Bernina-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
49 km
525 m
1.00 h
Mitten hinein in eine der großartigsten Gletscherlandschaften der Ostalpen führt uns der Berninapass, der das Oberengadin mit dem Val Poschiavo, dem Puschlav, verbindet. Es ist die Berninagruppe, die mit dem 3905 m hohen Piz Palü und dem 4049 m hohen Piz Bernina, dem einzigen Viertausender der Ostalpen, nicht nur die höchsten, sondern auch die schönsten Berge der Ostalpen aufweisen kann. Während sich die Alpinisten diese Gipfel allerdings recht mühsam und beschwerlich erklettern müssen, ist unsere Kletterpartie mit dem Rad zur Passhöhe den leichteren Touren zuzurechnen. Allerdings nur, wenn wir die Auffahrt über die Nordseite von Pontresina aus in Angriff nehmen, denn die Südseite von Tirano im Addatal durch das Puschlav mit ihren fast 1900 Höhenmetern auf 39,5 km Länge zählt zu den schweren Touren.Wer sich bei der Anfahrt durch das Oberengadin über Ortsnamen wie S-chanf oder La-Punt-Chamues-ch gewundert hat, es ist Rätoromanisch, das außer in Teilen Graubündens nur noch in Teilen Südtirols und Friauls gesprochen wird. Wer in Pontresina (km 0,0), unserem Ausgangspunkt, eines der alten Häuser im Engadiner Stil besichtigen kann, wird feststellen, dass der Wohnraum dort noch »stüra« heißt, die Küche »chadato« und die Speise- und Vorratskammer »chaminada«. Radlern aus dem bayerischen Raum sollte dieser Dialekt eigentlich bekannt vorkommen, denn das Rätoromanische geht auf die römische Provinz Rätinen (lat. Raetia) zurück, die um 15 v. Chr. mit einer Ausdehnung von der oberen Donau im Norden bis zu den oberitalienischen Seen im Süden und vom St. Gotthardpass im Westen bis zum Brennerpass im Osten auch Bayern umfasste.Nun aber aufs Rad und auf flacher Straße hinein ins Berninatal, das schon nach wenigen hundert Metern mit dem Roseggtal einen Blick auf die Bergspitzen der Berninagruppe eröffnet. An dessen Abzweigung (km 3,5) vorbei steigt die Straße auf 8 % an und über zwei Kehren erreicht man einen Parkplatz, der mit dem bezeichnenden Namen Montebello »Schöne Aussicht« noch untertrieben beschildert scheint. Der Blick, der sich hier nach Süden über den weiten Kessel des Morteratschtales mit der sich dahinter auftürmenden Gletscherlandschaft auftut, zählt zu den großartigsten im Alpenraum. Es sind die höchsten Berge der Berninagruppe mit dem 3905 Meter hohen Piz Palü und dem 4049 Meter hohen Piz Bernina, dem einzigen Viertausender der Ostalpen, die sich dort in blendendem Weiß über den Arven- und Lärchenwäldern der Talschaft präsentieren. Bergsteiger mögen vielleicht den berühmten Biancograt am Piz Bernina erkennen, einer einmalig messerscharf geschwungenen Gratschneide aus Firn und Eis, die trotz ihrer abweisenden Konturen eher noch zu den leichteren Zielen für gut ausgebildete Hochalpinisten zählt. Der Bumiller-Pfeiler am Mittelgipfel des benachbarten Piz Palü läutete dagegen schon im Jahre seiner Erstbegehung 1887 den extremen Alpinismus ein und wird auch heute noch mit sehr schwierig bewertet.Uns erwarten keine großen Schwierigkeiten, denn bald wird die Straße flacher und an den Schienen der Berninabahn entlang erreichen wir bald die Berninahäuser (km 8,0). Es ist Europas höchste Adhäsionsbahn, zwischen 1906 und 1910 erbaut, und wer mit dem Begriff Adhäsion nichts Rechtes anfangen kann, laut Lexikon bezeichnet es das Haften zweier Stoffe oder Körper aneinander. Als Beispiele wären etwa das Haften von Wassertropfen an einer Fensterscheibe oder von Kreide an Wandtafeln zu nennen.Statt mit der Adhäsion müssen unsere Reifen eher gegen die Rollreibung, also die hemmende Kraft, die ein Körper erfährt, wenn er auf einem anderen abrollt, ankämpfen, aber die ist auf der weiterhin kaum ansteigenden Straße eher gering. Bald ist die Talstation der Diavolezza-Seilbahn (km 9,0) erreicht, und auch bis zur Talstation der Lagalb-Seilbahn (km 10,5) hält sich der Rollwiderstand weiter in Grenzen. Nun nimmt der Kraftaufwand wieder zu, denn zusätzlich zum Rollwiderstand müssen wir auf der bis 10 % ansteigenden Trasse auch wieder die Hangabtriebskraft hinauf zum kleinen Lago Bianco (km 13,5) überwinden. Er hat seinen Namen wohl vom Weiß der Gletscher des darüberliegenden Piz Cambrena, von denen er gespeist wird, denn die Farbe des Wasserspiegels weist meist eine eher milchig-grüne Färbung auf. Einige Kehren trennen uns dann noch vom Ospizio Bernina (km 15,0), von dem die eigentliche Passhöhe nur noch etwa 150 Meter entfernt ist.Während die Nordseite des Berninapasses landschaftlich gesehen viel zu schön ist, um sich damit zu befassen, sie im Renntempo zu bewältigen, trifft dies auf die Südseite nicht unbedingt zu, die landschaftlich eindeutig im Schatten der Nordseite steht. Dafür veranstaltet der Velo Club Valposchiavo jährlich im Juni ein Radrennen für Hobbyradler mit Start in Poschiavo. Bis zur Passhöhe sind dabei auf 18 Streckenkilometern immerhin 1330 Höhenmeter zu bewältigen. Eine Veranstaltung zwar mit eher regionalem Charakter, aber wer Lust verspürt, hier einmal an seine körperlichen Grenzen zu gehen, der kann sich mit dem Velo Club Valposchiavo, 7742 Poschiavo, Herrn Cortese Emanuele, Tel. 081/ 834/5960 oder Mobil 079/419/0249 oder Herrn Isepponi Fausto, Tel. 081/844/0227 in Verbindung setzen. Informationen unter: www.valposchiavo.ch/sport/veloclub.Sehenswürdigkeiten: Pontresina: Museum Alpin, Burgturm Spaniola. Parkplatz Montebello auf der Nordseite mit prachtvollem Blick auf Berninagruppe. Poschiavo: Stiftskirche S. Vittore,13. Jahrhundert, Barockkirche St. Maria Assante, Spaniolenviertel.

Schwierigkeit:

Leichte Radtour mit 10 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung

Dauer:

1,25 - 2 / 3,25 - 4,75

Befahrbarkeit:

Ganzjährig befahrbar

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour49 km
Höhenunterschied525 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite – Ausgangspunkt: Pontresina, 1805 m, bei St. Moritz im Oberengadin; Anfahrt: Autobahn Innsbruck-Bludenz A 12 (Inntalautobahn), Ausfahrt Zams/Landeck Ost – Pfunds – Martina – Scuol – Zernez – St. Moritz - Pontresina Südseite – Ausgangspunkt: Tirano, 438 m; Anfahrt: entweder über den Gáviapass (Tour 41) nach Bórmio und über Grosio nach Tirano oder Brennerautobahn A 22, Ausfahrt San Michele a. A./Mezzocorona – Mezzolombardo – Cles – Male – Tonalepass – Edolo – Apricapass – Sondrio – Tirano
TourencharakterPontresina (km 0,0) – Parkplatz Montebello (km 5,0) – Bernina Häuser (km 8,0) – Talstation Diavolezza Seilbahn (km 9,0) – Talstation Lagalp Seilbahn (km 10,5) – Lago Bianco (km 13,5) – Passhöhe (km 15,0) / Tirano (km 0,0) – Campocologno/Grenze (km 1,5) – Brusio (km 5,0) – Poschiavo (km 15,0) – La Motta (km 31,0) – Passhöhe (km 34,5)
Hinweise
Schwierigkeit: Leichte Radtour mit 10 % Höchststeigung / Schwere Radtour mit 10 % Höchststeigung, Dauer:1,25 - 2 / 3,25 - 4,75, Befahrbarkeit: Ganzjährig befahrbar
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
2330 m

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