle 7 Min. Der 1,2 km lange Umgehungstunnel ist für Radfahrer verboten. Passöffnungszeiten: Alle Pässe ganzjährig geöffnet

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour195 km
Höhenunterschied1615 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktLiezen, 659 m
EndpunktSalzburg, 424 m
Hinweise
Übersetzungsvorschlag: 39/29 Streckenverlauf: Liezen (km 0,0) – Pürgg/Trautenfels (km 19,5)– Bad Mitterndorf (km 29,0) – Bad Aussee (km 45,5) – (Abstecher Loser-Panoramastraße: hin und zurück 36,0 km) – Obertraun (km 58,5) – Koppenpass (km 51,5) – Hallstatt (km 64,5) – Gosauzwang (km 68,0) – (Abstecher Vordere Gosauseen-Straße: hin und zurück 34 km) – Bad Goisern (km 74,5) – Sulzbach (km 82,0) – Bad Ischl (km 85,0) – Strobl (km 97,5) – Sankt Gilgen (km 111,0) – Hof (km 126,0) – Elsenwang (km 127,0) – Salzburg (km 138,5) Straßenverhältnisse: Vorsicht, vor allem bei Nässe, bei der Abfahrt vom Koppenpass: Neigungsstücke mit 23% Gefälle auf ca. 500 m Länge sowie 14% auf 600 m. Am Beginn und am Ende der Passstrecke zudem leichte Belagschäden. Vorsicht bei der Überquerung der Eisenbahnschienen in einer Linkskurve bei der Ausfahrt von Bad Aussee. Die Einfahrt nach Hallstatt wird durch eine Zeitschaltuhr geregelt; Einfahrt in die schmale Uferstraße alle 7 Min. Der 1,2 km lange Umgehungstunnel ist für Radfahrer verboten.PassöffnungszeitenAlle Pässe ganzjährig geöffnet
KartentippGeneralkarte 1:200000 Österreich, Blatt 2 Salzburg-Steiermark-Kärnten
VerkehrsanbindungAutobahn Salzburg–Graz, Ausfahrt 63 Graz/Altenmarkt Richtung Graz/Radstadt/Forstau – Altenmarkt im Pongau – Liezen
Tipps
Passangaben: Koppenpass: 690 m; Auffahrt Bad Aussee – Passhöhe 7 km mit 16% Steigung auf 200 m zu Beginn, 41 Hm; Abfahrt Passhöhe – Gosaumühle 13,5 km mit 23% Gefälle auf 500 m; alternativ kann der Streckenabschnitt Bad Aussee – Bad Goisern auch entlang des Ostufers des Hallstätter Sees über den Pötschenpass unternommen werden; Abstecher: Gosauseen-Straße: 937 m; Auffahrt Gosauzwang – Vorderer Gosausee 17 km mit 12% Höchststeigung, 424 HmPötschenpass: 982 m; Auffahrt Bad Aussee – Passhöhe 8,5 km mit 7% Höchststeigung, 333 Hm; Abfahrt Passhöhe – St. Agatha 6 km mit Gefälle bis 7%Abstecher Loser-Panoramastraße: 1600 m; Auffahrt Bad Aussee – Loser-Bergrestau-rant 18 km mit 10% Höchststeigung, 953 HmStreckenprofilHöchster Punkt: 809 mTiefster Punkt: 416 mHöhenmeter Auffahrt: 1615 mHöhenmeter Abfahrt: 1826 mMax. Steigung: 23%Max. Gefälle: 16%Durchschn. Steigung Auffahrt: 2,5%Durchschn. Gefälle Abfahrt: 2,3%; Sehenswert: Bad Ischl: Kaiservilla, Lehárvilla mit Museum, Salzbergwerk Ischl ca. 5 km außerhalb; Hallstatt: Prähistorisches und Historisches Museum, Salzbergwerk Obertraun: Rieseneis- und Mammuthöhle, ca. 10 Min. zu Fuß von der Bergstation Schönbergalm Koppenpass: Koppenbrüller Höhle, ca. 15 Min. zu Fuß vom Parkplatz beim Gasthaus Koppenrast
Verleih
Bad Aussee: Friedl Stephan, Meranplatz 38
Höchster Punkt
Unterkunft
Bad Aussee: Camping an der Traun, Staudnwirt, Grundlseerstr. 21, ganzjährig

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Rudolf Geser

Die schönsten Alpenpässe mit dem Rennrad

Die großen Alpenpässe für Rennradfahrer: 40 ausgewählte Routen in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz

Jetzt bestellen
Tags: 
Mehr zum Thema