Falzárego-Passstraße

Alpenpässe in Italien (Autor: Rudolf Geser)
28 km
910 m
2.00 h
Der Falzáregopass führt von Cortina d`Ampezzo hinüber ins Buchenstein, wie das im Italienischen als Livinallongo bezeichnete waldreiche und enge Quelltal des Cordevole genannt wird, nach Andraz. Wie man in vielen Schriften nachlesen kann,war er schon von alters her ein viel begangener Weg, der sich über das Joch zwischen der Fanes-Tonfana-Gruppe im Westen und dem Nuvolaustock im Osten wand. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur dass die Strecke nunmehr breit und gut ausgebaut ist und die Menschen überwiegend mit Kraftfahrzeugen unterwegs sind. Einige bewältigen sie allerdings auch mit dem Fahrrad,wozu es zwar schon etwas Training bedarf, mit nicht einmal 1000 Höhenmetern auf 16,5 Streckenkilometern mit Höchststeigungen bis 11 % auf der schwereren, der Ostseite, werden die Anforderungen aber noch nicht allzu hoch geschraubt.Vielleicht noch ein kleiner Hinweis, als östliches Teilstück der Großen Dolomitenstraße, die weiter über das Pordoi Joch (Tour 27) und dem Karerpass (Tour 31) nach Bozen führt, nimmt das Verkehrsaufkommen zu Hauptreise- und Ferienzeiten durch den Touristenverkehr nochmals zu. Dann ist auch in unserem Ausgangspunkt, dem weltbekannten Wintersportort und Schauplatz der Olympischen Winterspiele 1956, Cortina d` Ampezzo, kaum mehr ein freies Zimmer zu bekommen und auch die Straßen und Wege durch den Ort sind dann mit Autos und Menschen so voll gestopft, dass selbst mit dem Fahrrad kaum mehr ein Durchkommen möglich erscheint. Außerhalb dieses Zeitraumes kann man Cortina aller- dings noch als ruhiges, fast beschauliches Städtchen erleben und man sollte sich Zeit nehmen, einige der Sehenswürdigkeiten des Ortes zu besichtigen. Das Olympia-Eisstadion etwa oder die Olympiaschanze im Vorort Zuel oder die Pfarrkirche mit dem wuchtigen Glockenturm, die im byzantinischen Stil um 1776 erbaut wurde und schöne Decken- und Wandgemälde aufweisen kann,oder den großen Dolomitenblock mit dem Bronzebildnis von Deodat Dolomieu (1750–1801), nach dem das Dolomitgestein benannt wurde. Wer nun aber die Dolomiten in ganzer Pracht erleben will, der verlässt Cortina (km 0,0) in westlicher Richtung über die noch im Ort ansetzenden Kehren mit gleichmäßigen 11 % Steigung. Nach 3,5 km kann man vor Durchfahrung eines 20 m kurzen Felstunnels noch einen letzten Blick zurück auf den im Talboden des Boite verstreuten Ort und die dahinter aufragende Bergwelt mit der mächtigen Cristallogruppe werfen, dann bringen uns weitere nummerierte, teilweise auch mit Höhenangaben versehene Kehren nach Pocol (km 5,5). An der Abzweigung zum Giaupass (Tour 23) vorbei, der eine landschaftlich ebenfalls lohnende und deutlich verkehrsärmere Alternative bieten würde, radeln wir bei kaum nachlassender Steigung aufwärts. Überraschend legt sich die Trasse nach 8 km zurück und verläuft auf den beiden nächsten km fast eben. Dann nimmt die Steigung wieder auf 11 % zu und während wir uns unterhalb der Südabstürze der Tofana höher schrauben, erkennen wir zur Linken den sonderbar geformten Felsstock der Cinque Torri. Kehre 16 (km 13,0) deutet an, dass noch 3,5 km zur Passhöhe vor einem liegen, und in Kehre 21 kann man ablesen, dass man 2020 m hoch ist. Die restlichen knapp 100 Höhenmeter zum Pass (km 16,5) überwindet man bei nachlassender Steigung etwas schneller. Der Gipfelsturm muss dort noch nicht zu Ende sein,man kann nochmals 75 Höhenmeter dazulegen, mit der 1,5 km langen Auffahrt mit Steigungen bis 11 % zur Valparolapasshöhe (Tour 24). Wer noch etwas höher hinauf will, müsste die 1965 eröffnete Seilbahn auf den kleinen Lagazuoi benutzen, die bis in 2779 Meter Höhe führt und ein umfassendes Panorama über die Dolomiten eröffnet.Von der Passhöhe selbst erblickt man die 3342 Meter hohe, vergletscherte Marmolada, die zu Recht Königin der Dolomiten genannt wird, während in der näheren Umgebung der freistehende Sasso di Stria und der berüchtigte Col di Lana zu nennen sind. Letzterer wurde von den Italienern im Ersten Weltkrieg mit 5024 kg Dynamit in die Luft gesprengt und ging als »Col di Sangue«, als Blutberg, in die Geschichte ein. Auch wenn sich die Passhöhe, den Wetterverhältnissen entsprechend, hoffentlich in gutem Licht präsentiert, darf man dennoch nicht vergessen, dass die ganze Umgebung im Ersten Weltkrieg heiß umkämpft war. Überall finden sich hier noch alte, teilweise restaurierte Felsunterstände, Schützengräben und Stellungen, die an die Geschehnisse aus der Zeit zwischen 1914 und 1918 erinnern, als sich italienische Alpinisoldaten und österreichisch-ungarische Kaiserjäger unversöhnlich gegenüberstanden. Wer dem Verlauf der Seilbahntrasse zum Kleinen Lagazuoi folgt, kann etwa auf halber Höhe ein zeitgeschichtliches Dokument aus dieser Zeit erkennen. Es ist die Cengia Martini, wie die breite Felsstufe,welche die Wand des Kleinen Lagazuoi hier etwa in halber Höhe durchschneidet, nach dem Kommandanten des italienischen Bataillons benannt wurde, der dieses am 20. Oktober 1915 besetzte. Dies brachte ihnen einen strategischen Vorteil gegenüber den tiefer gelegenen österreichischen Stellungen, bis diese einen Tunnel in den Berg trieben und, wie die Italiener am Col di Lana, die Befestigungsanlagen sprengten. Wir wollen hoffen, dass sich diese Geschehnisse nie mehr wiederholen werden, und machen uns an die elf Kilometer lange Abfahrt über die Südwestseite. Die ersten Kehren mit Kopfsteinpflaster und einem 50 Meter langen unbeleuchteten Kehrentunnel sollten wir vorsichtig angehen, dann kann man es bei Gefälle bis 8 % etwas zügiger laufen lassen. Ein Blick noch auf einen mit Felstrümmern bedeckten Kessel im oberen Bereich, dessen dem Verfall preisgegebenes Anwesen einst als Jugendheim gedacht war, dann ragt das sonderbar geformte Horn des Hexensteins aus den Wäldern der westlichen Talseite und fast in Andraz erkennen wir auf einem mächtigen Dolomitblock Castel Andraz, das bereits im 6. Jahrhundert von den Ostgoten erbaut worden sein soll.

Schwierigkeit: Mittelschwere Radtour mit 11 % Höchststeigung / Leichte Radtour mit 8 % Höchststeigung. Dauer: 1,5 - 2,25 / 1,25 - 2. Befahrbarkeit: Ganzjährig befahrbar.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour28 km
Höhenunterschied910 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOstseite: Cortina d'Ampezzo, 1210 m; Westseite: Andraz, 1428 m
TourencharakterDer Falzáregopass führt von Cortina d'Ampezzo hinüber ins Buchenstein, wie das im Italienischen als Livinallongo bezeichnete waldreiche und enge Quelltal des Cordevole genannt wird, nach Andraz. Wie man in vielen Schriften nachlesen kann, war er schon von alters her ein viel begangener Weg, der sich über das Joch zwischen der Fanes-Tonfana-Gruppe im Westen und dem Nuvolaustock im Osten wand. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur dass die Strecke nunmehr breit und gut ausgebaut ist und die Menschen überwiegend mit Kraftfahrzeugen unterwegs sind. Einige bewältigen sie allerdings auch mit dem Fahrrad, wozu es zwar schon etwas Training bedarf, mit nicht einmal 1000 Höhenmetern auf 16,5 Streckenkilometern mit Höchststeigungen bis 11 % auf der schwereren, der Ostseite, werden die Anforderungen aber noch nicht allzu hoch geschraubt. Vielleicht noch ein kleiner Hinweis, als östliches Teilstück der Großen Dolomitenstraße, die weiter über das Pordoi Joch (Tour 27) und dem Karerpass (Tour 31) nach Bozen führt, nimmt das Verkehrsaufkommen zu Hauptreise- und Ferienzeiten durch den Touristenverkehr nochmals zu.
Beste Jahreszeit
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Südtirol/ Venetien
VerkehrsanbindungOstseite – Ausgangspunkt: Cortina d'Ampezzo, 1210 m; Anfahrt: Brennerautobahn A 22, Ausfahrt Bressanone/ Brixen – Bruneck – Toblach – Schluderbach – Gemärkpass – Cortina d'Ampezzo Westseite – Ausgangspunkt: Andraz, 1428 m; Anfahrt: Brennerautobahn A 22, Ausfahrt Chiusa/Val Gardena – St. Ulrich – St. Christina – Wolkenstein – Sellajoch – Pordoijoch – Arabba – Andraz
Höchster Punkt
2117 m

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Rudolf Geser

Die schönsten Alpenpässe mit dem Rennrad

Die großen Alpenpässe für Rennradfahrer: 40 ausgewählte Routen in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz

Jetzt bestellen
Tags: 
Mehr zum Thema