klausen-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
Ostseite. Einigermaßen gespannt verlassen wir also die Kantonshauptstadt Glarus (km 0,0) und radeln auf breiter, gut ausgebauter Straße in das Linthal ein. Dicht besiedelt ist der Talboden, durch eine Reihe kleinerer Ortschaften wechseln 8 %ige Anstiege mit längeren leichten Abfahrten und ebenen Abschnitten ab, bevor man in Linthal (km 15,5) auf den Beginn der eigentlichen Passroute trifft.Vor uns bilden die Gletscher des Tödi und Bifertenstocks den Talschluss, wir überqueren die Linth und über zwei kopfsteingepflasterte Kehren mit 10 % Steigung steigt die Trasse durch den Mischwald der rechten Talseite an. Zwei kurze, schwach beleuchtete Tunnels (km 18,5) leiten in eine weitere enge Kehrengruppe mit gleich bleibend 10 %iger Steigung hinauf zum Basthof Bergli (km 20,0). Die schöne Aussicht auf die Gletscher im Süden genießend geht es recht kurzweilig über weitere Kurven und Kehren mit einer weiterhin kaum einmal unter 10 % zurückgehenden Steigung aufwärts, bis man nach ca. 6 km plötzlich eine Überraschung erlebt.Vor uns öffnet sich ein weites Hochtal, welches ohne Übertreibung zu den schönsten Landschaften der Schweiz gerechnet werden kann. Es ist der Urner Boden, ein lang gestrecktes, wildromantisches Tal, das im Norden von den zerklüfteten Kalkfelsen des Jägerstocks und im Süden von den Gletschern des Claridenstocks begrenzt wird. Zwischen grünen, von Bächen durchzogenen Wiesen mit verstreuten Almhütten und riesigen, bemoosten Felsbrocken hält sich die Trasse nun bis zum Hotel Wilhelm Tell (km 30,0) eben im Talboden, steigt dann auf 8 % an, bevor uns am Talschluss (km 32,0) eine riesige Felswand den Weiterweg zu versperren droht.Über eine Kehrengruppe mit 10 % Steigung weicht die Trasse auf die Hänge der rechten Talseite aus, die uns hinein in den Talkessel der Chlus führt, wo wir den Urner Boden, die größte Almweide der Schweiz, fast aus der Vogelperspektive betrachten können. Eine letzte Kehrengruppe mit 10 % Steigung, vorbei an den Almen von Vorfrutt (km 36,5), leitet nun hinauf zur Passhöhe (km 39,0), die nach dem St. Nikolaus benannt wurde. Etwas abfahrend hat man beim Hotel Klausenpass den wohl schönsten Blick auf die teils vergletscherten, teils felsigen Bergspitzen, die sich vom Claridenstock über Schärhorn und Großen Ruchen bis zum Großen Windgällen hinunterziehen.Westseite.Neben der landschaftlichen Komponente kommt bei der Auffahrt über die Westseite noch eine geschichtliche hinzu, führt die Fahrt uns doch in die Heimat des berühmtesten Schweizers, des Nationalhelden Willhelm Tell. In Altdorf (km 0,0), unserem Ausgangspunkt, soll der berühmte Apfelschuss, der ihn zur Legende gemacht hat, stattgefunden haben. Soll wohlgemerkt, denn wissenschaftlich bewiesen ist weder dieser Vorfall noch die tatsächliche Existenz eines Wilhelm Tell in dieser Form. Daran mag auch das beeindruckende Denkmal von ihm mit der Armbrust in der Rechten und seinem Jungen in der Linken am Hauptplatz von Altdorf nichts ändern. Am Denkmal vorbei steigt unsere Trasse mit 9 % durch Bürglen an, das Heimatort des Volkshelden gewesen sein soll, woran auch hier unübersehbar ein Denkmal am Dorfplatz erinnert. Auch eine Tell-Kapelle aus dem Jahre 1582 an der Staldengasse und das Tell-Museum im Wattigwiler Turm mit vielen Bildern, Urkunden und Chroniken gibt es hier noch. Am Hotel Kinzigpass (km 2,5) geht es kurz ins Schächental abwärts, dann leitet uns eine Steigung bis 7 % an der Schächen entlang bis zum Beginn einer Kehrengruppe (km 7,0), die uns mit 9 % Anstieg nach Spiringen (km 8,0) führt. Die Steigung lässt nach, um vor Unterschächen (km 11,5) sogar nochmals in eine leichte Abfahrt überzugehen. Über weit auseinander gezogene Kehren mit 9 % Steigung bewältigen wir einen Talkessel, an dessen Ende das Gasthaus Posthof Urigen (km 15,5) wartet. Bei gleich bleibender Steigung durchradeln wir einen 250 m langen, beleuchteten Tunnel (km 18,5), dann wird die Straße schmäler und schlängelt sich an den Felswänden zu Füßen der Schächentaler Windgällen bergan. Zwei Kehren mit 9 % Steigung leiten zum Hotel Klausenpass (km 23,5), wo sich der wohl schönste Blick auf die teils vergletscherten, teils felsigen Bergspitzen, die sich von Claridenstock über Schärhorn und Großen Ruchen bis zum Großen Windgällen herabziehen, bietet. Bis zur Passhöhe (km 25,0) hat man dann noch 1,5 km mit 7 % Steigung vor sich.Sehenswürdigkeiten: Glarus: Burgkapelle, Suworowmuseum und Kunsthaus. Urner Boden: größte Almweide der Schweiz. Bürglen: Telldenkmal, Tellkapelle und -museum. Altdorf: Telldenkmal und historisches Museum.

Schwierigkeit:

schwere bis schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Mittelschwere bis schwere Radtour mit 9 % Höchststeigung

Dauer:

2,75 - 4 / 2,25 - 3

Befahrbarkeit:

15. Mai bis 31. Oktober

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour64 km
Höhenunterschied280 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOstseite – Ausgangspunkt: Glarus, 472 m; Anfahrt: Autobahn Zürich-Chur A 3, Ausfahrt Niederurnen – Glarus Westseite – Ausgangspunkt: Altdorf, 458 m; Anfahrt: Autobahn Luzern – Bellinzona A 2, Ausfahrt Amsteg – Erstfeld – Altdorf
TourencharakterGlarus (km 0,0) – Linthal (km 15,5) – Gasthof Bergli (km 20,0) – Urner Boden (km 26,0) – Hotel Wilhelm Tell (km 30,0) – Talschluss (km 32,0) – Almen von Vorfrutt (km 36,5) – Passhöhe (km 39,0) / Altdorf (km 0,0) – Hotel Kinizigpass (km 2,5) – Spiringen (km 8,0) – Unterschächen (km 11,5) – Gasthof Posthof Urigen (km 15,5) – Hotel Klausenpass (km 23,5) – Passhöhe (km 25,0). Rein geografisch gesehen verbindet der Klausenpass den Schweizer Kanton Glarus mit der Gotthardroute. Allerdings sagen diese spärlichen Informationen überhaupt nichts darüber aus, dass es sich hier wohl um einen der schönsten Schweizer Pässe überhaupt handelt, der zudem noch mitten hinein ins Herz der Schweiz, in die Heimat des legendären Volkshelden Wilhelm Tell führt.
Hinweise
Schwierigkeit: schwere bis schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Mittelschwere bis schwere Radtour mit 9 % Höchststeigung, Dauer:2,75 - 4 / 2,25 - 3, Befahrbarkeit:15. Mai bis 31. Oktober
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
1952 m

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