Grimsel-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
36 km
410 m
1.00 h
Die einzige Verbindung, um vom obersten Rhonetal hinüber ins Berner Oberland zu gelangen, ist, von der Autoverladung durch den Lötschbergtunnel abgesehen, der Grimselpass. Wenn wir die Fahrt von Süd nach Nord unternehmen, ist der Ort Gletsch (km 0,0) unser Ausgangspunkt. Ort ist eigentlich zu viel gesagt, denn er scheint nur aus dem großen, aus groben Steinquadern errichteten, sechsstöckigen Komplex des Hotels Glacier du Rhône zu bestehen. Und dieses ist es wert, sich näher damit zu befassen. Es stammt noch aus der Zeit um die Jahrhundertwende, der so genannten Belle Époque, als sich vor allem reiche und unternehmungslustige Engländer daranmachten, die Alpen zu erobern. Der heutige Besitzer hat den Versuch unternommen, den Stil des Hauses nicht zu verändern und sogar die ursprüngliche Einrichtung und die Möbel original zu belassen. Sogar die Tapeten stammen noch aus dieser Zeit und so fühlt man sich im Inneren des ehrwürdigen Hauses noch wirklich in die Zeit um die Wende des vorigen Jahrhunderts zurückversetzt. Damals war es tatsächlich noch eine Sensation, als sich 1915 eine Engländerin im Auto von Interlaken über den Grimselpass nach Gletsch chauffieren ließ. Ein Ereignis, das in allen Zeitungen des Kontinents und der Britischen Inseln zu lesen stand.Wenn wir uns heute mit dem Rad auf den Weg über den Grimselpass machen, ist dies bestimmt keine Sensation. Ganz im Gegenteil, mit sechs Kilometern Länge und einem Höhenunterschied von 406 Metern ist es eigentlich kaum der Rede wert. Vielleicht reicht die Zeit also noch zu einem Spaziergang auf dem gleich hinter dem Hotel bei der englischen Kapelle beginnenden Lehrpfad, der auf seltene Alpenpflanzen und gletscherkundliche Phänomene hinweist. Man möchte es kaum glauben, aber der Rhônegletscher, dessen kläglichen Rest wir vielleicht schon bei der Fahrt über den Furkapass bewundern durften, reichte vor nicht einmal 100 Jahren bis nahe an das Hotel heran und in seinen besten Tagen sogar bis Lyon in Frankreich.Nicht ganz so weit müssen wir radeln, um auf den ersten Kilometerstein mit der Aufschrift »km 0« zu treffen, wir finden ihn schon nach wenigen Pedalumdrehungen am Beginn der Auffahrt. Auf einen weiteren Kilometerstein werden wir nicht mehr treffen, dafür aber auf sechs gleichmäßige Kehren, deren Steigung zwar 9 % nie über-, dafür aber auch nicht wesentlich unterschreitet. Diese eröffnen uns die Aussicht auf Galenstock, Rhonegletscher und die Serpentinen der Furka-Passstraße im Osten, während sich, nun schon etwas unter uns, die hier noch junge Rhone, in diesem Teil des Wallis auch Rotten genannt, ihren Weg sucht. Die Passhöhe kündigt der kleine Totensee (km 5,5) an, der seinen makaberen Namen angeblich im Jahre 1799 erhielt, als die Gefallenen der Kämpfe zwischen Österreichern und Franzosen hier versenkt worden sein sollen. Auf ebener Trasse erreichen wir wenig später die Passhöhe (km 6,0), deren weitere Umgebung als grandios zu bezeichnen ist. Es ist eine fast gigantisch anmutende Szenerie aus eisgepanzerten Granitwänden und firngekrönten Gipfeln, von denen sich riesige Gletscherströme herabziehen, um sich in fjordartige, kilometerlange Stauseen zu ergießen. Die fast 30 km lange Abfahrt, die sich nun über mehrere Talstufen in den Kanton Bern hinabsenkt, ist deshalb ein fesselndes Erlebnis mit immer neuen Ausblicken. Vom Gletschereis glatt geschliffene Felswände aus Aaregranit wechseln dabei mit zu Talsperren aufgestauten kilometerlangen Stauseen ab und nicht einmal den zur Nutzung der Wasserkraft errichteten Bauten wie Druckstollen, Turbinenhäusern, Staumauern und Starkstromleitungen mag es gelingen, den grandiosen Eindruck nachhaltig zu stören. Gut ausgebaut wurde die Trasse in den letzten Jahren zudem, ermöglicht somit einen zügigen Abfahrtsverlauf, der durch mehrere, bis zu 500 Meter lange Tunnels nur hin und wieder eingebremst wird. In Innertkirchen (km 33,5) ist es eigentlich schade, dass man die Abfahrt schon hinter sich hat. Aber dafür hat man die Auffahrt zum Sustenpass (Tour 67) nun vor sich.

Schwierigkeit: Leichte Radtour mit 9 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 11 % Höchststeigung - Dauer: 0,75 - 1,25 / 3 - 4
Befahrbarkeit: 15. Juni bis 15. Oktober

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour36 km
Höhenunterschied410 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSüdseite – Ausgangspunkt: Gletsch, 1759 m; Anfahrt: entweder über den Furkapass von Hospental nach Gletsch (Tour 65) oder durch das Rhônetal (Wallis) nach Gletsch Nordseite – Ausgangspunkt: Innertkirchen, 622 m; Anfahrt: Autobahnverbindung Luzern-Bern A 8, Ausfahrt Brienz – Meiringen – Innertkirchen
Hinweise
Schwierigkeit: Leichte Radtour mit 9 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 11 % Höchststeigung, Dauer:0,75 - 1,25 / 3 - 4, Befahrbarkeit: 15. Juni bis 15. Oktober
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Informationen
Wegen der bis zu 500 m langen Tunnels auf der Nordseite ist Beleuchtung notwendig.
Höchster Punkt
2165 m

Buchtipp

Rudolf Geser

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