Albula-Passstraße

Alpenpässe in der Schweiz (Autor: Rudolf Geser)
Von den drei innerschweizer Zufahrten ins Engadin, dem Flüela- ( Tour 53), Albula- (Tour 54) und Julierpass (Tour 55) ist die Fahrt über den Albulapass landschaftlich gesehen sicherlich die schönste. Sie ist auch die abwechslungsreichste und interessanteste, wovon wir an unserem Ausgangspunkt Tiefencastel allerdings noch nicht allzu viel bemerken. Nur der von »Kastell in der Tiefe« abgeleitete Name erinnert noch daran, dass hier einst zur Karolingerzeit eine befestigte Siedlung mit einem Königshof stand. Schon vor einem Brand im Jahre 1890 war hier kaum noch etwas davon zu sehen, bevor dieser auch noch die letzten Überreste aus früheren Epochen in Schutt und Asche legte. Allein die barocke Pfarrkirche des Ortes ist noch älteren Datums.Wir verlassen Tiefencastel (km 0,0) über Surava (km 2,5) und Alvaneu-Bad (km 5,5) auf mäßig ansteigender Straße, die nur in den Ortschaften hin und wieder kurz auf 10 % zunimmt. In Filisur (km 9,5) bietet uns die enge Ortsdurchfahrt eine gute Gelegenheit, die wuchtigen, graffitigeschmückten Häuserfassaden mit ihren tief eingelassenen Fenstern, malerischen Erkern und breiten Rundbogenportalen, die bereits typisch Engadiner Baustil erkennen lassen, zu bewundern. Bis dort hinüber ist es allerdings noch ein weiter Weg. Bis km 13,5 hält sich die Trasse noch im Talboden, um dann auf 10 % anzusteigen. Unvermittelt befinden wir uns in der »Bergüner Klamm«, einem schmalen, fast beklemmend eng wirkenden Felsdurchbruch, durch den sich die gut 150 m tiefer schäumende und tosende Albula einen Durchbruch geschaffen hat. Wir überwinden diesen Abschnitt unterhalb drohend überhängender Felswände über zwei Kehren mit 12 % Steigung und erreichen bei nachlassender Steigung Bergün (km 17,0). Wenn Sie auf der nachfolgenden Kehrenstrecke mit Steigungen zwischen 10 und 12 % plötzlich ein mächtiges Schnaufen vernehmen, muss es kein Konkurrent sein, der zum Überholen ansetzt. Es dürfte eher die Rhätische Bahn sein, deren zwischen Thusis und Samedan verkehrende rote Wagen ebenfalls diesen bautechnisch schwierigen Abschnitt über mehrere Kehren und vier Kehrentunnels, teilweise umständlich rangierend, recht mühsam überwinden.In Preda (km 23,5) hat sie es dann leichter, sie verschwindet in einem 5865 m langen Tunnel, während wir weiter bei 10 %iger Steigung aufwärts radeln müssen. Der stimmungsvolle, dunkelgrün schimmernde Palpuognasee verschönert die Landschaft etwas, aber wer ein erfrischendes Bad nehmen möchte, wird enttäuscht, denn ein Schild weist auf ein bestehendes Badeverbot hin. War dieser Abschnitt noch vor einigen Jahren ungeteert, hat sich dies jedoch geändert, die Strecke wurde nunmehr gänzlich asphaltiert. Vorbei an der Versuchsalp für Tierproduktion Weißenstein (km 27,5) radeln wir nun hinein in eine immer öder und trostloser werdende Gebirgslandschaft und finden uns plötzlich inmitten zahlloser riesiger Felsbrocken wieder. Es ist die Trümmerlandschaft des Val di Diavel, des Teufelstales, die von einem gewaltigen Bergsturz an den Hängen des südlich gelegenen Piz de las Blais stammt und durch welche eine teilweise schmale Trasse geschaffen wurde, die mit einer gleichmäßig zwischen 10 und 12 % liegenden Steigung zur Passhöhe (km 31,5) führt. Dort warten dann nicht nur ein Restaurant, sondern auch grüne Almwiesen und weidende Kühe auf uns.Die Abfahrt geht rascher vonstatten als die Auffahrt, neun Kehren mit Gefälle bis 12 % verteilen sich auf die knapp 10 km hinunter nach La Punt, wo ich jedoch noch auf eines hinweisen möchte: Der Bahnübergang vor dem Ortseingang bildet eine Gefahrenstelle in Form einer Sprungschanze, die jeden Radler, der hier schneller als mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs ist, unweigerlich in die Erdumlaufbahn katapultiert.Sehenswürdigkeiten: Preda: bahnhistorischer Lehrpfad vom Bahnhof Preda nach Bergün (8 km). Bergün: Dorfstraße mit Häusern im Engadiner Baustil.Tipp: Etwas Besonderes für Radler hat sich die Tourismusinformation Albula einfallen lassen. Sportliche Radler können an speziell errichteten Stempeluhren mittels Zeitkarte ihre von den Ausgangspunkten Filisur oder Bergün bis zur Passhöhe benötigte Zeit erfassen lassen. Diese wird dann im Internet veröffentlicht und einmal im Jahr findet ein »Finalrennen« statt. Infos unter www.albula-trophy.ch oder Tourismusinformation Albula: Bergün Ferien, Hauptstraße 83, CH-7482 Bergün, Tel. 004181/4071152, E-Mail: info@bergün.ch, www.bergün.ch

Schwierigkeit:

Mittelschwere bis schwere Radtour mit 12 % Höchststeigung / Leichte bis mittelschwere Radtour mit 12 % Höchststeigung

Dauer:

2,25 - 3,5 / 1,25 - 1,75

Befahrbarkeit:

1. Juni bis 31. Oktober

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour41 km
Höhenunterschied1465 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWestseite – Ausgangspunkt: Tiefencastel, 851 m; Anfahrt: Autobahn Bregenz-Chur (Rheintalautobahn), Ausfahrt Zillis – Thusis – Sils – Tiefencastel Ostseite – Ausgangspunkt: La Punt, 1687 m, im Oberengadin; Anfahrt: Autobahn Innsbruck-Bludenz A 12 (Inntal-autobahn), Ausfahrt Zams/Landeck Ost – Pfunds – Martina – Scuol – Zernez – Brail – Zuoz – La Punt
Hinweise
Schwierigkeit: Mittelschwere bis schwere Radtour mit 12 % Höchststeigung / Leichte bis mittelschwere Radtour mit 12 % Höchststeigung, Dauer:2,25 - 3,5 / 1,25 - 1,75, Befahrbarkeit:1. Juni bis 31. Oktober
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Schweiz
Höchster Punkt
2315 m

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