Julier-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
Wie schon für den unter Tour 54 beschriebenen Albulapass ist Tiefencastel auch Ausgangspunkt für eine Radtour über den Julierpass. Wer Tiefencastel also bereits kennt, aber zu wenig Zeit gehabt hat, den Ort etwas genauer anzuschauen, dem sei gesagt, dass sich hier schon zur Karolingerzeit eine befestigte Siedlung mit Königshof befand. Daran erinnert heute nur noch der Name, der übersetzt so viel wie »Kastell in der Tiefe« bedeutet. Ein Brand im Jahre 1890 löschte so gut wie alles hier aus. Einzig die barocke Pfarrkirche ist noch älteren Datums.Also radeln wir gleich los und verlassen den Ort (km 0,0) über eine mit 10 % ansteigende Straße, die anfangs zwischen gepflegten Bergwiesen, dann durch Tannenwald ansteigt. Nach etwa 4,5 km geht die Steigung zurück und durch zwei Galerien und zwei unbeleuchtete Tunnels, 150 und 200 Meter lang, erreichen wir Oberhalbstein (km 6,0), dessen Ortsname gleichzeitig für die Talschaft steht, die sich von hier bis zur Passhöhe in mehreren Stufen hochzieht. Die Straße hält sich im Talboden und über die Ortschaften Cunter (km 8,5) und Savognin (km 9,5) gewinnen wir bis Tinizong (km 12,0) kaum an Höhe. Dafür radeln wir durch eine Landschaft, die manch einer vielleicht von den Bildern des bekannten italienischen Malers Giovanni Segantini (1858–1899) kennt, der zuerst hier und später in Maloja gelebt hat. Wie kein Zweiter konnte er die Stimmung dieser Landschaft wiedergeben und wer nun neugierig geworden ist, könnte seine Werke im Segantini-Museum in St. Moritz betrachten.Dort hinüber ist aber noch einiges an Weg zurückzulegen. Hinter Tinizong rückt das Tal enger zusammen und auch die Steigung nimmt bis Rona (km 15,0) wieder auf 10 % zu. Bis in die folgende Ortschaft Sur (km 20,5) wechseln diese Steigungen mit längeren flacheren Abschnitten ab und wer ein Alibi für eine kleine Pause braucht, könnte einen Abstecher ins Paradies dafür hernehmen. Bildlich gesprochen natürlich nur, denn die Kirche St. Martin im Ortsteil Sur-Curt gilt als eine der schönsten Barockkirchen Graubündens, deren in sieben konzentrischen Kreisen bemalte Kuppel das Paradies darstellen soll.Über mehrere Kehren nimmt die Steigung nun wieder auf gleichmäßige 10 % zu und unvermittelt taucht vor uns der Marmorera-Stausee (km 22,5) auf, dessen 70 Meter hoher, grasbewachsener Erddamm sich nicht von der Landschaft abhebt. Am linken Ufer des Sees entlang, der seinen Namen übrigens dem alten Dorf Marmorera verdankt, das in dessen Fluten verschwunden ist, radeln wir ohne große Anstrengung in den waldreichen Kessel von Bivio (km 27,5) ein. Dessen Name leitet sich vom lateinischen bivium »Doppelweg« ab, da hier früher der Septimerpass ins Bergell abzweigte. Dieser ist leider schon längst verfallen und kann nur noch von Bergwanderern oder Mountainbikern, die auch vor Schiebe- oder Trageabschnitten nicht zurückschrecken, benutzt werden.Hinter dem engen Ortskern wendet sich unser Weiterweg nach Osten und auch die Straße steigt in der schnell alpiner werdenden Landschaft wieder auf 10 % an. Flachere Abschnitte sorgen jedoch dafür, dass dieser Streckenteil relativ zügig bewältigt werden kann, bis wir den Beginn einer Kehrenstrecke (km 31,0) erreichen. Diese ziehen sich, mit schönem Blick auf die Berge der Piz d' Err-Gruppe im Norden, nun deutlich anstrengender für uns zum Julier-Hospiz (km 35,5), dessen Umgebung schon als hochalpin bezeichnet werden kann. Bis zur Passhöhe (km 37,0) sind dann nochmals 1,5 km bei kaum einmal nachlassender Steigung von 10 % zu bewältigen. Die Passhöhe ist von einer ganzen Reihe von Felsbrocken bedeckt, die aussehen, als hätten Zyklopen sie hier oben verstreut, und aus denen deutlich zwei antike Steinsäulen herausragen, die von den Römern als Geschenk an ihre Götter aufgestellt wurden. Erheblich kürzer senkt sich die Straße nun über die Ostseite nach Silvaplana ins Oberengadin ab. Auf den 7,5 km sind dabei nur drei Kehren zu bewältigen und wenn das starke Gefälle von 11 % auch nur kurz erreicht wird, dürfte die Abfahrt rasch hinter uns liegen. Von hier nach St. Moritz zum Segantini-Museum sind auf ebener Strecke nur noch sechs Kilometer zurückzulegen.

Schwierigkeit:

Mittelschwere bis schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Leichte Radtour mit 11 % Höchststeigung

Dauer:

2,5 - 4 / 1 - 1,5

Befahrbarkeit:

Ganzjährig befahrbar

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour43 km
Höhenunterschied1435 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite – Ausgangspunkt: Tiefencastel, 851 m; Anfahrt: Autobahn Bregenz-Chur A 13 (Rheintalautobahn), Ausfahrt Zillis – Thusis – Sils – Tiefencastel Südseite – Ausgangspunkt: Silvaplana, 1815 m, ca. 6 km westlich von St. Moritz; Anfahrt: Autobahn Innsbruck-Bludenz A 12 (Inntalautobahn), Ausfahrt Zams/Landeck Ost – Pfunds – Martina – Scuol – Zernez – St. Moritz – Silvaplana
TourencharakterTiefencastel (km 0,0) – Oberhalbstein (km 6,0) – Cunter (km 8,5) – Savognin (km 9,5) –Tinizong (km 12,0) – Rona (km 15,0) – Sur (km 20,5) – Marmorera Stausee (km 22,5) – Bivio (km 27,5) – Julierhospiz (km 35,5) – Passhöhe (km 37,0) / Silvaplana (km 0,0) – Alp Alesch (km 5,0) – Passhöhe (km 7,5)
Hinweise
Schwierigkeit: Mittelschwere bis schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung / Leichte Radtour mit 11 % Höchststeigung, Dauer:2,5 - 4 / 1 - 1,5, Befahrbarkeit: Ganzjährig befahrbar
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
2284 m

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Rudolf Geser

Die schönsten Alpenpässe mit dem Rennrad

Die großen Alpenpässe für Rennradfahrer: 40 ausgewählte Routen in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz

Jetzt bestellen
Tags: 
Mehr zum Thema