Kreuzfahrt

Vom Bierdorf Aying über Emmering und Rott am Inn durch die Holzkompetenz-Stadt Rosenheim und Glonn zurück nach Aying (Autor: Björn Eichelbaum)
118 km
750 m
8.00 h
Lange Ausfahrten im Grundlagenbereich trainieren die Ausdauer und Fettverbrennung optimal – gehören aber aufgrund der Länge und des eher niedrigen Tempos nicht immer zu den kurzweiligsten Touren. Bei dieser Route wissen Sie schon am Start, worauf Sie sich am Ende freuen können. Die Länge macht den Unterschied: Wenn Sie frühmorgens in Aying ankommen, können Sie ja schon einmal einen Tisch im Brauereigasthof reservieren. Zum einen sorgt eine festgelegte Maximaldauer der Tour für eine erträgliche Durchschnittsgeschwindigkeit und man hat etwas, auf das man sich den Weg über freuen kann.Die Runde eignet sich gut für das extensive Training im GA1-Bereich. Fahren Sie die gesamte Strecke möglichst gleichmäßig und im unteren GA1-Bereich und versuchen Sie nach Möglichkeit, die Nahrungsaufnahme so weit wie möglich hinauszuzögern und die Mengen gering zu halten. Als Getränk sollten Sie zuckerfreies Mineralwasser in die Flaschen füllen. Ihr Organismus wird dadurch gezwungen, fast die gesamte Energie über die Fettverbrennung bereitzustellen, was im KB- und unteren GA1-Bereich auch erstaunlich lange möglich ist.Problematisch wird es erst, wenn Sie diesen Bereich verlassen und vermehrt Kohlenhydrate verbrennen. Der Hungerast ist dann vorprogrammiert. Sie brauchen schon ein wenig Disziplin und sollten die Nahrungsaufnahme so weit es eben geht hinauszögern. Spätestens nach drei Stunden müssen Sie allerdings wieder etwas essen, sonst wirkt die Einheit kontraproduktiv. Sollten Sie An-zeichen eines Hungerastes bemerken, essen Sie sofort. Auch wenn es seltsam scheint, es sind diese langsam und lang gefahrenen Einheiten, die Sie länger schneller fahren lassen, da Ihr körpereigener Motor dabei lernt, ef?zienter zu arbeiten. Darüber hinaus führt die Dauerbelastung zu einem Ausbau der Blut-gefäße im Muskel, man spricht von erhöhter Kapillarisierung.Doch grau ist alle Theorie, in der Praxis starten Sie am S-Bahnhof in Aying und fahren in die gegenüberliegende Straße links ein, bei der nächsten Gelegenheit rechts und verlassen auf dieser Straße Aying in Richtung Egmating. Bereits kurz nach dem Ortsschild schlängelt sich die Landstraße durch lockeren Baum-bewuchs über die Felder. Ab und zu ist der Asphalt ein wenig holprig, größere Schlag-löcher bleiben zum Glück aus. Durch den etwas dichter bewachsenen Forst rollen Sie in die Ortschaft Egmating hinein. Von dort aus fahren Sie Richtung Zorneding und in Oberpframmern rechts weiter nach Moosach und folgen der Straße weiter über Guterstätt und Pullenhofen nach Alxing. Auch wenn es wie zwischen Moosach und Falkenberg aufwärts geht, sollten Sie versuchen, gleichmäßig im GA1-Bereich zu fahren – auch dafür ist die Schaltung da. Falls Sie von ein paar übermütigen Mountainbikern überholt werden, ärgern Sie sich nicht, stehen Sie einfach drüber. Und wenn das nicht funktioniert, können Sie denen ja immer noch »GA1« zur Begründung hinterherrufen.Hin zum InnVon Alxing aus pedalieren Sie gleichmäßig und mit der Ruhe und Sturheit eines Maultiers gerade durch die Ortschaften Hüttenkofen und Obereichenhofen nach Lorenzenberg und dort weiter nach Aßling, dem Inn entgegen. An einem schönen, klaren Tag erstreckt sich der Blick über das weite Inntal, die Blätter der Pappeln an den Uferböschungen ?irren im Wind. An einem trüben, bedeckten Tag wirkt die Landschaft zwar immer noch weitläu?g, aber leider wenig erhebend. Dann heißt es, eine gehörige Portion »Ingoranz« aus der Trikottasche auspacken und mit gutem Mut weitertreten, irgendwann wird es wieder Sommer – Sie müssen nur fest genug treten und daran glauben. Auch wenn der Sommer noch nicht in Sichtweite gerückt ist, Aßling haben Sie auf jeden Fall schon mal erreicht.In Aßling fahren Sie weiter Richtung Rott am Inn über Emmering und Schalldorf, bis Sie unmittelbar am Ortseingang von Rott am Inn links nach Lehen abbiegen. In Meilling rollen Sie rechts weiter über Eich nach Katzbach, wo Sie noch einmal rechts in Richtung Griesstätt mit Ihrem Fahrrad und was sich so alles an Ihrem Hinterrad angesammelt hat, den Inn überqueren.Nach der Ortsdurchfahrt Griesstätt biegen Sie rechts ab und fahren über Kolbing und Aichet nach Vogtareuth. An der Hauptstraße vor Vogtareuth biegen Sie rechts ab, fahren in den Ort, bis es vor der Kirche scharf links weiter nach Weikering/Sulmaring abgeht. Die Wege sind zum Teil schmal ausgeführt und Sie werden ab und an das Gefühl haben, nicht auf dem richtigen Weg zu sein. Wie auch das eventuell vorherrschende schlechte Wetter, ignorieren Sie das zunächst einmal und rollen weiter bis nach Zaisering, von wo aus Sie Richtung Rosenheim/Haidbichl weiterfahren und bei Haidbichl auf den Radweg wechseln. Wenn Sie Zaisering erreicht haben, sind Sie richtig gefahren. Sonst fahren Sie einfach weiter und achten darauf, dass Sie Richtung Höhensteig – und, wenn dies nicht ausgeschildert ist, Richtung Rosenheim – weiterfahren.Bei Höhensteig verlassen Sie den Radweg und folgen der rechts abgehenden Straße bis ins Zentrum von Rosenheim, überqueren auf der Hauptstraße den Inn und fahren weiter Richtung Ortsausgang Rosenheim, Kolbermoor/Bad Aibling. Es sei denn, Sie wollen nun endlich Ihre wohl und redlich verdienten Kohlenhydrate zu sich nehmen. Dazu haben Sie in der Innenstadt von Rosenheim reichlich Ge-legenheit, etwa im Restaurant L’Osteria, das in der Adlzreiterstraße unmittelbar am Weg liegt. Sie kommen Richtung Brücke von der Innstraße auf den Ludwigsplatz, halten sich dort rechts, bis Sie nach wenigen Metern zur Adlzreiterstraße gelangen. Lassen Sie sich nicht von der Osteria auf der Innstraße ablenken, Sie wollen in das Restaurant L’Osteria. Dort gibt es typisch italienische Kost und Riesenpizza mit gutem Boden und geschmackvollem Belag. Begehen Sie jedoch nicht den Fehler, sich mit zwei Tellern Spaghetti den Bauch vollzuschlagen, in der Annahme, dass Sie jetzt genug Kohlenhydrate für den Rückweg und die nächsten zwei Ausfahrten am darauffolgenden Wochenende gebunkert haben. Selbst wenn Sie es dann noch auf Ihr Fahrrad schaffen, werden Ihnen die Spaghetti – obwohl leicht verdaulich – schwer im Magen liegen. Ein kleiner Imbiss mit einer Banane reicht völlig aus, um Sie am Laufen zu halten. Essen Sie lieber viele kleine Portionen über die Zeit verteilt, als sich jede Stunde einen Megariegel reinzuschieben.Nach dem kurzen Stopp orientieren Sie sich Richtung Bahnhof Rosenheim, den Sie über die Münchner Straße vom Ludwigsplatz aus erreichen. Kurz nach dem Bahnhof Rosenheim wechseln Sie auf die Straße nach Loholz/Bad Aibling, fahren weiter durch Kolbermoor bis zur Kirche in Bad Aibling und biegen etwa 500 Meter weiter links nach Mitterham/Willing ab. Weiter geht es nach Götting, wo Sie der Straße durch den Ort und über das ?ach im Tal liegende Weitmoos folgen bis nach Vagen und von dort aus, immer mit ein wenig Steigung, über Feldolling weiter bis nach Feldkirchen-Westerham fahren.Dem Ende entgegenWahrscheinlich ist es Ihnen kaum aufgefallen, dass Sie seit Rosenheim nur bergauf gefahren sind und so komfortabel Höhenmeter gesammelt haben. Auf den letzten 25 Kilometern lässt sich das nicht mehr so gut kaschieren. Zwischen Feldkirchen und Glonn lauert eine Steigung und die darauffolgende von Glonn nach Schlacht kann dann nach bereits gut 100 Kilometern Wegstrecke schon richtig zäh werden, aber das formt den Charakter und macht schlank. Auf den letzten 100 Metern vor Glonn kommen Sie auf kurviger Straße über eine bewaldete Kuppe, von wo aus Sie eine wunderbare Aussicht auf den westlichen Teil des Ortes bis nach Balkham haben. In Schlacht fahren Sie bitte über Kastenseeon weiter nach Egmating und nicht, wie auf dem Hinweg, über Oberpframmern. In Kastenseeon am Kastensee fahren Sie, nach einer Kurve im Ort, die letzten Kilometer nach Aying freudig Ihrer Tischreservierung entgegen.Sollten Sie nicht in ein Gasthaus einkehren, lohnt es sich, vorher den Fahrplan der S-Bahn zu konsultieren und genug Verp?egung für die Rückfahrt mitzunehmen sowie eventuell noch ein Handtuch zum Abtrocknen in den Rucksack zu packen. Nass geschwitzt, erschöpft und hungrig am S-Bahnhof auskühlen ist eine wirklich unangenehme Erfahrung, die Sie sich mit ein wenig Planung ersparen können. Der echte Appetit und dann der Hunger kommen meist erst eine halbe Stunde nach dem Absteigen in der S-Bahn. Ihr Organismus braucht aber sofort Versorgung, also packen Sie lieber etwas zu viel zum Essen als zu wenig ein. Und bevor Sie 20 Minuten in der Kälte auf die S-Bahn warten, fahren Sie lieber noch eine kleine Runde im Ort, um nicht auszukühlen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour118 km
Höhenunterschied750 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktS-Bahnhof Aying
EndpunktS-Bahnhof Aying
TourencharakterEine lange Grundlagenrunde, auf der Sie von Aying tief in den Süden bis nach Rosenheim fahren. Über Bad Aibling und Feldkirchen führt Sie der Weg zurück nach Aying, wo Sie im Brauereigasthof die lokalen Spezialitäten verkosten können.
Beste Jahreszeit
KartentippTopogra?sche Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes 1:50000
VerkehrsanbindungS6 Kreuzstraße
GastronomieBrauereigasthof Hotel Aying, Zornedinger Straße 2, 85653 Aying, Tel. 08095-9065-0, E-Mail: brauereigasthof@ayinger.de; Restaurant L’Osteria, Adlzreiterstraße 18, 83022 Rosenheim, Tel. 08031-400657
Tipps
Anger, Ried & Co.: Bei langen Ausfahrten über Land hat man viel Gelegenheit, sich umzusehen und nachzudenken. Gerade in den Ortschaften im Münchner Umland werden Sie immer wieder mit Namen und Bezeichnungen konfrontiert, deren Bedeutungen heute nicht mehr allen unter uns geläu?g sind. Damit Sie sich in Zukunft ganz aufs Fahren konzentrieren können, hier eine kleine Übersicht alter Orts- und Landschaftsbezeichnungen: Der Anger war ein Stück Weide oder Wiesen?äche, die von allen Dorfbewohnern genutzt werden konnte. Oft lag diese Fläche zentral im Dorf (Oberanger), war sie nur von einer Seite des Dorfes zugänglich, sprach man vom Sackanger. Das Ried, das im Niederdeutschen eher als Synonym für Schilf gebraucht wird, kann im Süden Deutschlands ein Rodungsgebiet, eine Nutz?äche im Weinberg oder auch ein Moorgebiet bezeichnen. In letzter Bedeutung steht es in Konkurrenz zum Moos, das aktuelle oder trockengelegte Moorgebiete bezeichnet, etwa das Erdinger Moos oder der Ort Hallbergmoos. Auch die in Tour 21 thematisierte Endung »ing« bei Ortsnamen hat eine tiefere Bedeutung. Sie de?niert die Zugehörigkeit eines Ortes zu einer Person, einem Regierungsbezirk oder einem landschaftlichen Merkmal (z.B. Forstinning). Anhand dieser Endung im Ortsnamen kann man die Gründungszeit eines Ortes in die Zeit von der Völkerwanderung bis in etwa das frühe Mittelalter zurückdatieren (ca. 5.–9. Jh.). Oft wird die Zugehörigkeit noch durch ein Suf?x ergänzt, etwa -hausen, wie in Recklinghausen. Durch Lautverschiebungen entstanden Abwandlungen im deutschen Sprachraum, wie etwa -ingen oder -ungen, die sich aber auch in schwedischen Städtenamen wie Norköpping oder Jönköpping ?nden.

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