Großer-St.-Bernhard-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
Es sind schon eine ganze Reihe berühmter Leute vor uns über den Großen-St.-Bernhard-Pass, der das Schweizerische Wallis mit dem italienischen Aostatal verbindet, gezogen. Die bekanntesten waren wohl Kaiser Napoleon, der mit 45.000 Soldaten, 5000 Pferden und 60 schweren Geschützen den Pass überschritt, um in der Schlacht von Marengo die Österreicher zu besiegen. Vor ihnen beschritt schon Karl der Große auf dem Weg zu seiner Krönung zum Kaiser in Rom diese Strecke und noch früher waren Cäsars Legionen im Verlauf der gallischen Eroberungskriege hier anzutreffen. Am bekanntesten von allen ist aber der karthagische Feldherr Hannibal, seiner Elefanten wegen, die er zur Eroberung Roms einsetzen wollte. Aber gerade dessen Anwesenheit dort ist unter Historikern stark umstritten. Zudem soll Letzterer, den Geschichtsbüchern zufolge ohnehin nicht sehr erfolgreich gewesen sein. Da er es ausgerechnet im Winter versuchte, soll er durch Lawinen und Schneestürme eine Vielzahl seiner Soldaten und fast alle Elefanten verloren haben.Heute ist der Weg über den Großen-St.-Bernhard-Pass durch den fast sechs Kilometer langen Scheiteltunnel zwar wintersicher ausgebaut, da wir allerdings die alte Passstraße vorziehen, müssen wir bis Anfang Juni warten. Damit auch unser Unternehmen nicht scheitert, sollten wir kräftig trainiert haben, denn 2000 Höhenmeter mit dem Fahrrad bei Höchststeigungen bis 11 % erfordern gute Kondition. Wer schon am Vortag in Martigny ankommt und sich die Zeit bis zum nächsten Tag etwas vertreiben möchte, dem sei ein Besuch des Museums Fondation Pierre Gianadda empfohlen. Es steht auf den Resten eines römischen Tempels, der 1976 bei Bauarbeiten entdeckt wurde, und enthält neben Funden aus der Römerzeit auch Kunstausstellungen und ein Automobilmuseum mit Raritäten aus der Zeit zwischen 1897 und 1939. Die Autos, die uns tags darauf auf der anfangs zur Schnellstraße ausgebauten Straße ins Val d' Entremont überholen, sind dann durchwegs aber neueren Datums. Über Les Valettes (km 6,0) steigt die Trasse dabei kaum an und erst hinter Sembrancher (km 11,5) warten die ersten 10 %igen Steigungen. Flachere Abschnitte gestatten über La Duay (km 15,5) aber immer wieder ein Kraft sparendes Vorankommen und bald ist Orsières (km 17,0) erreicht. Erst hier erinnert die Umgebung daran, dass wir uns auf einer Passstraße befinden und am Ort vorbei geht es über zwei weite Kehren mit 10 % Steigung aufwärts.Auch die Straße wird nun schmäler und steigt bei gleich bleibender Steigung kurvenreich nach Fontaine-Dessous (km 22,5) an. Über weitere Kehren kommt man nach Rive-Haute (km 23,5) und bei nachlassender Steigung nach Liddes (km 25,5). Hannibal, wenn er denn hier war, wäre um den langen Tunnel (km 29,0) hinauf nach Bourg-St-Pierre (km 30,5) froh gewesen. Wir dagegen können weder ihm noch den folgenden Galerien viel Gutes abgewinnen. Am Lac de Toules vorbei geht es bei auf 6 % zurückgehender Steigung höher und wer die Ausfahrt bei km 36,5 zur alten Passstraße übersieht, landet im 5828 m langen Scheiteltunnel, wo er allerdings von den Schweizer Grenzern gleich wieder zurückgeschickt wird. Den Galerien glücklich entronnen geht es an der Talstation der Seilbahn »Super-St.-Bernhard« vorbei auf schmaler Straße in ein immer öder werdendes Hochtal. Die Steigung fällt dabei kaum einmal unter 11 % zurück und so muss man sich den Höhengewinn auf kurvenreicher Strecke hart erarbeiten. Ein Combe des Mortes genannter Streckenabschnitt wird über vier Kehren, deren Steinböschungen sich kaum von der Umgebung unterscheiden, überwunden, dann liegt unvermittelt die Passhöhe (km 43,5) vor uns. Die Souvenirstände dort oben sind vor allem mit den bekannten Bernhardinerhunden bedeckt, die in Form von Plüschtieren in verschiedenen Größen feilgeboten werden. Im nahen Hospiz waren bis zur Einstellung der Zucht 2004 gut zwölf Hunde untergebracht. Der berühmteste unter ihnen, Barry I., der von 1800 bis 1812 etwa 40 Menschen, die sich nach Wetterstürzen hier verirrten oder unter Lawinen begraben wurden, das Leben gerettet hat, steht ausgestopft im Historischen Museum zu Bern.Sehenswürdigkeiten: Martigny: Museum Fondation Pierre Gianadda mit Funden aus der Römerzeit, Kunstausstellungen und Automuseum. Hospiz auf der Passhöhe mit Museum und Bernhardinerzucht. Aosta: AugustusTriumphbogen, Römisches Theater, Museum.

Schwierigkeit:

Schwere Radtour mit 11 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung

Dauer:

3,25 - 5 / 3,25 - 5

Befahrbarkeit:

Die alte Passstraße ist von 1. Juni bis 15. Okt. Geöffnet

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour76 km
Höhenunterschied2005 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite – Ausgangspunkt: Martigny, 471 m; Anfahrt: Autobahn Bern-Martigny A 12 und A 9, Ausfahrt Martigny oder über Furkapass (Tour 65), Grimselpass (Tour 66) oder Nufenenpass (Tour 69) durchs Rhônetal (Wallis) nach Martigny Südseite – Ausgangspunkt: Airolo, 583 m; Anfahrt: Autobahn Turin-Aosta A 5, Ausfahrt Aosta
TourencharakterMartigny (km 0,0) – Les Valettes (km 6,0) – Sembrancher (km 11,5) – La Duay (km 15,5) – Orsières (km 17,0) – Fontaine-Dessous (km 22,5) – Rive-Haute (km 23,5) – Liddes (km 25,5) – Bourg-St-Pierre (km 30,5) – Abzweigung Alte Passstraße (km 36,5) / Passhöhe (km 43,5) / Aosta (km 0,0) – Signayes (km 2,5) – Gignod (km 17,0) – Etroubles (km 15,5) – Saint Oyen (km 17,5) – Saint Rhémy (km 19,0) – Passhöhe (km 31,0)
Hinweise
Schwierigkeit:Schwere Radtour mit 11 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung, Dauer:3,25 - 5 / 3,25 - 5, Befahrbarkeit: Die alte Passstraße ist von 1. Juni bis 15. Okt. Geöffnet
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
2473 m

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