SENTIERO NICO GUSELLA

Wanderparkplatz (1326m) wenig unterhalb der Prati Fosne, auf asphaltierten Zufahrten aus demVal Canali erreichbar; Abzweigungen bei der Ponte Piazmador (1075m) bzw. bei der Baita La Ritonda (1186m) (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
14 km
1650 m
10.00 h
Zustieg.
Auf einer nur sanft steigenden Sandstraße wandert man vom Parkplatz bei Prati Fosne an seiner linken Flanke hinein ins Val Pradidali. Bei Pedemonte (1650 m), das seinen Namen angesichts der Felsmauern rundum wirklich verdient, stößt man auf den von Ritonda heraufkommenden Talweg. Er steigt im Zickzack über einen schrofigen Rücken an, beschreibt dann eine Schleife unter den Sockelfelsen der Cima Canali (2900 m), ehe er über steinige Wiesenböden das herrlich gelegene Rifugio Pradidali (2278 m) ansteuert. Hinter der Hütte weist ein Schild zum nahen Passo di Ball (2443 m).
Sentiero Nico Gusella.
Aus dem Joch führt eine ausgetretene Spur in die von der Forcella Stephen herabziehende Schlucht, über der rechts mächtige Überhänge ragen. Drahtseile übernehmen bald einmal die Führung, leiten zunächst über wenig steile, plattige Felsen bergan, dann über steilere Aufschwünge. Durch eine geröllige Rinne gewinnt man schließlich den Kamm (2680 m); hier empfiehlt sich der Abstecher nördlich zur Cima di Val Roda (2791 m) mit 360°-Rundschau (15 Minuten, Spur).
Die Fortsetzung des »Sentiero Gusella« läuft, allmählich an Höhe verlierend, durch die schrofige Westflanke der Cima di Ball (2802 m). Kürzere Wegpassagen sind mit Drahtseilen gesichert; ein kleiner Anstieg führt in eine winzige Scharte. Dahinter öffnet sich unvermittelt der »Kaiserblick« auf das grandiose Felsduo Maor – Madonna (schöner Rast-platz). Über felsdurchsetzte Edelweißwiesen steigt man ab in die weite Karmulde westlich unterhalb des Porton (2460 m), wo die gleichnamige Ferrata mündet (siehe Tour 14).
Via ferrata del Velo.
Der »Schleierweg« führt in einem weiten Bogen – zunächst ab-, dann wieder ansteigend – hinüber zu den westseitigen Sockelfelsen der beiden Gipfel. Teilweise auf Eisenbügeln steigt man steil ab in die wilde Schlucht zwischen Sass Maor und Cima della Madonna. Gut 100 Meter tiefer entlässt einen die Ferrata über eine kurze, senkrechte Wandstufe ins Gehgelände. Die Wegspur quert unter mächtigen Überhängen ansteigend zu einem Schrofenhang. Hier hat man bereits Sichtverbindung mit dem 1980 erbauten Rifugio Velo della Madonna (2358 m), das ein paar Meter höher auf einer Terrasse thront – unmittelbar vor der Schleierkante.
Sentiero del Cacciatore.
Von der Hütte führt ein kleiner Weg durch das Schuttkar unter den Südabstürzen der Cima della Madonna bergan. Er tangiert dabei kurz den Grat. Hier darf man keinesfalls – den verführerischen Spuren folgend – in die ostseitige Schlucht absteigen! Die rot-weißen Markierungen leiten nach rechts in leichtes Felsgelände und auf den Ostgipfel der Cima della Stanga (2550m), der einen packenden Rundblick bietet. Von dem Panoramapunkt geht’s südseitig an einem Schrofenhang hinunter zu einer Weggabelung (ca. 2430m), wo ein Schild links zum »Jägersteig« weist. Über steinigeWiesen und Schrofen steigtman ab in die ostseitige Karmulde unter der Cima della Stanga. Ein Drahtseil hilft durch einen steilen Kamin (Schlüsselstelle!) in leichteres Gelände. Das Weglein läuft weiter bergab, wendet sich dann nach links in einen geradezu dantesken Graben (Wasser). Ein teilweise recht ausgesetztes, an einigen Stellen mit Drahtseilsicherungen versehenes Grasband leitet aus dem Boàl dei Pissoti auf eine Wiesenterrasse, wo sich ein Traumblick auf den Riesenobelisk des SassMaor (2814m) auftut. Der »Sentiero del Cacciatore« steigt über Felsstufen und schmale Bänder weiter ab zur Mündung einer wilden Schlucht (ca. 1880m). Am Rand des Geröllstroms, der erst unten in Pedemonte verebbt, führt eine Spur zwischen Latschen abwärts. Sie mündet am »Fuß der Berge« in den Hangweg, der vom Wanderparkplatz bei den Prati Fosne kommt. Auf ihm zurück zum Ausgangspunkt der Runde.
Sentiero Camillo Depaoli.
Der westseitige Abstieg zweigt in der Karmulde unterhalb des Rifugio Velo della Madonna (2358m) vomHüttenzustieg links ab und läuft amHang flach hinaus auf einem grünen Rücken (2263m; schöner Rastplatz). Unmittelbar an der Geländekante beginnen die Drahtseilsicherungen. Knapp 100Höhenmeter steigt man im Bereich einer seichten Rinne, teilweise über gestufte Felsen, ab gegen das Val Cismon. Dannwendet sich der »Sentiero Depaoli« nach links und quert die steinigen Almböden; im Vorblick hat man die Zacken und Nadeln der Cimerlo-Westflanke. Die wachsen beim weiteren Abstieg, der wiederholt von flachen Abschnitten unterbrochen wird, immer höher in den Himmel. Der schmale Weg passiert die wilde Klamm über dem Val Fazane, quert dann – wieder die Höhe haltend – mehrere Geröllreißen und steigt erst ganz zuletzt im Wald ab zur Forcella Col dei Cistri (1555m). Hier biegt man ein in die Sandstraße, die aus dem Valle dei Canali heraufkommt und wandert auf ihr zurück zum Parkplatz unweit der Prati Fosne.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1650 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz (1326 m) wenig unterhalb der Prati Fosne, auf asphaltierten Zufahrten aus dem Val Canali erreichbar; Abzweigungen bei der Ponte Piazmador (1075 m) bzw. bei der Baita La Ritonda (1186 m)
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterEine Warnung gleich vorab: Diese Runde im Süden der Pala ist nichts für fanatische Eisenfresser. Hier sind vor allem Bergsteiger unterwegs, die sich ihren Sinn für die Schönheiten der Natur bewahrt haben, deren Fokus nicht allein aufs Drahtseil gerichtet ist. Dass die Tour meiner Meinung nach trotzdem zu den Top-Klettersteigen der Dolomiten gehört, darf durchaus programmatisch verstanden werden: Klettersteiggehen als intensives Bergerlebnis. Und so ist diese Palatour eine einzige Abfolge faszinierender Bilder, berauschendes Spiel von Formen und Farben. Den Auftakt macht das Zackenprofil jenseits des Val dei Canali mit der eleganten Pyramide des Sasso d’Ortiga, dann tritt man ein in den felsummauerten Kessel von Pradidali. Beim Anstieg zum Passo di Ball, dessen Namen an den ersten Präsidenten des englischen Alpine Clubs erinnert, zeigt sich im Rückblick die wuchtige Bastion der Cima Canali besonders schön; oben am Pass wird der Blick zum hohen Felsdom der Pala di San Martino frei. Der Überstieg auf die Westseite des Kamms beschert freie Sicht ins Grüne, hinab ins waldreiche Val Cismon. Dann das Traumbild schlechthin: Sass Maor und Cima della Madonna, letztere mit ihrer himmelwärts schießenden Schleierkante, über die eine der berühmtesten Kletterrouten der Dolomiten läuft. Die beiden Riesenskulpturen begleiten den Wanderer über die Cima della Stanga und in die wilden Gräben, durch die sich der »Sentiero del Cacciatore« hinab und hinaus schleicht ins Val Pradidali.Wer den westseitigen Abstieg über den ebenfalls gesicherten »Sentiero Depaoli« wählt, bekommt Einblicke in das bizarre »Reich der Türme« an der Westflanke des Cimerlo: Wunderwelt Dolomiten.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1.25000, Blatt 022 »Pale di San Martino«
MarkierungenDurchwegs ordentlich markierte Wege, Hinweisschilder an allen Verzweigungen
GastronomieRifugio Pradidali (2278 m), 20.6.–20.9., Tel. 0439/64180. Rifugio Velo della Madonna (2358 m), 20.6.–20.9., Tel. 0439/768731
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 2–3 (mittel-ziemlich schwierig)