Grosse-Scheidegg-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
Die Große Scheidegg müsste eigentlich den Bergsteigern unter uns ein Begriff sein. Es ist ein Passübergang hoch über Grindelwald zu Füßen des 3701 Meter hohen Wetterhorn mit einer beeindruckenden Aussicht auf die Berge der Jungfrauregion. Im Gegensatz zur bekannteren Kleinen Scheidegg, welche sich direkt unterhalb so bekannter Gipfel wie Eiger, Mönch und Jungfrau erstreckt, kann die Große Scheidegg gut mit dem Fahrrad erreicht werden, wenn man längere Steigungsabschnitte mit 12 % Steigung nicht scheut. Eine kleine Einschränkung ist dabei allerdings zu machen. Während die Westseite von Interlaken aus durchgehend asphaltiert und im oberen Streckenteil sogar nur von Postautos und Anwohnern befahren werden darf, ist die Ostseite leider nicht durchgehend asphaltiert. Bei vorsichtiger Fahrweise kann sie allerdings ohne weiteres auch mit schmalen Drahtreifen gut befahren werden, was vor allen Dingen für diejenigen interessant ist, die in einer etwa 77 km langen Rundtour wieder nach Interlaken zurückkehren wollen.Vorerst ist in Interlaken (km 0,0), auf einer weiten Schwemmlandebene zwischen dem Thuner und Brienzer See gelegen, das von Einheimischen auch als das »Bödeli« bezeichnet wird, aber nur die Große Scheidegg unser Ziel. Wir verlassen den Kurort der Beschilderung »Grindelwald/Lauterbrunnen« folgend über den Ortsteil Matten und gelangen so zum Bauerndorf Wilderswil (km 1,5). Vorerst versteckt die Landschaft noch ihre Reize vor uns. Wir radeln in das dicht bewaldete Tal der Lütschine ein und bis zur Abzweigung nach Grindelwald bei Zweilütschinen (km 8,0) wechseln sich leichte Anstiege mit ebensolchen Abfahrten und ebenen Passagen ab. Das Tal weitet sich, aber ebenso wie die Aussicht lassen auch die Anstiege auf sich warten, denn von einer kurzen 6 %igen Steigung vor Gündlischwand (km 9,0) abgesehen rollt es fast eben bis Lütschental (km 11,0).Die Kräfte, die man sich bis hierher gespart hat, kann man nun aber brauchen. Die hier ansetzende 12 %ige Steigung hält sich nämlich bis zur Bahnstation Burglauenen (km 15,0), legt sich endlich zurück und lässt uns die ersten Häuser von Grindelwald auf ebener Trasse erreichen. Woher dessen Bezeichnung »Gletscherdorf« kommt, lässt sich erahnen, wenn über den grünen Wiesen der rechten Talseite der mächtige Eiger aufragt, während im Vorblick Wetterhorn und Schreckhorn dominieren. Klar wird es allerdings, wenn wir auf der mit 10 % ansteigenden Trasse, die von kurzen Abfahrten unterbrochen wird, durch den Ort radeln und plötzlich den Unteren Grindelwaldgletscher erkennen, der den Häusern der Ortschaft bedrohlich nahe gekommen ist. Seinen Ausgangspunkt hat er in fast 4100 Metern Höhe am Schreckhorn und zieht sich mehr als 9 km lang bis zu seinem tiefsten Punkt auf 1260 Meter Höhe herab.Es ist nicht der einzige Gletscher dieser Tour, wie wir bemerken werden, wenn wir auf mit 12 % ansteigender Trasse, die glücklicherweise von flacheren Abschnitten und kurzen Abfahrten unterbrochen wird, zum Parkplatz Oberer Gletscher beim Hotel Wetterhorn (km 24,0) hochradeln. Auch dieser zieht sich vom Schreckhorn herab und reicht bis direkt an die Straße heran. Diese wird nun schmäler, bleibt aber weiterhin asphaltiert und die wieder auf 12 % ansetzende Steigung lässt im weiteren Verlauf nicht mehr nach. Vorbei am Hotel Lauchbühel (km 26,0) kämpfen wir uns je nach Konditionsstand mehr oder weniger mühsam zur Passhöhe mit dem Hotel und den Souvenirständen (km 31,0) hoch. Vor mehr als 200 Jahren stand hier oben kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe, der im Herbst 1779 auf seiner zweiten Schweizer Reise von Grindelwald über die Große Scheidegg nach Meiringen wanderte. Über die Gefahren, die er dort hinab überwinden musste, ist wenig bekannt, wir dagegen müssen uns auf der knapp 17 km langen Abfahrt über die Ostseite nach der Schwarzwaldalp (km 36,5) vor den Abwasserrillen und Weiderosten in Acht nehmen, um sicher hinunter nach Willigen (km 47,5) zu gelangen.

Schwierigkeit:

Mittel- bis schwere Radtour mit 12 % auf langen Abschnitten / Mittel- bis schwere Radtour mit 14 %

Dauer:

2,25 - 3,5 / 2 - 3

Befahrbarkeit:

Je nach Schneelage nur von Mai und Oktober befahrbar

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour48 km
Höhenunterschied1395 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWestseite – Ausgangspunkt: Interlaken, 567 m; Anfahrt: Autobahn Luzern-Bern A 8, Ausfahrt Wilderswil-Interlaken. Ostseite – Ausgangspunkt: Abzweigung an der Hauptstraße Meiringen – Innertkirchen, 2 km vor Innertkirchen gegenüber Gasthof Zum Lammi, 595 m. Hier Beschilderung »Schwarzwaldalp/Rosenlaui« folgen. Anfahrt: Autobahn Luzern-Interlaken A 8, Ausfahrt Brienz-Meiringen. In Meiringen weiter Richtung Innertkirchen
TourencharakterInterlaken (km 0,0) – Widerswil (km 1,5) – Zweilütschinen (km 8,0) – Gündlischwand (km 9,0) – Lütschental (km 11,0) – Burglauenen (km 15,0) – Grindelwald (km 17,0) – Hotel Wetterhorn (km 24,0) – Hotel Lauchenbühel (km 26,0) – Passhöhe (km 31,0) / Abzweigung bei Gasthof Zum Lammi (km 0,0) – Gasthof Zwirgi (km 2,0) – Restaurant Kaltenbrunnen (km 3,0) – Hotel Rosenlaui (km 6,0) – Chalet Schwarzwaldalp (km 8,5) – Passhöhe (km 16,5)
Hinweise
Schwierigkeit: Mittel- bis schwere Radtour mit 12 % auf langen Abschnitten / Mittel- bis schwere Radtour mit 14 %, Dauer: 2,25 - 3,5 / 2 - 3, Befahrbarkeit: Je nach Schneelage nur von Mai und Oktober befahrbar
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
1962 m

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