Furka-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
28 km
960 m
2.00 h
Um von der St.-Gotthard-Route aus dem Urseren Tal hinüber ins oberste Wallis, auch Goms genannt, zu gelangen, könnte man es sich bequem machen. Man müsste nur das Rad im Auto verstauen und beides in einen Eisenbahnwagon der Furka-Oberalp-Bahn verladen, welche die Strecke zwischen den Bahnhöfen Realp im Kanton Uri und Oberwald im Kanton Wallis in nur 20 Minuten Fahrzeit bewältigt. Allerdings versäumt man dann eine landschaftlich hochalpine Passroute, die zudem eine Besonderheit aufweisen kann, wie sie im gesamten Alpenraum ziemlich einmalig ist. Aber dazu später.Zuerst setzen wir uns in Hospental (km 0,0), etwa 2 km westlich von Andermatt, aufs Rad und rollen auf den nächsten Kilometern erst einmal leicht abwärts. Kurz vor Realp (km 5,5), der östlichen Bahnverladestation, nimmt die Steigung gleich auf ansehnliche 11 % zu und über mehrere Kehren gewinnt man an Höhe. Rückblickend eröffnen sich schöne Ausblicke auf die Berge der Gotthard-Gruppe im Süden, während man im Osten den Verlauf der Kehren, die sich zum Oberalppass (Tour 62) hochziehen, gut verfolgen kann. Über uns ist die Häusergruppe um das Hotel Galenstock (km 10,5) bereits zu erkennen, welches bei nicht nachlassender Steigung von 11 % über insgesamt sieben Kehren erreicht wird. Von hier hat man dann sogar den weiteren Straßenverlauf bis hoch zur Passhöhe in Sicht, die allerdings noch ein gutes Stück entfernt ist.Hoch über dem steinigen Bachbett der Furkareuss hält sich die Strecke weiter mit Steigungen zwischen 8 und 10 %, dafür aber völlig kehrenlos, an den Hängen der rechten Talseite. Die ohnehin spärliche Vegetation lässt ganz nach, immer unwirtlicher wird die Umgebung und wer eine Erfrischung braucht, kann diese bei der Poststation Tiefenbach (km 12,5) erhalten. Eine Erfrischung anderer Art bieten die nunmehr immer wieder von den felsigen Hängen des Winterstocks herabschießenden Wasserbäche, welche schäumend und gurgelnd in kleinen Kanälen unter der Straße verschwinden. Bei km 16,0 sind nochmals zwei Kehren zu überwinden, die uns zum Furkahotel (km 17,0) hochführen. 500 Meter sind es dann noch bei mäßiger Steigung zur wenig interessanten Passhöhe (km 17,5).Anhalten sollte man erst einige hundert Meter weiter bei einem kleinen Parkplatz, der eine schöne Aussicht auf den unter uns liegenden Talkessel des Rhônetales mit der zum Grimselpass (Tour 66) hochführenden Kehrengruppe bietet, welche direkt in die vergletscherten Spitzen und Zacken der Berner Alpen hineinzuführen scheint, wo zwischen den Erhebungen von Fiescherhörnern und Lauteraarhorn sogar die Spitze des Eigers zu erkennen ist.Dies war allerdings noch nicht die Überraschung, von der anfangs die Rede war. Diese folgt knapp 2,5 km weiter und 200 Höhenmeter tiefer beim Hotel Belvédère (km 20,0). Gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite reicht der Rhônegletscher fast bis direkt an die Straße. Freilich ist es nur noch der klägliche Rest einer einstmals gigantischen Eismasse, die noch im Jahre 1818 den Talboden unter uns vollständig ausfüllte und während der letzten Eiszeit sogar das gesamte Wallis bedeckte. Trotzdem, beeindruckend ist es schon, denn nirgendwo sonst kann man praktisch direkt vom Rad auf einen Gletscher steigen.Und wer will, kann sogar durch einen gut 100 Meter langen Tunnel in den Gletscher hineinwandern. Es ist schon ein sonderbares Gefühl, zwischen gespenstisch ächzenden und knackenden Eiswänden im Schein schwacher Glühbirnen in das Innere vorzudringen und plötzlich vor einem Eisbären zu stehen. Es ist zum Glück nur ein als Eisbär verkleideter Souvenirverkäufer, der neben einem Fotografen seine Dienste anbietet.Wohlbehalten wieder im Freien geht es dann über eine lang abfallende Straße mit 11 % Gefälle abwärts. Anfangs noch recht gut ausgebaut scheint sie manchmal in gewagter Streckenführung direkt an die linksseitige Talmoräne geklebt zu sein. Im unteren Teil wird der Belag deutlich schlechter und kurz vor Gletsch (km 25,0) gilt es beim Überqueren der Furkabahn, einer eingleisigen Zahnrad-Dampfbergbahn, die offiziell 1941 eingestellt und inzwischen wieder eröffnet wurde, unseren schmalen Reifen zuliebe nochmals auf Schritttempo abzubremsen.Sehenswürdigkeiten: Rhonegletscher mit Gletschergrotte gegenüber dem Hotel Bélvèdere. Gletsch: Hotel Glacier du Rhône aus der Belle Époque; Gletscherlehrpfad bei der englischen Kapelle hinter dem Hotel. Wer bei seiner Fahrt über die Furkapassstraße eine Übernachtungsmöglichkeit sucht, dem sei das Grand Hotel Glacier du Rhône in Gletsch empfohlen. Der sechsstöckige Komplex aus groben Steinquadern ist nicht zu übersehen. Was ihn von den anderen Hotels der Umgebung abhebt, ist die Tatsache, dass der Bau noch aus der Jahrhundertwende, der Belle Époque, stammt, als sich reiche und abenteuerlustige Engländer daranmachten, die Alpen zu erobern. Einrichtung, Möbel, sogar die Tapeten stammen noch aus dieser Zeit des Fin de Siècle und so fühlt man sich hier um ein Jahrhundert zurückversetzt.

Schwierigkeit:

Mittelschwere Radtour mit 11 % Höchststeigung auf längeren Abschnitten / Leichte bis mittelschwere Radtour mit 11 % Höchststeigung

Dauer:

1,75 - 2,25 / 1,25 - 2

Befahrbarkeit:

1. Juni bis 31. Oktober

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour28 km
Höhenunterschied960 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOstseite – Ausgangspunkt: Hospental, 1480 m, ca. 3 km westlich von Andermatt; Anfahrt: entweder über den Oberalppass (Tour 62) oder Autobahn Zürich-Bellinzona A 2 (Gotthardautobahn), Ausfahrt Göschenen – Andermatt Westseite – Ausgangspunkt: Gletsch, 1757 m; Anfahrt: entweder über den Nufenpass von Airola nach Ulrichen (Tour 69) und über Oberwald nach Gletsch oder über den Sustenpass von Innertkirchen nach Gletsch (Tour 67) oder durch das Rhonetal (Wallis) nach Gletsch
Hinweise
Schwierigkeit: Mittelschwere Radtour mit 11 % Höchststeigung auf längeren Abschnitten / Leichte bis mittelschwere Radtour mit 11 % Höchststeigung, Dauer:1,75 - 2,25 / 1,25 - 2, Befahrbarkeit:1. Juni bis 31. Oktober
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
2436 m

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