Giau-Passstraße

Alpenpässe in Italien (Autor: Rudolf Geser)
28 km
1030 m
1.00 h
Der Giaupass ist die kürzeste Verbindung vom Ampezzaner Tal hinüber in die Fiorentina, wie das Gebiet am nördlichen Wandfuß der Civetta und weiter ins Buchenstein, das als Verbindungsstrecke der Großen Dolomitenstraße zum Pordoi Joch hinaufzieht, genannt wird. Er gehört weder zu den touristisch bedeutenden noch zu den verkehrsmäßig wichtigen Straßenverbindungen in den Dolomiten und dennoch möchte ich eigentlich jedem Radler, der gerne in den Dolomiten unterwegs ist, seine Befahrung empfehlen. Zum einen ist er, wenn man dies bei Pässen so sagen kann, noch ein sehr junger Pass. Erst 1968 ist er für Kraftfahrzeuge durchgehend befahrbar und auch erst seit wenigen Jahren gänzlich asphaltiert, wobei an seinem Ausbau nicht gespart wurde und er sich für seine geringe verkehrsmäßige Bedeutung in hervorragendem baulichen Zustand präsentiert. Seine Gesamtlänge zwischen Cortina d' Ampezzo im Norden und Selva di Cadore im Süden beträgt 26 km, wobei ein Höhenunterschied von 1026 Metern zu überwinden ist. Auf der Nordseite sind neben zahlreichen Kurven insgesamt 24 Kehren zu überwinden, während auf der Südseite 22 Kehren zu meistern sind. Die Höchststeigung beträgt auf der Nordseite 12 %, auf der Südseite 14 %. Wesentlich mehr hervorzuheben ist allerdings die landschaftliche Schönheit des Passes, die mich immer wieder in Versuchung bringt, seinen Namen recht frei mit »Schau-Pass« zu übersetzen, den herrlichen Eindrücken wegen, die er vermittelt. Wer nun aber vielleicht immer noch nicht genau weiß, wo sich der Giaupass befindet: Er liegt unmittelbar südlich des Falzáregopasses und kann als lohnende Alternative diesem gegenüber in Betracht gezogen werden, wenn man es hinüber ins Buchenstein zwar etwas länger, dafür aber deutlich verkehrsärmer haben möchte. Startet man von Cortina d' Ampezzo (km 0,0) aus, muss man die ersten Kilometer bis Pocol (km 5,5) wie in Tour 22 beschrieben noch auf dem Falzáregopass zurücklegen. In der kleinen Hotelsiedlung zu Füßen der hoch aufstrebenden Felswände der Tofanen dürfen wir dann das links abzweigende, mit »Pso. d. Giau« ausgeschilderte Sträßchen nicht übersehen. Auf gut zwei Kilometer Länge rollen wir dann erst einmal in das Wiesental des Costeanabaches abwärts, bevor es durch dichten Lärchenwald mit 12 % Steigung kehrenreich nach oben geht. Hin und wieder zeigen sich über den Wäldern die abweisenden, glatten Felsmauern der Tofanen im Norden jenseits des Falzáregopasses und wer auf diesem jemals während der Hauptreisezeit mit dem Fahrrad unterwegs war, wird die Ruhe hier erst recht zu schätzen wissen. Zwischen km 10 und 11 lässt auch die Steigung deutlich nach und längere flachere Abschnitte lassen uns vorübergehend etwas schneller vorankommen, aber mit dem Beginn einer Kehrenstrecke nimmt auch die Steigung wieder auf 12 % zu. Im Berichtsjahr zeigte bei km 12,0 eine Höhenangabe an, dass man sich bereits auf 1800 Metern Höhe befindet, welche auch die Waldgrenze bildet. Wir radeln in einen Hochkessel ein, dessen grüne Almmatten im Nordwesten von den skurril geformten Cinque Torri und im Südwesten von der mauergleichen Croda da Lago umschlossen werden, während im Vorblick schon der zackige Felsaufbau des Nuvolaustockes über der Passhöhe erkennbar ist. Wer aufpasst, kann neben der Straße eine aus unbehauenen Steinen errichtete Mauer erkennen, welche das ganze Tal zu durchqueren scheint. Es ist die Murogna di Giau, die bis 1918 den österreichisch-italienischen Grenzverlauf dokumentierte. Der Sage nach soll sie im Jahre 1752 von den Einwohnern der Gemeinde San Vito in einem Tag errichtet worden sein. Sie erfüllten damit eine schier unmöglich erscheinende Bedingung der Bewohner des Ampezzaner Tales und gewannen so strittigen Boden. Auch wir müssen uns noch etwas anstrengen, denn die 12 %ige Steigung lässt nur hin und wieder nach. Erst bei km 15,0 legt sie sich zurück und bald ist die Passhöhe (km 16,0) mit dem Rifugio im Taleinschnitt zwischen Ra Gusela und Col Piombin erreicht. Dort kann man dann bei einem Cappuccino die weit reichende Aussicht zurück auf die Ampezzaner Berge genießen, während sich von der Gipfelpracht im Westen vor allem die über 3000 Meter hohe Marmolada mit ihren im Sonnenlicht gleißenden Gletschern hervorhebt. Und dann darf man sich natürlich auf die Abfahrt über die Südrampe hinunter nach Selva di Cadore freuen.

Schwierigkeit: Mittelschwere Radtour mit 12 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 14 % Höchststeigung. Dauer: 1,5 - 2,5 / 1,5 - 2,5. Befahrbarkeit: 1. Mai bis 31. Oktober.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour28 km
Höhenunterschied1030 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite: Cortina d'Ampezzo, 1026 m; Südseite: Abzweigung vor Selva di Cadore, 1300 m
TourencharakterDer Giaupass ist die kürzeste Verbindung vom Ampezzaner Tal hinüber in die Fiorentina, wie das Gebiet am nördlichen Wandfuß der Civetta und weiter ins Buchenstein, das als Verbindungsstrecke der Großen Dolomitenstraße zum Pordoi Joch hinaufzieht, genannt wird. Er gehört weder zu den touristisch bedeutenden noch zu den verkehrsmäßig wichtigen Straßenverbindungen in den Dolomiten und dennoch möchte ich eigentlich jedem Radler, der gerne in den Dolomiten unterwegs ist, seine Befahrung empfehlen. Zum einen ist er, wenn man dies bei Pässen so sagen kann, noch ein sehr junger Pass. Erst 1968 ist er für Kraftfahrzeuge durchgehend befahrbar und auch erst seit wenigen Jahren gänzlich asphaltiert, wobei an seinem Ausbau nicht gespart wurde und er sich für seine geringe verkehrsmäßige Bedeutung in hervorragendem baulichen Zustand präsentiert. Seine Gesamtlänge zwischen Cortina d' Ampezzo im Norden und Selva di Cadore im Süden beträgt 26 km, wobei ein Höhenunterschied von 1026 Metern zu überwinden ist. Auf der Nordseite sind neben zahlreichen Kurven insgesamt 24 Kehren zu überwinden, während auf der Südseite 22 Kehren zu meistern sind. Die Höchststeigung beträgt auf der Nordseite 12 %, auf der Südseite 14 %. Wesentlich mehr hervorzuheben ist allerdings die landschaftliche Schönheit des Passes, die mich immer wieder in Versuchung bringt, seinen Namen recht frei mit »Schau-Pass« zu übersetzen, den herrlichen Eindrücken wegen, die er vermittelt. Wer nun aber vielleicht immer noch nicht genau weiß, wo sich der Giaupass befindet: Er liegt unmittelbar südlich des Falzáregopasses und kann als lohnende Alternative diesem gegenüber in Betracht gezogen werden, wenn man es hinüber ins Buchenstein zwar etwas länger, dafür aber deutlich verkehrsärmer haben möchte.
Beste Jahreszeit
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Südtirol/Venetien
VerkehrsanbindungNordseite – Ausgangspunkt: Cortina d'Ampezzo, 1026 m; Anfahrt: Brennerautobahn A 22, Ausfahrt Bressanone/Brixen – Bruneck – Toblach – Schluderbach – Cortina d'Ampezzo Südseite – Ausgangspunkt: Abzweigung vor Selva di Cadore, 1300 m; Anfahrt: Canazei – Pordoijoch – Arabba – Andraz – Selva di Cadore
Höchster Punkt
2236 m

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