Von Mals über die Uina-Schlucht nach Glurns

Anspruchsvolle Ganztagestour, die fahrtechnisches Können und Schwindelfreiheit voraussetzt. Auch trailtaugliche Fahreigenschaften sollte man besitzen, um die Tour auf dem Rad bewältigen zu können. (Autor: Uli Preunkert, Carolin Kreutzer, Marianne Pietschmann)
Man sollte sich aber vom Mythos Uina-Schlucht nicht allzu sehr verunsichern lassen. Im oberen Teil des Tales, wo der Steig in den Berg gesprengt wurde, muss jeder schieben. Wer ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit besitzt, der wird sich an der spektakulären Szenerie unbeschwert erfreuen können.
Wir starten unsere Vinschgau-Highlights-Tour in Mals, einem sonnenverwöhnten Hauptort im Obervinschgau. Von dort geht es auf bestens präparierten Radwegen über Schleis nach Burgeis und weiter auf dem Radweg entlang der Etsch bis zum Haidersee. Im Gegensatz zu dem künstlich angelegten Reschenstausee ist der Haidersee völlig naturbelassen. Viele Fischer und Angler frönen hier ihrem liebsten Hobby. Im Winter ist der See ein beliebter Treffpunkt für Eissegler und Snowkiter. Der See friert meist schon Ende November zu und lockt Eissegler aus den entferntesten Ländern an.
Knapp 1,5 Kilometer hinter dem Haidersee gelangen wir an den bekannten Reschensee, an dem wir linker Hand entlangradeln. Hinter dem Reschensee queren wir zuerst die Landesgrenze nach Österreich und dann den Reschenpass auf 1507 Metern. Ab hier rollen wir gemütlich Richtung Nauders. Zur Linken sehen wir das Schloss Naudersberg. Nach dem Schloss biegen wir links ab und fahren Richtung St.Moritz auf die Norbertshöhe hoch. Auf der Norbertshöhe können wir entweder der Straße bis zum Zollamt abwärts folgen oder die Wanderwege Nr. 11/12 Richtung Schöpfwarte wählen. An den Wanderwegen werden aber nur Liebhaber sehr technischer Trails ihre Freude haben, alle anderen werden mehr schieben als fahren. Unten angekommen geht’s links Richtung Schweiz.
Wir passieren den Zoll (1035 m) und überqueren die zweite Landesgrenze innerhalb einer Stunde. Nach nur wenigen Kilometern in Österreich finden wir uns nun in der Schweiz und damit auch außerhalb der Euro-Zone wieder.
Auf der rechten Nebenstraße kurbeln wir weiter den Inn aufwärts. Ein Stück müssen wir auf der Hauptstraße fahren, kurz vor der Ortschaft Strada nehmen wir die rechte Nebenstraße durch den Ort. Bei der Ortsausfahrt queren wir die Hauptstraße sowie den Inn nach San Nicolá. Auf Asphalt- und Schotterstaße pedalieren wir über Raschvella nach Resgia weiter Richtung Sur En (1112 m). Am Campingplatz halten wir uns links.
Von Sur En geht’s ins Tal hinein bis zur fantastischen Uina-Schlucht. Auf brutal steilen Schotterpisten treten wir hinauf zur Hütte Uina Dadaint (1770 m). Von hier aus kann man schon die C-förmige, in den Fels gesprengte Röhre durch die Schlucht erkennen. Nach ein paar Metern heißt es: absteigen und schieben. Macht aber nichts, denn so können wir die Aussicht viel besser genießen und munter drauflosknipsen. Ca. 45 Minuten schieben wir unsere Bikes den Felsenweg der Uina-Schlucht hoch. Gutes Schuhwerk ist empfehlenswert, einige Stellen können schon mal etwas rutschig sein. Die Schlucht ist der absolute Hit! Allerdings stehen wir da mit unserer Meinung nicht alleine. Besonders an Wochenenden muss man hier mit Millionen von Bikern rechnen. Für Mountainbiker, die die Einsamkeit suchen, ist dieser Ort zu normalen Tageszeiten eher nichts.
Ein Stahlseil dient dem schmalen Weglein als Geländer, der Weg ist höchstens 1,50 Meter breit und die Felsen neben uns stürzen senkrecht in die Tiefe. Ein bisschen schwindelfrei sollte man hier schon sein! Wer keine Höhenangst hat, kann ein nahezu unwirkliches Panorama in vollen Zügen genießen.
Bei einer Höhe von 2100 Metern hat man die Schlucht hinter sich gebracht und kann wieder aufsatteln. Auf einem schmalen Trail, einem echten Konditionskiller, fahren wir auf den 2309 Meter hohen Schlinigpass. Am Schlinigpass freuen wir uns, denn wir sind zurück in Italien. Auf tollen Pfaden fahren wir über ein baumloses Hochplateau bis zur Sesvennahütte. Völlig erschöpft kommen wir an der Hütte an, hier verabreicht einem der Wirt schon mal ein »Schnapserl« zur Begrüßung. Wir füllen unsere leeren Energiespeicher mit lauter Köstlichkeiten und fachsimpeln mit anderen Bikern über die Berge, die Bikes und das Wetter.
Nun geht es auf der anfangs harmlos wirkenden Schotterstraße Richtung Schlinig hinunter. Doch hier ist Vorsicht geboten, uns erwartet ein extrem steiles Stück bei der Schwarzwand, wer sich hier nicht sicher im Sattel fühlt, sollte lieber absteigen. Nachdem wir das extreme Gefälle hinunter zur Schliniger Alm gemeistert haben, liegen die größten Schwierigkeiten endgültig hinter uns. Ab jetzt gilt es, die weiteren Kilometer auf asphaltierten Radwegen zurückzulegen. Wer noch nicht völlig erschöpft ist, kann sich an der abwechslungsreichen und schönen Landschaft in der Reschenregion erfreuen.
In Schlinig angekommen, fahren wir durch den Ort und biegen dann rechts auf die Nebenstraße hinunter Richtung Schliniger Bach. Bei der Gabelung halten wir uns rechts vom Bach und fahren auf schönen Waldwegen bis Schleis. In Schleis biegen wir rechts auf die Radroute Richtung Meran und kommen nach wenigen Kilometern in Glurns, unserem heutigen Etappenziel, an.

Roadbook.
1) Von Mals in nördlicher Richtung auf dem Radweg nach Burgeis fahren 2) Von Burgeis weiter auf dem Etschtalradweg Richtung Reschenpass fahren 3) Am Reschensee linker Hand vorbeifahren 4) Dem Radweg bis zum Reschenpass folgen 5) Weiter auf dem Radweg bis Nauders fahren (Via Claudia Augusta) 6) Beim Schloss Naudersberg links abbiegen 7) An der Hauptstraße rechts abbiegen und dieser ein kurzes Stück folgen 8) Nächste Straße links abbiegen und bis zur Hauptstraße vorfahren 9) Dort rechts abbiegen und auf der Asphaltstraße (B 185) weiter Richtung Schweiz Martina fahren 10) Bei der ersten Kehre Richtung Martina/Martinsbruck den Wanderweg Nr. 11/12 nehmen und in das Inntal hinunterfahren – Alternative Wer keine technischen Trails mag, fährt lieber auf asphaltierter Straße die Kehren hinunter bis zur Zollstation. 11) Den Zoll (1035 m) passieren (Schweiz) 12) Links abbiegen und rechte Nebenstraße innaufwärts fahren 13) Der Hauptstraße (B 27) Richtung Strada folgen 14) Kurz vor der Ortschaft Strada die rechte Nebenstraße durch den Ort nehmen 15) Bei der Ortsausfahrt die Hauptstraße sowie den Inn queren 16) Weiter nach San Nicolá fahren 17) Auf der Asphaltstraße (später Schotterstaße) über Raschvella und Resgia weiter Richtung Sur En (1112 m) 18) In Sur En hinter dem Campingplatz links fahren 19) Links ins Tal Richtung Uina- Schlucht abbiegen 20) Der steilen Schotterpiste bis zur Hütte Uina Dadaint (1770 m) folgen 21) Die Bikes den Felsenweg der Uina-Schlucht hochschieben (ca. 45Min.) 22) Nach dem Felsenweg dem schmalen Trail bis auf den 2309 m hohen Schlinigpass folgen 23) Am Pass den Pfaden über das Hochplateau bis zur Sesvennahütte folgen 24) Ankunft an der Sesvennahütte 25) Weiter auf der Schotterstraße Richtung Schlinig (Vorsicht steil!) 26) Dem Weg bis zur Schliniger Alm folgen 27) In Schlinig angekommen den Ort durchqueren 28) Rechts auf der Nebenstraße hinunter Richtung Schliniger Bach fahren 29) Bei der Gabelung rechts vom Bach fahren 30) Den Wegen bis Schleis folgen 31) In Schleis rechts auf die Radroute Richtung Meran biegen 32) Nach wenigen Kilometern Ankunft in Glurns.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour70 km
Höhenunterschied2250 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortMals
AusgangspunktMals
EndpunktGlurns
TourencharakterZum Start unserer Vinschgau-Transalp Medium erwartet uns die klassische Dreiländertour mit einem atemberaubenden Trail durch die Uina-Schlucht. Diese ist sicherlich einer der spektakulärsten Orte im Alpenraum, wo man sich mit dem Mountainbike noch angemessen fortbewegen kann. Die Tour ist ein absolutes Biker-Highlight; hier radelt man an einem Tag von Italien nach Österreich in die Schweiz und wieder retour nach Italien!
Hinweise
Erlebniswert – hoch. Kondition – hoch. Fahrtechnik – anspruchsvoll.
KartentippKompasskarte Vinschgau, Val Venosta: Wander-, Rad- und Skitourenkarte, 1:50 000. Kompasskarte Landeck, Nauders, Samnaungruppe: Wandern/Rad/Skitouren, 1:50 000
VerkehrsanbindungMit dem Auto: Über den Reschenpass über Reschen–Graun–St.Valentin bis Mals. Mit dem Zug: Mit einer internationalen Verbindung nach Bozen fahren, dort in den Regionalzug nach Meran einsteigen. In Meran umsteigen in die Vinschgerbahn und bis zur Endstation Mals fahren.
GastronomieUina Dadaint, Sesvennahütte
Informationen
Siehe Tour 11.2 in Karte
Höchster Punkt
2315 m (Schlinigpass)
Unterkunft
Sporthotel Muchele, Burgstall bei Meran, Maiergasse 1, I-39014 Burgstall bei Meran, Tel. +39/(0)473/29 11 35, Fax +39/(0)473/29 12 48. Schulerhof, Gröbenweg 6, I-39025 Plaus/Naturns bei Meran, Tel. +39/(0)473/66 00 96, Fax +39/(0)473/66 00 64, info@schulerhof.it. Hotel Mesnerwirt, Kirchweg Nr. 2, I-39010 Hafling oberhalb Meran, Tel. +39/(0)473/27 94 93, Fax +39/(0)473/29 95 30.
Tourismusbüro
www.meran.info, www.meran.eu, www.meranerland.com.

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