Auf den Osterfelderkopf

Nach einer nur im letzten Abschnitt schwierigen Auffahrt erwartet den Biker am Osterfelderkopf auf 2035 Metern direkt unterhalb des markanten Dreiecks der Alpspitz-Nordostwand, eine 1a-Gipfelschau. (Autor: Hans-Peter Wedl)
Höher hinaus geht es nimmer im Wettersteingebirge – zumindest nicht für Biker, wenn sie im Sattel bleiben wollen. Stolze 2035 Meter zeigt der Höhenmesser, wenn man ganz oben am Osterfelderkopf erschöpft vom Rad steigt. Doch ist die nackte Zahl schon beeindruckend, so ist das gar nichts im Vergleich zu dem, was sich vor dem Auge des Betrachters ausbreitet:

Der Blick reicht an guten Tagen hinaus bis zum Starnberger See, Ettaler Manndl und zu den höchsten Gipfeln des Estergebirges, mit denen man sich hier oben auf Augenhöhe befindet. Vorneweg erkennt man deutlich tiefer die Kreuzalm, auf der vielleicht vor noch gar nicht langer Zeit ein wohlverdienter Zwischenstopp eingelegt wurde. Weiter im Osten zieht vor dem Hintergrund des Karwendels die Wettersteinwand hoch, und unter den Kuppen der Dreitorspitzen ist König Ludwigs Schachenschloss auszumachen, das hoch über dem Reintal thront. Und im Westen steigen aus der Tiefe des Höllentals die schroffen Wände des Waxensteins empor.

Scheidepunkt an der Hochalm

Dominiert wird die Szenerie am Osterfelderkopf jedoch vom unwirklichen Felsdreieck der Alpspitze, das sich nach Süden hin vor dem staunenden Betrachter scheinbar zum Greifen nah auftürmt. Wer bei all dieser Gipfelpracht meint, das ginge nur mit einem »Mörderstieg«, der sieht sich positiv überrascht. Freilich sind richtig erholsame Passagen auf dem Rad eher selten, doch auch steile Rampen und anspruchsvoller Untergrund sind die Ausnahme. Dies gilt in jedem Fall bis zur auf 1700 Meter gelegenen Hochalm.

Bis hierhin ist steter Tritt erste Devise – richtig steil sind lediglich zwei kurz aufeinander folgende Rampen im Mittelteil, kurz nach dem Abzweig vom Alpenrandklassiker (bekannte, durchgehend beschilderte MTB-Strecke). Jenseits der Hochalm stimmt dann auch die Assoziation: Umso höher heißt umso anstrengender und umso schwieriger. Wer sich die Schinderei sparen will und sich dennoch die umfassende Gipfelsammlung nicht entgehen lassen mag, der stellt sein Bike an der Hochalm ab und wandert gemütlich die noch fehlenden Meter; oder noch einfacher, er steigt einfach in die Hochalmbahn.

Hut ab vor jedem, der den Abschnitt zwischen Hochalm und Osterfelderkopf gar in einem Sitz bewältigt! Denn schließlich stecken hier schon knapp 1000 Höhenmeter in den Knochen. Da tut es gut, wenn mit der Durchfahrt durch die Felsmauer der Aschenköpfe das Ziel in Sichtweite rückt. Dabei kommt jedoch auch gleich noch etwas ganz anderes in Sicht, nämlich jede Menge Ausflügler, die sich am Osterfelderkopf, der Bergstation der Alpspitzbahn und der Hochalmbahn, tummeln.

Doch daran hat sich der Gipfelstürmer auf zwei Rädern eh längst gewöhnt; schließlich teilt er sich seit der Kreuzalm den Weg mit all jenen, die sich die alpine Gipfelschau mit einer Seilbahnauffahrt erkauft haben. Und das sind an guten Tagen nicht wenige, denn auch die Kreuzeckbahn, die ihre Passagiere wenig oberhalb der Kreuzalm ins Freie entlässt, sorgt für Nachschub. Für manchen Biker möglicherweise ein Grund, sich trotz der geschilderten optischen Reize schnell sattzusehen; anderen mundet der Gipfeltrunk gerade wegen der Après-Ski-ähnlichen Stimmung besonders gut.

Abstecher zur historischen Olympia-Bobbahn

Der Abschied geht in jedem Fall dank der geleisteten Vorarbeit entsprechend fix, besonders wenn man entlang der Auffahrtsroute abfährt. Spannender jedoch ist es, am Alpenrandklassiker-Abzweig nach Osten zu schwenken und über den Vorderen Hausberg Richtung Kochelbergalm abzufahren. Ab dem Bayernhaus entwickelt sich die Abfahrt aufgrund der kompromisslosen Streckenführung zu einem echten Husarenritt, garniert mit zahllosen fiesen Querrinnen. Da heißt es die Konzentration hochhalten, bis mit dem Schwenk auf den Rießer Höhenweg die halsbrecherische Tempofahrt von einem fröhlichen Galopp auf schmalen Pfaden abgelöst wird.

Der Trail ist die perfekte Abwechslung nach jeder Menge Forststraßen und Kieswegen. Zurück am Auffahrtsweg fehlen jetzt nur mehr wenige Meter zum Ausgangspunkt, und im Bewusstsein dessen sollte es doppelt leicht fallen, mit Zeit und Muße den Tag auf der Terrasse des Seehotels Rießersee gebührend ausklingen zu lassen. Der »Umweg« über den Rießersee führt dabei direkt vorbei an den eleganten Rundungen der historischen Olympia-Bobbahn. Die damals kurvenreichste Bahn war die Erste, die in den wichtigsten Kurven mit Eisquadern ausgekleidet war. Die stammten aus dem nahen Rießersee, aus dem für jedes Rennen 15.000 Stück der 30 x 30 x 20 Zentimeter großen Eiswürfel gesägt wurden. Die Bahn war 1936 Schauplatz der Olympischen Bobrennen und steht seit 2003 unter Denkmalschutz.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour26 km
Höhenunterschied1380 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz Talstation Alpspitzbahn/Kreuzeckbahn
EndpunktParkplatz Talstation Alpspitzbahn/Kreuzeckbahn
TourencharakterSportliche Auffahrt zum Top-Aussichtspunkt der Region
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Karte Nr. 5, 1:50000 Wettersteingebirge/Zugspitzgebiet
GastronomieAule-Alm, Tel. 08821/23 84; Mitte Dezember–Mitte Oktober, Tonihütte, Tel. 08821/31 09; ganzjährig, Kreuzalm, Tel. 08821/30 45; ganzjährig, Hochalm, Tel. 08821/29 07; ganzjährig, Garmischer Haus, Tel. 08821/79 85 50, Bayernhaus, Tel. 08821/28 28, See-Hotel Rießersee, Tel. 08821/954 40
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