Alpen-Traum(a): Bergetappe vom Schliersee zum Spitzingsee

Anspruchsvolle Wettkampfstrecke mit knackiger Steigung: Vom Schliersee zum Spitzingsee (Autor: Björn Eichelbaum)

Die berühmt-berüchtigte Radstrecke des Hexal Alpentriathlons bietet auf der relativ kurzen Streckenlänge von 50 Kilometern, über 800 Höhenmeter auf idyllische Landschaft verteilt, einen technisch anspruchsvollen Kurs mit steilen Anstiegen, schnellen Abfahrten und als krönendem/quälendem Abschluss den Anstieg zum Spitzingsattel.

Der Luftkurort Schliersee ist ein international bekannter Wintersportort in den Bayerischen Alpen, befindet sich etwa 50 Kilometer von München entfernt und ist auch ohne Fahrrad unter dem Hintern zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Das Streckenziel befindet sich einige Meter höher am Spitzingsee, der Ausgangspunkt für idyllische und anspruchsvolle Bergwanderungen ist. Bei der Anfahrt mit dem Zug sollten Sie darauf achten, in München in den richtigen Waggon zu steigen (für Fahrräder sind pro Wagen etwa fünf bis sechs Stellplätze vorgesehen), da der Zug in Holzkirchen geteilt wird und nur ein Teil Richtung Bayrischzell weiterfährt.

Startpunkt der Tour ist der Bahnhof Schliersee, wo auch die mit dem Auto Angereisten einen Parkplatz finden sollten. Am Wettkampftag des Alpentriathlons befindet sich die Wechselzone, in der die Fahrräder abgestellt sind, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof auf der Wiese Richtung Seeufer. Ihnen bleibt der Wechsel vom Schwimmen auf das Rad erspart, Sie machen sich gleich auf den Weg entlang der Bahnhofstraße und biegen nach etwa 200 Metern links auf die B307, die Miesbacher Straße, ab. Sie folgen der B307 bis nach Hausham, durch Hausham fast ganz hindurch und biegen rechts in die Obere Tiefenbachstraße ein, die im weiteren Verlauf zur Wörnsmühler Straße und später zur Freigutstraße wird.

Auf den nächsten Kilometern bis nach Wörnsmühl zeigt die Strecke zum ersten Mal ihren wechselhaften Charakter, es geht in stetiger Steigung bergauf und dann auch wieder flott bergab. Achten Sie auf Gegenverkehr, da die Straßen nicht besonders breit sind. Am Renntag ist die Strecke zwar komplett für den Verkehr gesperrt, allerdings erfordern die schwer einsehbaren Kurven vor den Abfahrten eine Menge Mut. Überprüfen Sie Ihre Bremsen vor dieser Strecke lieber zweimal und fahren Sie im Zweifelsfall etwas langsamer. Unglaublich, aber leider wahr: Auch auf dieser Strecke sieht man immer wieder Unverbesserliche, die mit viel Gottvertrauen, aber ohne Helm unterwegs sind.

Auf den Spitzingsattel

In Wörnsmühl fahren Sie die Dorfstraße entlang, bis es links in die Miesbacher Straße und nach etwa 200 Metern steil rechts den Unterschönberg hinauf bis nach Deining geht. Es ist übrigens keine Schande, auf dieser Strecke mit Kompaktkurbel oder einem 27er-Ritzel unterwegs zu sein, das mitleidige Lächeln der Trainingspartner wird sich spätestens am Spitzingsattel in Schweiß und Schmerzen auflösen. Von Deining aus folgen Sie der Bachstraße nach Bach und biegen dort rechts Richtung Niklasreuth ab. Nutzen Sie die kurze, flache Passage zur Erholung, denn in Niklasreuth geht es wieder steil aufwärts, dann folgt eine Abfahrt Richtung Sonnenreuth, bevor Sie kurz vor Sonnenreuth scharf links Richtung Rank abbiegen.

Nun schlängelt sich die Straße auf und ab bis nach Effenstätt, von wo aus es links nach Schneider geht. In Schneider folgen Sie dem Schneiderhansenweg bis nach Gern, von dort aus weiter nach Hub und dann Richtung Hundham. In Hundham biegen Sie links auf die Leitzachtalstraße und fahren über Elbach und Marbach bis nach Fischbachau und dort weiter die Straße entlang über Sandbichl bis zur B307, wo Sie rechts Richtung Aurach abbiegen. Die folgenden, leicht abfallenden Kilometer sollten Sie nutzen, um sich zu verpflegen, da es nach dem Abbiegen in die Bayrischzeller Straße Richtung Schliersee/Spitzingsattel nur noch aufwärts geht.

Der Anstieg ist gut vier Kilometer lang, wird im Verlauf stetig steiler und ist nicht durch Serpentinen unterbrochen. Man sieht also genau, was man noch vor sich hat. Ein guter Tipp ist es, die ersten zwei bis drei Kilometer nach Möglichkeit gleichmäßig im Sitzen zu fahren, um noch ein paar Körner für die Anfahrt zum Spitzingsattel in petto zu haben. Absteigen ist keine Schande, solange kein Mountainbiker in Sichtweite ist, im Zweifelsfall hat halt gerade Ihr Handy in der Trikottasche vibriert. Mit Passieren des Spitzingsattels auf 1.129 Meter Höhe haben Sie es dann geschafft und können nun locker Richtung Schliersee ausrollen, um im Ort an einer der vielen Einkehrmöglichkeiten zu rasten. Oder Sie ziehen sich die Laufschuhe an und rennen noch die zehn Kilometer der Triathlon-Laufstrecke ab – es muss ja nicht unbedingt im Renntempo sein.

Rasende Abfahrt

Der Rückweg nach Schliersee führt den Spitzingsattel wieder hinab. Seien Sie bei der Abfahrt vorsichtig, da die Strecke auch bei Motorradfahrern sehr beliebt ist. Das Rad hier einfach ungebremst laufen zu lassen, ist dumm, unvernünftig und fahrlässig. Unten an der Kreuzung angekommen, biegen Sie links Richtung Schliersee ab und folgen der B307 über Neuhaus und Fischhausen bis zum Ortskern, wo Sie nach etwa 50 Kilometern hoffentlich erschöpft, aber gesund und zufrieden wieder am Bahnhof ankommen.

Der Streckenrekord vom Startpunkt bis zur Wechselzone am Spitzingsee liegt übrigens bei unglaublichen 1:06:45 und wurde von Hektor Llanos 2003 aufgestellt. Der Goldmedaillengewinner von Peking, Jan Frodeno, benötigte 2008 übrigens 1:10:40. Bei den Damen hält Ina Reinders mit 1:17:33 seit 2007 den Streckenrekord.

Die folgenden Zitate dokumentieren, dass es durchaus geteilte Meinungen über die Streckenführung gibt. Trotzdem für jeden ambitionierten Radfahrer ein Muss:»Ich bin total geschockt.« (Lothar Leder über seinen ersten Eindruck von der Radstrecke) »Einer der härtesten Wettkämpfe überhaupt.« (Ralf Eggert; mehrfacher Deutscher Meister) »Ich war vor vier Jahren schon mal mit Miles Stewart hier. Als wir die Strecke gesehen haben, sind wir abgereist und bei einem Rennen in Holland gestartet.« (Shane Reed; Ex-Weltmeister Miles Stewart wurde nie mehr am Schliersee gesichtet.)


GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour48 km
Höhenunterschied845 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Schliersee
EndpunktSpitzingsee bzw. Bahnhof Schliersee
TourencharakterRadstrecke des Hexal Alpentriathlons. Technisch und konditionell sehr anspruchsvolle Strecke mit 4 km langer Steigung zum Spitzingsattel.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes (1:50 000)
VerkehrsanbindungBahn: Von München Hbf. mit der BOB bis Bahnhof Schliersee
Auto: Von München über die Salzburger Autobahn A8 bis Anschlussstelle Weyarn, weiter über Miesbach und Hausham nach Schliersee
GastronomieIn Schliersee: Café Stickl, Neuhauser Straße10
Beim Wofen im Markus-Wasmeier-Bauernhof- und Wintersportmuseum (Nähe Bahnhof Fischhausen-Neuhaus), Brunnbichl 5
In Fischbachau: Café Winkelstüberl, an der B307
Tipps
Sehenswertes in Schliersee: Wenn Sie schon in Schliersee sind, wäre es fast ein Verbrechen, wenn Sie nach der Ausfahrt direkt wieder nach Hause fahren. Sommers wie winters hat die Region viel zu bieten, etwa das Freilichtmuseum, das vom Ski-Ass und Ehrenbürger Schliersees, Markus Wasmeier, gegründet wurde (Breitensteinstr. 14d, 83727 Schliersee, Telefon 08026-92922-0, E-Mail: info@wasmeier.de, www.wasmeier.de). Oder die Burgruine Hohenwaldeck, die als ein Grundstein des über 1.200-jährigen Marktes gilt. Auf der Homepage der Region Schliersee finden Sie aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, eine Kartenübersicht und Angebote zu Übernachtung und Freizeitgestaltung. Der Hexal Alpentriathlon bietet übrigens auch einen Staffelwettbewerb an. Sollten Sie also einen Schwimmer und Läufer in Ihrem Bekanntenkreis haben, steht einem Start ja nichts im Wege.
Verleih
Alle in Schliersee: Radsport Rebel, Miesbacher Straße 12, Tel. 08026-2727; Schlierseer Radhaus, Schlierachstraße 4, Tel. 08026-6800; Sport Berauer, Rathausstraße 17, Tel. 08026-6665

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